Ludwigshafen
Bayreuther Straße: Sanierung verzögert sich um weiteres Jahr
Bis zu 150 Bewohner der Notunterkünfte sollen während der Bauzeit in sogenannten Pavillons (Wohncontainern) untergebracht werden. Vorgesehen sind drei bis vier Geschosse mit jeweils 34 Zimmern. Für das Ausweichquartier ist der angrenzende Bolzplatz als Standort im Gespräch, was aber für Kritik sorgt. Der Abriss der „Roten Blöcke“ soll rund drei Millionen Euro, die neuen Wohnunterkünfte sollen zirka 18 Millionen Euro kosten. Die restlichen „Weißen Blöcke“ im Einweisungsgebiet sollen ab Mitte 2024 bis Ende 2026 saniert werden. Derzeit haben die 93 Wohnungen dort keine Zentralheizung, veraltete Fenster und keine energetische Dämmung. Die Sanierungskosten werden momentan auf etwa 15 Millionen Euro geschätzt.
Diese Pläne hat die Verwaltung am Montag dem Bauausschuss vorgestellt. Das Echo fiel geteilt aus. Begrüßt wurde, dass die Sanierung endlich angegangen wird. Aber Peter Uebel (CDU) erinnerte daran, dass bereits vor sechs Jahren der Stadtrat mit der Mehrheit von CDU und SPD beschlossen habe, die Wohnblöcke zu sanieren, um die schwierigen Wohnverhältnisse dort zu beenden. Die Umsetzung dieses Beschlusses habe sich immer wieder verzögert, kritisierte er. „Es geht um Menschen, die in schlimmen Unterkünften leben. Wir müssen Gas geben, dass wir dort endlich vorankommen“, sagte Uebel, der als Mediziner ehrenamtlich mit den „Street Docs“ Bewohner ohne Krankenversicherung in der Bayreuther Straße behandelt.
Anderer Standort gesucht
Uebel und Petra Kindsvater von der Ökumenischen Fördergemeinschaft, die vor Ort Sozialarbeit leistet, hinterfragten den Standort für das Ausweichquartier während des Abrisses. „Der Bolzplatz hat eine soziale Funktion und wird auch von der Kita und dem Hort vor Ort genutzt“, sagte Uebel. Kindsvater erinnerte daran, dass ein Sportkonzept für die Bewohner erarbeitet worden sei. Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD) griff die Anregungen auf: Die Verwaltung werde prüfen, ob es einen alternativen Standort geben könnte.
Die Verzögerungen bei dem Sanierungsprojekt sind laut Verwaltung auf Personalmangel bei der Stadt und ausgelastete Beratungs- und Planungsfirmen zurückzuführen. Außerdem habe die Verwaltung kurzfristig Ausweichquartiere für Schulen finden müssen, bei denen Bauarbeiten anstehen.
Von Obdachlosigkeit bedroht
In den sogenannten Einweisungsgebieten bringt die Stadt Menschen unter, die ihre Wohnung verloren haben. Die Bewohner haben keinen Mietvertrag und somit nicht die damit verbundenen Rechte. Hier leben unterschiedliche Menschen zusammen – darunter auch Alkoholabhängige und psychisch Kranke. Es gibt Familien, die seit Jahren in den Gebieten wohnen. Neben der sozialen ist auch die bauliche Situation problematisch. Die Substanz der Häuser ist veraltet. Außerdem wird mit Öleinzelöfen statt über eine zentrale Anlage geheizt. Immer wieder passiert es, dass Wohnungen im Winter kalt bleiben und sich Schimmel bildet. Mit einem Sozialkonzept sollen die Bewohner die Möglichkeit bekommen, langfristig aus den Einweisungsgebieten in eine eigene Wohnung ziehen zu können.