Rhein-Pfalz-Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Der Jazzgitarrist Christian Eckert im Porträt

Christian Eckert (rechts) mit Arne Huber und Steffen Weber in der Formation Chamber 3.
Christian Eckert (rechts) mit Arne Huber und Steffen Weber in der Formation Chamber 3.

Seine Eltern waren Hippies, hörten Rockmusik, gingen auf Konzerte. „Ich habe schon ziemlich früh angefangen, Jazz zu hören. Ich wollte etwas, das sie nicht hören“, sagt der Jazzgitarrist Christian Eckert, dessen für den Juli vorgesehener Bossa-Nova-Abend mit Jutta Brandl in der Reihe Mittwochsjazz in Schifferstadt leider ausfallen musste. Mit Schifferstadt verbinden Eckert auch familiäre Bande.

Das Jazz Thing Magazin wählte ihn in den 90er Jahren auf die Liste der zehn interessantesten Nachwuchsgitarristen, auf der damals auch Peter Bernstein und Kurt Rosenwinkel standen. Geboren 1965 in Weinheim, kam er über seine Eltern schon früh mit Musik in Berührung. Sein Stiefvater, der aus Schifferstadt stammt, studierte in Frankfurt, wo sich an Wochenenden alle trafen. „Das war so Hausbesetzer- und Hippie-Szene, in der meine Eltern sich bewegten“, erzählt er. Die erste Gitarre habe ihm ein Holländer geschenkt, als die Familie dort Urlaub machte. Da war er zehn Jahre alt.

Zurück in Weinheim, sei er dann in die städtische Musikschule zum Unterricht gegangen. Erst klassisch, wie damals üblich, dann aber habe sein Lehrer ihm auch Kassetten aufgenommen. Wes Montgomerys Album „Smokin' at the Half Note“ habe er damals kennengelernt und viele weitere. „Ich hab’ auch Charlie Parker gehört, oder Chick Corea und Return to Forever“, erinnert er sich. Nach der Schule begann er ein Maschinenbaustudium, brach es ab, um eine Lehre als Maschinenbauer zu machen – was ihm auch Spaß gemacht hat.

„Jazz lässt Freiheit“

Dann versuchte er sich in Aufnahmeprüfungen für ein Jazzstudium. In Köln waren alle Plätze vergeben, in Hilversum, heute Teil des Konservatoriums Amsterdam, begann er dann, Jazzgitarre zu studieren. Über ein Stipendium kam er nach New York an die New School, damals die erste Adresse für Jazz. Dort studierte er unter anderem bei Jim Hall, der ihn bis heute stark beeinflusst. In New York lernte er Schlagzeuger Matthew Jorgensen kennen, mit dem er, zusammen mit dem Saxophonisten Steffen Weber, das Trio Chamber 3 gründete.

„Jazz lässt die Freiheit, selbst zu gestalten, frei mit dem musikalischen Material umzugehen und zu improvisieren“, erklärt er den Reiz des Genres. Mitte der 90er Jahre beendete er sein Studium und nach einiger Zeit in New York kehrte er zurück nach Deutschland. Damals entdeckte er die Verbindung elektronische Musik und Jazz. Bugge Wesseltoft hat ihn damals beeindruckt. So gründete er Sapporo, eine Combo mit der er seine Musik um elektronische Klänge und Soundcollagen erweiterte. Mit dieser Formation entwickelte er ein Album, das eine Erinnerung an seine von den 68ern geprägte Kindheit ist: Sapporo meets Janosch.

Rudi Dutschke spricht

Das Besondere daran ist die Veröffentlichung zusammen mit dem Bilderbuch „Flieg Vogel flieg“ von Janosch. „Das war mein erstes Lieblingsbuch als kleines Kind, und meine Kinder lieben es auch“, erzählt er. Mit Janosch teilt er zwar den Familiennamen Eckert, aber es gebe keine familiäre Verbindung, eher schon eine geistige Verwandtschaft. Auf den Stücken spricht Rudi Dutschke („den find ich immer noch gut“), Kinder plappern, es gibt LoFi-Klänge, dazwischen immer wieder Eckerts Jazzgitarre. In der Gesamtheit entwickelt das Album das akustische Bild einer bewegten Zeit. Die Kleinarbeit sei sehr mühevoll gewesen, erinnert er sich. Zwei Jahre habe er jeden Tag an den Stücken getüftelt. Das 2008 erschienene Album-Bilderbuch wurde dieses Jahr zu Janoschs 90. Geburtstag neu aufgelegt.

Von der Elektronik ist Eckert abgekommen, nicht zuletzt, weil die Klänge live in Konzerten kaum zu realisieren sind. Sein jüngstes Album „Tiny Things“ entstand aus der Konzertreihe „2 Guitars“, zu der Eckert sich Gitarristen einlud. Mit dem Tschechen Libor Smoldas und dem Italiener Federico Carnevali hat er Stücke aufgenommen, die an Standards angelehnt sind, aber mit dem musikalischen Material kreativ frei umgehen. Die live eingespielten Stücke sind Jazzgitarre pur.

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