Ludwigshafen / Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Bundestagswahl: Was Linke-Direktkandidat Jonas Leibig antreibt

Wo alles begann: Jonas Leibig nennt ein Erlebnis am Ludwigshafener Europaplatz als Startpunkt für seine politische Karriere.
Wo alles begann: Jonas Leibig nennt ein Erlebnis am Ludwigshafener Europaplatz als Startpunkt für seine politische Karriere.

Jonas Leibig geht für Die Linke als Direktkandidat am 23. Februar im Wahlkreis Ludwigshafen/Frankenthal ins Rennen. Die Partei ist für ihn Heimat – und das will er auch in Berlin vertreten.

Der Weg in die Politik war bei Jonas Leibig (31) nicht vorgezeichnet. Es sei 2021 bei einer Demo auf dem Europaplatz in Ludwigshafen gewesen, erzählt er im Gespräch. Mitten in der Corona-Zeit seien Vertreter des Fahrrad-CSD auf dem Ludwigshafener Stadtplatz auf Demonstranten der AfD getroffen, die bunte Welt auf die biedere, wie es Leibig formuliert. Und er habe das beobachtet und sich gedacht, dass es für ihn Zeit wäre, sich auch zu engagieren. Und es zog ihn zur Partei Die Linke.

Sein Studium hat der gebürtige Speyerer auf der anderen Rheinseite gemacht, an der Hochschule Mannheim hat Leibig Mechatronik studiert. Damals hat er in Käfertal gewohnt, jetzt lebt er wieder in Ludwigshafen, seiner Stadt. Gerade macht er Hausbesuche, um mit Menschen über Politik ins Gespräch zu kommen, zu fragen, was sie von ihren Vertretern erwarten und was sie als Erstes entscheiden würden, wenn sie Kanzler seien. Darum gehe es, so Leibig: „Es kommt darauf an, wie man miteinander spricht. Nicht über linke Ideologie – aber indem man zeigt, was möglich ist.“ Beispielsweise Bürgergeld, ein Thema, bei dem seine Partei nicht losgelassen habe, und aus der Opposition heraus habe man etwas bewirkt.

Die Graswurzel-Strategie gebe viel Input, die Menschen berichten, was sie beschäftigt und welche Sorgen sie haben, lautet Leibigs Fazit nach knapp 1600-fachem Klingelputzen: „Wir wissen durch unsere Haustürgespräche, dass die hohen Mieten und die massiv gestiegenen Lebensmittelpreise die dringendsten Anliegen der Bevölkerung sind – und genau diese Themen nehmen wir als Linke in Angriff.“

Bei der Linken hat Leibig einige Höhen und Tiefen miterlebt. Was ihn noch immer begeistert: „Die Partei hat sich nicht unterkriegen lassen. Neue Mitglieder treten ein, jetzt, nachdem Sahra Wagenknecht weg ist.“ Nachdem Wagenknecht ihre eigene Partei gegründet hatte, sei vieles unklar gewesen. „Die Partei war 2023 in einem katastrophalen Zustand. Und das mitten im Europawahlkampf“, fasst es Leibig zusammen. Aber Die Linke habe sich neu sortiert, ihre Themen gefunden und sich breiter aufgestellt.

„Mitglieder ermutigen“

Wie sieht er seine Aufgabe? „Ich verstehe meine Rolle so, dass ich alle Mitglieder ermutige, die Partei mitzugestalten.“ Und wie sieht er die Brandmauern, von denen im Wahlkampf immer wieder die Rede ist? Gibt es eine solche zur SPD? „Nur Sigmar Gabriel hat das so formuliert, weil er nicht mit Sahra Wagenknecht zusammenarbeiten wollte. Ich glaube nicht, dass die Parteispitze das so hochhält.“ Auf Landesebene habe es bereits rot-rote Koalitionen gegeben, die beispielsweise in Thüringen mit Bodo Ramelow sehr gut funktioniert hätten. „Grundsätzlich wäre ich so etwas gegenüber nicht abgeneigt, auch als Demokrat“, so Leibig. „Bei Linken, Grünen und der SPD gibt es gemeinsame Werte.“

Und was macht der Linken-Politiker in seiner Freizeit? Immerhin ist er auch Vorsitzender des Linken-Bezirksverbands Vorderpfalz und engagiert sich ehrenamtlich in der Kinder- und Jugendsozialarbeit. „Derzeit nichts“, sagt Leibig und lacht. Ansonsten aber Wandern, gern im Pfälzerwald „oder um irgendwelche kuriosen Orte zu besuchen“, sagt er. Zuletzt habe er eine Wanderung von Italien nach Frankreich gemacht, immer an der Küste entlang. Das sei beeindruckend gewesen.

Zur Sache: Von Leibig spontan ergänzt

Ich will nach Berlin, weil ...
... ich gemeinsam mit Genossinnen und Genossen dafür sorgen will, dass das Leben in unserer Region bezahlbar bleibt. Dafür braucht es einen Mietdeckel, der hilft, die Mieten abzusenken auf den ortsüblichen Mietspiegel. Jeder dritte Student ist armutsgefährdet.

Ich will auf keinen Fall ...
... auf AfD-Vertreter treffen. Das ekelt mich an, wenn ständig gehetzt wird gegen Leute, die Schutz brauchen. Das ist eine Form von Schamlosigkeit.

Ich vertrete dann folgende Themen aus Ludwigshafen und Frankenthal ...
Das wird der Mietdeckel sein, egal, ob wir Teil der Opposition sind oder Beteiligte einer Regierungskoalition. Und die kommunale Entschuldung. Es braucht eine Entschuldung.

Die Kandidaten

Bisher erschienen: Eric von Nagel (FDP), Armin Grau (Grüne), Sertac Bilgin (CDU), Jan Mohammad (BSW) und Stefan Scheil (AfD).

Alle zehn zugelassenen Kandidaten finden Sie: hier.

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