Ludwigshafen „Der beste Lotse ist der Hausarzt“

Placeholder-Image

Darmkrebs ist eine heimtückische Krankheit. Wenn er sich meldet, ist es manchmal schon zu spät. Deshalb wirbt der Ludwigshafener Internist Peter Uebel (51) für die Vorsorge. Und um einen entspannteren Umgang mit dem Thema.

Herr Uebel, kennen Sie das Buch „Darm mit Charme“?

Ich habe Auszüge daraus gelesen, es ist ein tolles Buch. Die Medizinstudentin Giulia Enders beschreibt darin ziemlich ulkig die Funktionen des Darms. Dennoch erzählen die meisten Menschen ihren Freunden lieber vom letzten Asientrip als von Verstopfungen. Kann Humor helfen, das Thema Darm aus der Schmuddelecke zu holen? Auf jeden Fall. Dadurch verliert das Thema dieses unangenehme Gefühl. Enders ist es mit ihrem Buch gelungen, auch Blähungen salonfähig zu machen. Da kann man sich vorstellen, dass darüber am Stammtisch gesprochen werden kann. Darmkrebs ist die zweithäufigste Krebserkrankung bei den Deutschen. Gibt es körperliche Vorzeichen, dass etwas falsch läuft? Es gibt keine Vorboten. Bis sich die Symptome zeigen, ist in der Regel schon ein Tumor gewachsen. Darmkrebs ist also eine Krankheit, die durch die Hintertür kommt, ohne zu klopfen? Das ist das Schlimme daran. Das persönliche Risiko, Darmkrebs zu bekommen, liegt bei vier bis fünf Prozent. Das ist unheimlich hoch. Krankenkassen bezahlen ab dem 55. Lebensjahr die Vorsorge in Form einer Darmspiegelung. Ich bin 28 Jahre alt, treibe regelmäßig Sport, meine Eltern sind auch gesund, okay, ich rauche. Aber Sorgen muss ich mir doch noch keine machen, oder? Ja und nein. Es gibt keine Versicherung, aber das Risiko ist deutlich niedriger in diesem Alter. Aber wir hatten auch schon Patienten mit Anfang 20. Und es gibt Menschen mit einer genetischen Disposition. Das ist aber relativ selten, wenn es in der Familie keine Vorkommnisse gab. Zu viel Fleisch und Süßigkeiten sollen das Darmkrebsrisiko enorm steigern. Stimmt das? Ob das enorm wirkt, ist umstritten. Studien sagen, dass rotes Fleisch problematisch ist. Deshalb sind Salat, Gemüse und Obst besser. Aber das sind Statistiken. Man kann das einhalten, aber eine Vorsorgeuntersuchung ist wichtiger als 30 Jahre kein Steak zu essen. Aber man kann sich doch wirklich schönere Dinge vorstellen als eine Darmspiegelung. Viele bleiben dann vielleicht doch lieber bei Karotten und Äpfeln. Die Vorbereitung für die Untersuchung hat sich deutlich verbessert. Vor 25 Jahren musste man vorher noch acht Liter einer salzhaltigen Lösung trinken, das war ziemlich Hardcore. Heute sind wir bei zwei Litern oder sogar nur bei zweimal 150 Millilitern einer mäßig salzhaltigen Lösung mit Limogeschmack. Die Untersuchung an sich ist durch die Narkose völlig schmerzfrei. Wir machen in der Praxis täglich bis zu 20 Untersuchungen und haben in der Regel keinen, der Schmerzen hat. Das war früher ganz anders. Wie lange dauert der Eingriff? Etwa eine Viertelstunde, wenn Polypen da sind, werden die gleich in einem Abwasch entfernt. Sie und einige Ihrer Kollegen aus Ludwigshafen setzen sich deshalb stark für die Vorsorge ein. Wir wollen, dass diese Tumorerkrankung zurückgeht. Wir entfernen einem Patienten lieber Polypen, wenn sie klein sind, anstatt ihn erst dann zu sehen, wenn eine OP oder Chemotherapie nötig ist. Die Vorsorge ist deshalb so wichtig, weil wir damit eine Tumorentstehung verhindern können. Wir wollen vor allem die Angehörigen von Darmkrebserkrankten über ihr Risiko aufklären und für eine gute Vorsorge sensibilisieren. Was fragen Familienmitglieder von Betroffenen? Da stellen sich immer viele Fragen, wenn der Vater, die Großmutter oder die Tante erkrankt sind. Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Untersuchung, und was ist nötig? Ein Erkrankter in der Familie ist einer zu viel, ein zweiter geht gar nicht. Das soll auch der Schwerpunkt unserer diesjährigen Aktion sein. Bei Vorträgen und Gesundheitstagen, wie dem von Golu im Herbst, werden wir weiter über die Darmkrebsvorsorge informieren. Der beste Lotse ist aber der Hausarzt, der alle Infos immer parat hat. (Archivfoto: Kunz)

x