Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Centermanager der Rhein-Galerie: „Wir glauben an den Standort“

Mehr als zehn Millionen Euro hat der Eigentümer der Rhein-Galerie vor wenigen Jahren in eine Umgestaltung investiert.
Mehr als zehn Millionen Euro hat der Eigentümer der Rhein-Galerie vor wenigen Jahren in eine Umgestaltung investiert.

In der Rhein-Galerie ist derzeit vieles in Bewegung. Warum immer wieder Geschäfte das Einkaufszentrum verlassen und wer stattdessen einzieht, haben wir den neuen Centermanager Patrick Steidl gefragt.

Anfang August haben Sie von Christoph Keimes das Centermanagement übernommen. Was waren Ihre ersten Eindrücke von der Rhein-Galerie – positiv wie negativ?
Die Architektur des Centers und die Lage am Rhein haben mich als Erstes beeindruckt. Im Vergleich zu anderen Centern ist das schon etwas Besonderes. Neu war für mich, genau in der Zeit zu kommen, in der die Zehn-Jahres-Mietverträge auslaufen und sehr viele Gespräche geführt werden müssen: mit Mietern, die uns verlassen, aber auch mit neuen Mietern. Negativ ist das nicht, aber es ist schon eine kleine Herausforderung.

„Weitere Geschäfte verlassen die Rhein-Galerie“ war in den vergangenen Monaten häufig in der RHEINPFALZ zu lesen. Warum entscheiden sich Mieter gegen den Standort Rhein-Galerie?
Zum einen haben wir derzeit besondere Rahmenbedingungen durch Corona. Dadurch gab es ein paar Insolvenzfälle. Zum anderen gibt es nach zehn Jahren sowohl vonseiten des Eigentümers wie auch des Mieters Überlegungen, zu sagen: Ich ziehe mich aus bestimmten Gebieten zurück. Roland Schuhe wurde beispielsweise als Konzept komplett vom deutschen Markt genommen. Uns bietet dieser Zeitraum auch die Chance, uns zu fragen: Was hat sich im Center gut entwickelt? Was hat im Branchenmix noch gefehlt? Wir glauben nach wie vor an den Standort und sehen es als Chance, den Standort weiterzuentwickeln. Hinzu kommt, dass einige Mieter innerhalb des Centers umziehen – etwa New Yorker, damit Platz für die Drogerie Müller entsteht. Auch Nanu Nana zieht auf eine andere Fläche. Die Sparkasse und die Telekom ebenfalls.

Das heißt, die Entscheidung, dass ein Vertrag nicht verlängert wird, kann vom Mieter selbst, aber auch von der Rhein-Galerie ausgehen?
Ja. Wobei: Wenn einer bleiben möchte, versuchen wir, eine Lösung zu finden. Es kann höchstens in Einzelfällen sein, dass es einen Wunschmieter gibt, der eine sehr große Fläche braucht, für die kleinere Flächen zusammengelegt werden müssen. Da kann es schon mal passieren, dass es keine Möglichkeit für eine Verlängerung gibt.

Ein sehr großer Mieter ist Saturn, der am 29. Oktober eröffnen soll. Müller haben Sie bereits genannt. Gibt es – neben weiteren bereits bekannten – noch andere neue Mieter?
Der Mobilfunkanbieter Mobilcom kommt als neuer Mieter dazu, außerdem ein Autohaus. Die werden wechselnd drei bis vier Autos im Center zeigen.

Hinter der Rhein-Galerie steht als Betreiber das Unternehmen ECE aus Hamburg. Wie viel können Sie als Centermanager überhaupt mitentscheiden?
Ein Center wird von drei Personen geführt: dem Assetmanager, dem Leasingmanager und dem Centermanager. Der Centermanager ist für das Vor-Ort-Geschehen verantwortlich, der Leasingmanager kümmert sich um die Vermietung, und der Assetmanager hält den Kontakt zum Eigentümer des Centers, in diesem Fall zu Union Investment. Denn in vielen Fällen – gerade wenn es um sehr große Investitionen geht – entscheidet der Eigentümer mit.

Und die drei Manager treffen sich regelmäßig?
Alle sechs bis acht Wochen. Es gibt einen gewissen Rahmen, in dem wir selbst entscheiden können. Dann gibt es als nächste Ebene die Regionaldirektoren bei ECE. Manches geht auch in die dritte Ebene, die Geschäftsführung. Aber die ersten Vorschläge, die kommen von uns. Auch Vorschläge für neue Mieter. Dazu muss man nicht immer in die Ferne schweifen, zu großen Filialisten. Es können auch regionale Anbieter sein.

Der bislang regionalste Anbieter in der Rhein-Galerie war die Bäckerei Görtz. Und die ist inzwischen auch gegangen.
Das Autohaus Renck-Weindel ist aus der Region. Und wir befinden uns momentan mit einem Anbieter für Kinderbekleidung aus der Region im Gespräch, genauso mit dem einen oder anderen Gastronomen.

Depot hat nun auch die Rhein-Galerie verlassen, Yves Rocher ebenfalls. Wann ist die Umstrukturierung zu Ende?
Mitte nächsten Jahres soll die ganze Veränderung weitgehend abgeschlossen sein.

Was sagen Sie den Zweiflern und Kritikern, die nur die vielen Leerstände sehen, vom Niedergang der Rhein-Galerie sprechen oder sich schlichtweg Sorgen um das Center machen?
Ich suche mit den Menschen das Gespräch und sage, wer alles neu als Mieter ins Center reinkommt und was sich tut. Die Namen der schon feststehenden Mieter sind inzwischen auch als Ankündigung auf den Wänden der leeren Flächen zu lesen. Wir sind absolut zuversichtlich, dass es in die richtige Richtung geht. Wir glauben fest an diesen Standort.

Serie und Leserforum

Seit zehn Jahren gibt es die Rhein-Galerie. Wir haben in dieser Serie die Folgen für die Stadtentwicklung beleuchtet. Zum Abschluss bitten wir Sie, liebe Leser, um Ihre Meinung: Was sind Ihre Erfahrungen mit der Rhein-Galerie? Schreiben Sie per E-Mail an redlud@rheinpfalz.de.

Zur Sache: Die Galerie und der Manager

Bevor der 41-jährige Patrick Steidl Centermanager der Rhein-Galerie wurde, leitete er das Rhein-Neckar-Zentrum in Viernheim. In der Rhein-Galerie gibt es rund 115 Ladenflächen. Die größten Mieter sind die Mode-Anbieter C&A sowie Peek&Cloppenburg. Ende Oktober kommt als weiterer Ankermieter die Elektronikkette Saturn hinzu. Durch Corona habe die Besucherfrequenz pro Tag um etwa 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr abgenommen, sagt Steidl.

Centermanager Patrick Steidl.
Centermanager Patrick Steidl.
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