Ludwigshafen
BASF: Startschuss fürs neue Ausbildungsjahr
Neue Arbeitskleidung, ein Werksausweis, Gesundheitscheck, die ersten Runden in den Ausbildungswerkstätten und natürlich am Ende das gemeinsame Foto mit den neuen Kollegen im ersten Ausbildungsjahr – die neuen Auszubildenden am Standort Ludwigshafen verlebten einen aufregenden Tag. Die Vorfreude war ihnen dabei größtenteils anzumerken. Auch dem Mannheimer Nurullah Arslan, obwohl der angehende Chemikant mit seinen 26 Jahren schon ein älteres Semester im Kreis der Neu-Aniliner ist.
„Ich habe vorher Wirtschaftsingenieurwesen studiert“, sagte er. Nach fünf Semestern habe er jedoch gemerkt, dass dies eigentlich gar nicht die richtige Richtung für ihn war. „Abgebrochen habe ich das Studium letztlich wegen Corona.“ Aber schon vorher sei die BASF für ihn immer ein Thema gewesen. Über eines der vielen Digitalvideos der Ausbildungsplattform habe er den ersten Kontakt geknüpft. Mit einem Hintergedanken: „Ich weiß, dass es auch Austauschprogramme in andere Länder gibt. Das interessiert mich“, verriet er mit einem verschmitzten Lächeln. „Ich will etwas von der Welt sehen.“
Werbung ausgeweitet
Es sind Menschen wie Arslan, auf die Daniela Kalweit und die Rekrutierungsabteilung des Werkes abzielen. „Die Generation Z sucht nach Orientierung und Sinnstiftung insgesamt.“ Darauf habe sich das Chemieunternehmen vorbereitet, seine Werbeaktivitäten entsprechend ausgeweitet. Und das trotzdem nicht mit dem erhofften Ergebnis: „Wir haben fast alle angebotenen Ausbildungsplätze auch besetzt“, beschrieb Ausbildungsleiter Benne die Situation. Ausdruck dafür, dass auch die BASF in diesem Jahr, trotz über 10.000 eingegangener Bewerbungen nicht alle Ausbildungsplätze besetzen konnte. Rund 40 Stellen seien zum Stichtag noch offen, obwohl bis zum Schluss an positiveren Zahlen gearbeitet wurde. Der letzte Ausbildungsvertrag sei noch am Donnerstag vor dem Ausbildungsstart am Freitag unterschrieben worden.
Die Gründe für die offen gebliebenen Stellen seien vielfältig, erläutert Kalweit. So sei die Anzahl der angebotenen Plätze gestiegen. Außerdem zählen einige der angebotenen Berufe, etwa Eisenbahner, Koch oder Hotelfachkraft, nicht auf den ersten Blick zu den Kernkompetenzen der BASF. „Insgesamt sind es 40 Plätze in zehn Berufsbildern“, sagte Kalweit. Darunter seien allerdings auch Chemikanten. Das sind auch für andere Unternehmen der Region keine guten Nachrichten, denn zur Deckung der eigenen Bedarfe, etwa im Bereich Elektrotechnik, habe man das Programm zur Anwerbung von Quereinsteigern intensiviert.
180 Quereinsteiger
So sind zum Start des Ausbildungsjahres 180 Quereinsteiger in den Bereichen Produktion und Technik neu bei der BASF. 87 Teilnehmer des Ausbildungsverbundes sind ebenfalls mit an Bord gekommen. Dafür sind es im Vergleich zum Vorjahr mit 646 genau 54 weniger „echte“ Auszubildende, die am Standort Ludwigshafen ihre Lehre begonnen haben. „Das ist der Bedarfssituation geschuldet“, erläuterte Benne. Wer jetzt Aniliner geworden ist, hat gute Chancen, auch nach der Ausbildung im Stammwerk arbeiten zu können. „Wir haben eine Übernahmequote von 90 Prozent, weil wir bedarfsorientiert ausbilden“, sagte Kalweit.
Bei der Ausbildung setzt die BASF auf moderne Methoden. So lernen Chemikantinnen und Chemikanten in diesem Jahr eine neue, digitale Ausbildungsplattform kennen. Alexander Lang geriet dabei als Teamleiter der Produktionstechnik regelrecht ins schwärmen, denn im Metaversum sind nicht nur die Anlagen digitalisiert und können von überall eingesehen und bedient werden, sondern auch Lerninhalte werden hier generationsgerecht vermittelt. „Wir arbeiten gerade daran, dass man auf das Programm auch von zu Hause oder aus der Schule zugreifen kann.“
Die BASF bildet am Standort Ludwigshafen in mehr als 30 verschiedenen Ausbildungsberufen, dualen Studiengängen oder „Start in den Beruf“-Programmen aus. Zusätzlich gibt es verschiedene Quereinsteigerprogramme: eine berufsbegleitende Qualifikation zum Chemikanten oder Kraftwerker sowie Spezialisierungsprogramme für Elektroniker mit abgeschlossener Berufsausbildung. Ende des Jahres werden rund 2317 junge Menschen im BASF-Werk in Ausbildung sein.