Ludwigshafen Briefe an die Lokalredaktion:

Als Ludwigshafenerin seit Geburt, seit Langem wohnhaft in Edigheim, habe ich zum ersten Mal Angst vor der offenbar durch Gewinnmaximierung der BASF immer größeren Katastrophengefahr, einhergehend mit in diesem Jahr erheblichen Geruchsbelästigungen fast jeden Tag. Keiner kann mir weismachen, dass so gut wie nie gefährliche Schadstoffe in die Luft gepustet werden. Die Arroganz des Vorstands, die Abwesenheit der Oberbürgermeisterin, wie auch 2014 in Oppau , die hilf- und tatenlosen Betroffenheitsbekundungen der Landtagsleute (…) bringen uns zur Verzweiflung, hier mit knapp zwei Kilometer Luftlinie zum Landeshafen gebaut zu haben. (…) Die Stadt kämpft trotz leerer Innenstadt um ein positives Image, Katastrophentourismus und negative Schlagzeilen sind dabei nicht förderlich. Niemand traut sich, der mächtigen BASF schmerzhaft auf die Finger zu hauen. Anmerkung der Redaktion: Oberbürgermeisterin Eva Lohse (CDU) war zum Zeitpunkt der Explosion in ihrer Funktion als Städtetagspräsidentin bei einer internationalen Konferenz in Ecuador. Als sie vom Unglück erfuhr, hat sie die Reise abgebrochen. Einspruch, Herr Beyer. Herrn Beyers Versuch, die Diskussion um den Einsatz von Fremdfirmen-Mitarbeitern in der BASF zu versachlichen, in allen Ehren. Unkommentiert kann man Ihre Auslassungen allerdings nicht im Raum stehen lassen. Um es gleich vorweg zu sagen. Beyer tätigt seine Aussagen offensichtlich ohne Kenntnis der tatsächlichen Verhältnisse vor Ort. Immerhin benennt er, ohne sich dessen bewusst zu sein, ein Grundproblem des Einsatzes von Kontraktoren selbst. Das Vertrauen in die Sicherheitsvorkehrungen der BASF zeigt leider eine gewisse Blauäugigkeit, denn die Notwendigkeit, äußerst komplexe Sicherheitsregularien implementieren zu müssen, ergibt sich aus dem Fremdfirmeneinsatz an sich. Dabei spielen durchaus gesetzliche Regelungen aus dem Arbeitsrecht eine erschwerende Rolle. Alleine das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz schließt einen direkten Umgang mit den Mitarbeitern einer Fremdfirma grundsätzlich aus, will der zuständige BASF-Mitarbeiter keinen „Regelverstoß“ begehen. Das bedeutet den Aufbau zusätzlicher Schnittstellen. War es in der Vergangenheit so, dass der langjährig mit „seiner“ Anlage vertraute BASF-Meister im direkten Gespräch mit einem langjährigen, in der Regel gut geschulten Mitarbeiter vor Ort kommunizierte, so ist dies heute praktisch nicht mehr möglich. Neben der Schaffung zusätzlicher Schnittstellen schafft auch eine geradezu exzessive Umstrukturierungswut, verbunden mit einem Personalabbau auf der Ebene des technischen Controllings, zusätzliche Probleme. Kurz: Anstatt Abläufe zu straffen und Kommunikationswege zu verkürzen, wurden Prozesse in Regularien verpackt, die nicht zur Erhöhung der Sicherheit beitragen und die Situation vor Ort unnötig verkomplizieren. Dabei bleibt der persönliche Bezug des verantwortlichen Mitarbeiters bei der BASF – langfristig gesehen – auf der Strecke. Eine weitere Klippe, die Herr Beyer sorgfältig umschifft, ist die Tatsache, dass Kontraktoren aufgrund des Preisdrucks gerne auf preiswerte „Subunternehmer“ zurückgreifen. Spätestens hier stößt eine Kontrolle mittels Zertifizierung an ihre natürlichen Grenzen. Da kann es durchaus passieren, dass Mitarbeiter eines Kontraktors auf Baustellen angetroffen werden, die nicht einmal wissen, für welche Firma sie tätig sind. Das sind bestimmt Ausnahmen, aber ungewöhnlich sind solche Vorfälle nicht. (…)