Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Das Ende einer Legende: Warum das Loft in Ludwigshafen nach über 30 Jahren schließt

Dass der Club schließt, habe viele Gründe, sagen die Betreiber. Einen speziellen Auslöser gebe es nicht.
Dass der Club schließt, habe viele Gründe, sagen die Betreiber. Einen speziellen Auslöser gebe es nicht. Foto: Loft GmbH

Das Ludwigshafener Loft ist eine Legende – und bald Geschichte. Ende Oktober soll der Club am Lagerplatzweg (Stadtteil Nord) für immer seine Pforten schließen. Eine Entscheidung, die den Betreibern nicht leicht gefallen ist. Schließlich ist das Loft mit über 30 Jahren nicht nur einer der ältesten Techno-Clubs der Welt. Er hat auch große Namen ins Ludwigshafener Gewerbegebiet gebracht.

Paul Kalkbrenner, Deichkind, Steve Aoki, Mando Diao: Sie alle und viele weitere international gefeierte DJs und Bands hat der Club Loft in seiner über 30-jährigen Geschichte gesehen. Für einen Club ist das ein stolzes Alter, findet Robin Ebinger, Leiter der Agentur Cosmopop, die für Programm und Marketing des Lofts zuständig ist. „Vermutlich ist das Loft einer der ältesten Techno-Clubs weltweit. Die, die so alt sind und elektronische Musikspielen, kann man wohl an zwei Händen abzählen“, überlegt er.Das Loft hatte in der ganzen Zeit drei verschiedene Betreiber. Seit 2001 ist Kai Fischer sein Geschäftsführer. 2006 kam die Cosmopop GmbH dazu. „Wir kannten uns schon aus den 1990er-Jahren, aus der Clubszene. Und da wir 2006 den Club Zimmer in Mannheim übernommen haben, wollten wir unsere Kräfte bündeln“, erzählt Ebinger. Sie wollten das Programm gemeinsam gestalten, damit nicht etwa am selben Tag in beiden Locations Veranstaltungen für das gleiche Publikum stattfinden. „Dann haben wir gemeinsam zwei Firmen gegründet, eine für das Zimmer und eine für das Loft.“ Seither sei Cosmopop für Programm und Marketing des Lofts zuständig und Kai Fischer für die Abläufe, Organisation und das Management.

Deichkind mit Schlauchboot und Hüpfburg

Und dann ist viel passiert: „Die größten Acts aus der Underground- House- und Techno-Szene waren im Loft“, sagt Ebinger. Auch aus der IDM-Szene (Intelligent Dance Music) sei mit Steve Aoki einmal ein Top-Star dagewesen. Jahrelang gab es außerdem den Indie-Freitag. Das Publikum sei über die ganze Zeit hinweg jung geblieben. Es ging mit der Mode, habe immer mal andere Kleidung getragen und auf andere Sounds gestanden. „Momentan sind die härteren Sounds in, die Kids stehen wieder auf richtigen Techno. Zwischendurch war der Sound eher groovy und sexy“, erinnert sich der 46-Jährige. Die krassesten Auftritte? Deichkind sei mit Schlauchbooten über die Köpfe der Menge gefahren, „die haben eine Hüpfburg aufgebaut, die hat gerade so hier reingepasst“, erinnert er sich und grinst.

Besonders glücklich sei er immer mit dem Türsteher-Team gewesen: „Die haben ihre Tür im Griff.“ Das klassische „Du kommst hier nicht rein“ der Türsteher sei dabei erlaubt. Wenn Gäste zu betrunken sind oder Hausverbot haben, kann das Team den Eintritt verweigern. „Die haben einen guten Riecher, ob jemand Stress machen wird“, sagt Ebinger. Die Türsteher seien direkt bei Cosmopop angestellt und rekrutierten ihren Nachwuchs selbst. So könne das Team immer sicherstellen, dass die neuen Leute auch zu ihm passen.

Vier Renovierungen in 30 Jahren

In den 30 Jahren wurden aber nicht nur Partys gefeiert. Das Loft wurde laut Webseite viermal komplett neu renoviert. Das letzte Mal in den Jahren 2009 und 2010: „Wir haben es entkernt und einmal auf links gedreht“, fasst Ebinger zusammen. Zunächst wurde der gesamte Eingangsbereich erneuert, der davor eher an eine Tropfsteinhöhle erinnert habe, wie der Cosmopop-Leiter vergleicht. Es sei ein neuer Garderobenbereich gestaltet worden, die Toilettenanlagen ausgebaut, der Dancefloor, die Musik-Anlagen und Bars – alles neu.

Der Standort als Nachteil

Dass das Loft nun Ende Oktober geschlossen wird, sei eine gemeinsame Entscheidung von Cosmopop und Kai Fischer gewesen. „Wir hatten einfach das Gefühl, den Club gibt’s jetzt seit 30 Jahren, die Geschichte des Lofts ist auserzählt“, sagt er. Die Gründe seien aber vielfältig: Neben vielen neuen Auflagen, die Clubs inzwischen erfüllen müssten, habe das Loft im Ludwigshafener Gewerbegebiet einen Standortnachteil. „Die Leute fallen nicht einfach vor die Tür.“ Man müsse sie mit Programm anlocken. Lange Zeit hatte das Loft einmal pro Woche die Türen geöffnet. Doch das lohne sich inzwischen nicht mehr und es gibt nur noch einen Öffnungstag pro Monat – und das sei wirtschaftlich problematisch.

Daher wolle sich die Agentur, deren Hauptgeschäft eigentlich Festivals wie die Time Warp, Love Family Park und das Sonuns sind, auf die Dinge konzentrieren, die gut laufen. Dazu gehören neben den Festivals das Zimmer, das noch immer dreimal pro Woche die Türen öffne, und der Open-Air-Club Hafen 49 direkt am Neckar.

Im Netz

Die große Abschlussparty im Loft steigt am letzten Wochenende im Oktober. Laut Robin Ebinger wird noch am Programm gearbeitet. Mehr Infos und die nächsten Veranstaltungen unter www.loft-club.de.

Auch Star-DJs wie Paul Kalkbrenner traten im Loft auf.
Auch Star-DJs wie Paul Kalkbrenner traten im Loft auf. Foto: Loft GmbH
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