Tennis RHEINPFALZ Plus Artikel BASF TC Ludwigshafen: Meistermannschaft von 1988 trifft sich wieder

Die Erfolgsmannschaft des BASF TC 1988 (stehend von links): Betreuer Adi Illenberger, Antonio Fernandez, Hans Engert, Ingo Ecker
Die Erfolgsmannschaft des BASF TC 1988 (stehend von links): Betreuer Adi Illenberger, Antonio Fernandez, Hans Engert, Ingo Eckert, Matthias Poth, Geschäftsführer Wilhelm Spoor; (knieend v. li.): Thomas Hantge, Robert Eisele, Masseur Rudi Schneider, Rainer Fuchs (Tennisverband Pfalz).

1988 verpassten die Herren des BASF TC Ludwigshafen ganz knapp den Aufstieg in die Bundesliga. Das Team war einzigartig, denn es spielten vier junge Männer aus Ludwigshafen mit. Kein anderes Team hatte so viel Lokalkolorit. Dann war da noch ein Exot im Team. Ein Anruf veränderte sein Leben.

Das Telefon klingelte zu einer unsäglichen Zeit. An einem Morgen im März 1985 um 4 Uhr in der Früh rappelte das Telefon bei Antonio Fernandez in Chile. Am anderen der Leitung in Ludwigshafen war Marco Morales. Er spielte beim BASF TC Tennis und war ein sehr guter Freund von Fernandez. „Unser Ausländer ist verletzt. Er kann nicht kommen“, sagte Morales und fragte: „Würdest du kommen?“

Fernandez überlegte nicht lange. Wenig später saß er im Flieger nach Deutschland. Was er zu diesem Zeitpunkt nicht ahnte. Er sollte 27 Jahre in Deutschland bleiben. Für den Chilenen war es ein Glücksfall. Er hatte 1979 die Orange Bowl in der Altersklasse 14 Jahre gewonnen. Die Orange Bowl ist das bedeutendste Nachwuchsturnier der Welt. 1984 wurde Fernandez Profi. Doch ihm fehlte das Geld, um seine Laufbahn zu finanzieren. Denn die Firma seines Vaters ging bankrott. „Der Anruf war ein unglaublicher Zufall. Das war eine wunderbare Gelegenheit für mich“, erzählt Fernandez.

Allein in Europa

Der BASF TC Ludwigshafen zahlte Fernandez ein kleines Gehalt. Für den Chilenen war das genug. Denn für ihn war die Zeit in Ludwigshafen mehr als nur Tennis. Er lernte Menschen kennen, mit denen er heute noch befreundet ist. Er fand bei Mitgliedern des BASF TC, der Familie Illenberger, ein zweites Zuhause. „Ich spürte schnell, dass ich dort mehr als Geld bekomme“, sagt er. Er war alleine in Europa. „Die Menschen im Klub haben mich so gut aufgenommen, darum bin ich da 27 Jahre geblieben. Es war nicht umsonst.“

Die Herren des BASF TC Ludwigshafen spielten zu dieser Zeit in der dritten Liga. Fernandez gewann alle seine Spiele. Wilhelm Spoor aus Mutterstadt war in dieser Zeit Sportwart des BASF TC. Er kümmerte sich um die Belange des Klubs und der Spieler. Vater des Teams aber war Hans Engert. Er war ein erstklassiger Tennisspieler, aber auch eine schillernde Persönlichkeit, ein Alleinunterhalter und manchmal auch eine Primadonna. Doch Engert kämpfte für die Herrenmannschaft des BASF TC. Er war direkt in seiner Ansage und Rückmeldung. Er striezte die jungen Spieler der Herrenmannschaft schon das ein oder andere Mal. Doch nach guten Einheiten ging es mal nach Mannheim zum Steakessen. „Hans war mein Espresso-Partner“, erinnert sich Fernandez: „Er hat einen tollen Job gemacht, in dem er ein Mannschaftsgefühl aufgebaut hat. Wir waren immer zusammen, und er war für uns da. Hans war ein sehr harter Mann, aber ehrlich.“

Mit Speckbrettern begonnen

Engert und Spoor waren die Architekten einer Ludwigshafener Mannschaft, die 1988 beinahe in die Bundesliga aufgestiegen wäre. Das Team, bestehend aus Antonio Fernandez, Hans Engert, Ingo Eckert, Matthias Poth, Thomas Hantge, Robert Eisele, Peter Hantge und Hans-Martin Reh, setzte sich in der Regionalliga, damals die zweithöchste Klasse, mit 12:0 Punkten durch. Das war eine kleine Sensation. Denn in den Hantge-Brüdern, Eisele und Poth spielten vier Jungs aus Ludwigshafen im Team. Engert kam aus Mannheim, und der Pforzheimer Ingo Eckert studierte in Mannheim. Mittlerweile war Fernandez so gut integriert und so beliebt, dass er als Ludwigshafener galt. Es war demnach eine Mannschaft mit viel Lokalkolorit.

