Ludwigshafen Den Alltag endlich alleine meistern
Er ist 35, Familienvater – und hat keine Arme: Als Jugendlicher ist Shpetim Bulari in eine Starkstromleitung gestürzt. Beide Arme verschmorten. Seit einem Jahr bitten die Ökumenische Fördergemeinschaft Ludwigshafen und die „Street Docs“ um Spenden, um ihn mit Prothesen zu versorgen (wir berichteten). Jetzt ist die Familie von Abschiebung bedroht.
Shpetim Bulari lebt seit knapp zwei Jahren mit seiner Frau Blerina Bulari (34) und den beiden drei und acht Jahre alten Töchtern im Rampenweg. Er kommt aus Albanien. Wegen der schlechten medizinischen Versorgung und weil es dort keine Prothesen gibt, entschied er sich, seine Heimat zu verlassen und nach Deutschland zu kommen. „Mein größter Wunsch ist es, einmal meine Töchter in den Arm nehmen zu können“, sagt der groß gewachsene Mann. Auch den Alltag möchte er endlich alleine meistern, denn Dinge wie das Trinken eines Glases Wassers oder das Öffnen einer Tür kann er nur mit Hilfe bewältigen. Die Ökumenische Fördergemeinschaft und die „Street Docs“ haben vor einem Jahr einen Spendenaufruf für Bulari gestartet. Denn mit seiner Versorgung mit Prothesen sind große Kosten verbunden. 180.000 Euro standen zunächst im Raum, später reduzierte sich die Summe auf 150.000 Euro. Dafür sollte ein Arm mit einer vollfunktionsfähigen Prothese, die Greif- und Haltefunktionen hat, versorgt werden. Der andere Arm sollte eine mindermechanisierte Prothese bekommen. „Hunderte Menschen haben insgesamt rund 20.000 Euro gespendet“, berichtet Johannes Hucke, Ökumenische Fördergemeinschaft. „Einerseits fantastisch“, freut er sich, „doch andererseits fehlt noch viel Geld.“ Immer wieder haben die Fördergemeinschaft und die „Street Docs“ im vergangenen Jahr versucht, Großspender zu akquirieren und nach günstigeren Versorgungsmöglichkeiten gesucht. Denn das letzte Jahr hat gezeigt, dass die anfangs angestrebte Versorgung mit Hightech-Prothesen nicht zu finanzieren ist. „Es wird jetzt überlegt, ihn nur mit einer – und dazu einfacheren – Prothese zu versorgen. Je nachdem, wie viele Mittel zur Verfügung stehen“, sagt Peter Uebel von den „Street Docs“. „Das bedeutet für Shpetim Bulari eine Rücknahme der Funktionalität“, verdeutlicht der Internist. Doch gehe es darum, ihm wenigstens „ein bisschen Teilhabe“ zu ermöglichen. Jetzt kommt erschwerend hinzu, dass die Familie von Abschiebung bedroht ist. „Wie es aussieht, muss die Familie ausreisen“, sagt Hucke. Da die Bularis aus Albanien, also einem sogenannten sicheren Herkunftsland, kommen, ist ihr Asylantrag abgelehnt worden. „Die zuständigen Richter in Trier folgten bei der Verhandlung im Sommer einem Gutachten nicht nachvollziehbarer Begründung: Der Starkstromschlag, den der 13-jährige Junge erlitt, habe diesen in Ohnmacht fallen lassen, so dass an den Unfall keine Erinnerung mehr vorhanden sein könne, sprich keine Traumatisierung bestehe“, berichtet Hucke. Nun hoffen alle Beteiligten, dass die Familie aus humanitären Gründen so lange geduldet wird, bis Shpetim Bulari mit einer Prothese versorgt werden kann. Es solle alles Menschenmögliche versucht werden, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Darin sind sich Uebel und Hucke einig. Daher verstärkt die Fördergemeinschaft gerade die Spendenakquise und schreibt auch Medizinfirmen an, die um Sachspenden gebeten werden. Spendenkonto Ökumenische Fördergemeinschaft Ludwigshafen, Stichwort „Prothesen“, IBAN DE94 5455 0010 0000 0008 36, BIC LUHSDE6AXXX. |rad