Ein Teil der damaligen BASF-TC-Tennis-Mannschaft 24 Jahre später bei einem Wiedersehen im Haus von Wilhelm Spoor (stehend von li
Ein Teil der damaligen BASF-TC-Tennis-Mannschaft 24 Jahre später bei einem Wiedersehen im Haus von Wilhelm Spoor (stehend von links): Peter Hantge, Ingo Eckert sowie Wilhelm Spoor, vorne Thomas Hantge (links) und Robert Eisele.

Robert Eisele, Matthias Poth und die Hantge-Brüder kannten sich da schon eine gefühlte Ewigkeit. Sie begannen 1973, also 15 Jahre vorher, im BASF TC mit Speckbrettern Tennis zu spielen. Sie wurden gemeinsam mit dem Sport groß, verbrachten im Tennisklub den Großteil ihrer Jugend. „Wir trafen uns auch auf Turnieren, sahen uns aber nicht als Konkurrenten“, sagt Robert Eisele. Er war ein außergewöhnlicher Tennisspieler und gehört heute noch in seiner Altersklasse zu den besten in Deutschland. „Robert war die Konstante im Team“, sagt Fernandez. Er hat viele Spieler kommen und gehen sehen in seinen zehn Jahren als aktiver Spieler der Herrenmannschaft.

Teil des Teams trifft sich

Die Ludwigshafener Truppe begeisterte. Als Regionalliga-Meister hatten sich die jungen Männer für das Halbfinale im August 1988 in Ludwigshafen qualifiziert. 6:3 fegte der BASF TC den TC Steinbach vom Platz. Beim Gegner spielte damals ein gewisser Matthias Stach, heute Tennis-Kommentator für Eurosport. Stach jedoch verlor gegen Matthias Poth (3:6, 7:5, 2:6), ein selbstbewusster und ehrgeiziger Spieler mit einer guten Vorhand. Die Mannschaft stand plötzlich vor dem größten Erfolg der Vereinsgeschichte. Doch der HTV Hannover war am 10. September in Unterhaching dann doch etwas zu stark. Nach den Einzeln war das Finale schon entschieden. 5:1 führten die Niedersachsen. Am Ende hieß es 4:5. Ausgerechnet im Finale spielten die jungen Ludwigshafener Burschen nicht ihr bestes Tennis. Dabei waren Poth (sechs Siege, zwei Niederlagen), Eisele (fünf Siege, drei Niederlagen) und Thomas Hantge (5/2) die erfolgreichsten Spieler die Saison über. Hans Engert kam auf fünf Erfolge und drei Niederlagen.

Vor einigen Wochen trommelte Wilhelm Spoor den Großteil der Mannschaft zusammen. Über 20 Jahre haben sich manche nicht mehr gesehen. Antonio Fernandez wurde per Videotelefonie später hinzugeschaltet. Er lebt in Florida. „Es war eine überraschende Saison für den Verein“, sagt Spoor. Eine Saison, die es in dieser Konstellation nie wieder gab.

Antonio Fernandez heuerte 2008 beim TC Mutterstadt an, nachdem der BASF TC ihn auf unsanfte Art und Weise Mitte der 2000-er-Jahre vor die Tür gesetzt hatte. Der Verein hatte einen anderen Trainer verpflichtet. Fernandez aber hat viele Dinge aus seiner Zeit mit in die USA genommen. „Das Gespräch, das Gesellige“, sagt er: „In Chile gibt es bei den Unterhaltungen wenig Tiefe, in den USA geht es ums Geschäft. In Deutschland arbeitest du, und wenn du mit der Arbeit fertig bist, dann dreht sich alles um das Leben, um Freunde, um den Sport. Das vermisse ich schon ab und an“, sagt er.

x