Ludwigshafen Barocke Stufen und eine Ente auf Kufen

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Fussgönheim. Zeit sollten die Besucher mitbringen, wenn sie die Museen des Heimat- und Kulturkreises in Fußgönheim besichtigen möchten. Gleich drei Museen und die Schlosskirche kann man erkunden und vieles dabei entdecken. Zeit und vor allem viel Wissen bringen die Museumsführer Michael Plumpe und sein Vorgänger Erwin Diehl mit, die neben ihrem Vereinskollegen Karl Freidel durch die Räume führen. Das Hallberg-Schloss, erbaut um 1730, ist selbst eine beachtliche Kulisse und beherbergt zudem das Heimatmuseum, das zu Entdeckungsreisen durch die Welt der kleinen Leute einlädt – mit einer Vielfalt von Alltags- und Gebrauchsgegenständen, die unsere Großeltern noch benutzt haben und die heute in Vergessenheit geraten – und dafür umso mehr faszinieren, weiß Erwin Diehl. Das Schloss ist gut erhalten, doch aus den Innenräumen gibt es so gut wie keine Zeugnisse des barocken Lebens mehr. Ein Gang durch die vielen Räume und vor allem in den Keller lohnt, denn hier gibt es einen wahren Schatz zu entdecken – allerdings fast verborgen am Ende des Gewölbekellers, hinter handwerklichen Geräten versteckt. Dass die sechs Stufen der leicht geschwungenen Steintreppe mit den Sandsteinplatten am Fuß eine Rarität sind, wird wohl keiner der Besucher vermuten, wenn nicht Museumsführer und Schlosskenner Michael Plumpe die Geschichte des erhaltenen Treppenstücks erzählt. Für ihn ist dieses Ausstellungsobjekt ein besonderer Schatz des Heimatmuseums. „Nur ganz wenige Originalteile sind erhalten“, berichtet Plumpe. Das sei Erwin Diehl und Heinz Brech zu verdanken. Die beiden hätten seinerzeit, als Anfang der 1970er Jahre die Arbeiten für die Renovierung begonnen hatten, die besterhaltenen Stücke der Innenausstattung herausgesucht und gesichert. Im Zuge der Renovierung sei die Innenausstattung nicht gewürdigt, sondern achtlos entsorgt worden. Dazu zählte auch eben dieses Stück einer Treppe aus dem Schloss sowie ein Teil eines Sandsteinbodens aus der Schlossküche. Inzwischen wurde der Treppentorso und der Steinboden im Gewölbekeller an die Wand gemauert. „Die Treppe befand sich vom Garten aus gesehen im linken Teil des Schlosses und führt vom ersten Stock in den zweiten Stock“, erklärt Erwin Diehl sein Fundstück. Genau die gleiche Treppe befinde sich im Schwetzinger Schloss, wo sie wie das Gebäude auch von einem – leider unbekannten – Bauherrn errichtet wurde. Dort ist die Treppe komplett erhalten, sagt Plumpe. Über eine Treppe – diesmal allerdings die Kellertreppe – geht es wieder ans Tageslicht und zurück ins Heimatmuseum, wo sich der Besucher auf eine Zeitreise von der Vor- und Frühgeschichte bis ins 20. Jahrhundert begeben kann. Auch hier gibt es in der Spielzeugabteilung mit ihren liebevoll zusammengetragenen Gegenständen von früher vieles zu entdecken. Als ein wahrer Schatz entpuppt sich das Spielzeugkarussell im Miniaturformat aus dem Jahr 1940. Jochen Meister, der das Spielzeugzimmer betreut, hat das gute Stück in Einzelteilen bekommen. In Dannstadt-Schauernheim hatten Bewohner in ihrem Haus das Karussell gefunden und Erwin Diehl, der einen Ruf als Sammler hatte, angeboten. Und Diehl habe es dann dem Museum zur Verfügung gestellt. Das zweistöckige Holzgerüst war halbverfault, das zweistöckige Geländer kaputt, die Pferde auf den beiden Ebenen nur noch zum Teil vorhanden. 250 bis 300 Stunden habe es gedauert, bis das Karussell in neuem Glanz erstrahlte. Es sei eine „Puzzlearbeit“ gewesen, um die vielen Einzelteile zu restaurieren – mit „Fantasie, Geschick und technischem Verständnis“. Um die fehlenden oder defekten Pferde möglichst originalgetreu wiederherzustellen, suchte Meister im Internet nach Vorbildern: „Ich habe die Bemalung abfotografiert, aufgeklebt und mit Klarlack überzogen.“ Als Handwerksmeister bringe er die nötigen Fertigkeiten mit und Basteln macht ihm Spaß. Vor zehn Jahren habe er die Spielzeugabteilung im Museum übernommen, engagiere sich aber schon seit 25 Jahren im Verein. Aber auch Spezialkenntnisse sind vorhanden, verrät der 49-Jährige. „Als Kind und als Jugendlicher habe ich bei Schaustellern geholfen, das Karussell aufzubauen.“ Zur Präsentation anlässlich der Fertigstellung wurden auch die Familie, in deren Besitz sich das gute Stück befunden hatte, eingeladen. „Sie haben sich sehr gefreut und der Herr, für den als Kind das Karussell gebaut wurde und der es nie bewusst im fertigen Zustand wahrgenommen hat, sei den Tränen nahe gewesen“, berichtet Meister. Die Spielzeugabteilung ist eine wahre Fundgrube für kleine und große Entdecker. Auf einem Schaukelpferd hat sicher so mancher der Besucher als Kind selbst gesessen, aber auf einer hölzernen Ente auf Holzkufen? Tatsächlich lohnt es sich, im Spielzeugzimmer einen Blick unter einen der Ausstellungstische zu werfen. Dort steht eine Schaukelente aus den 1930er-Jahren, in der tatsächlich Kinder geschaukelt sind. „Wohl eher kleine Kinder zwischen zwei und drei Jahren“, meint Erwin Diehl, denn der Einstieg ist klein. Ein Fußgönheimer Landwirt hat das Schaukeltier für sein Kind gebaut. Um die Fortbewegung, wenn auch effizienter, geht es im Landwirtschaftsmuseum, das in der Museumsscheune untergebracht ist. Unter allen Traktoren und landwirtschaftlichen Nutzfahrzeugen fällt eine rot lackierte, elegant geschwungene Kutsche ins Auge, die hoch oben über den Köpfen der Besucher direkt unter dem Dach befestigt ist. Sie ist für Erwin Diehl einer von vielen Schätzen der Ausstellung. Der Schlitten, geeignet als Einspänner oder Zweispänner, stamme aus einem reichen Bauernhaus „mit mindestens zwei Pferden – da war man reich“, erklärt Erwin Diehl schmunzelnd. Das Gefährt habe zur Repräsentation quasi als „Sonntagsschlitten“ gedient – gleichbedeutend mit der Nobelkarosse von heute. Man wollte damals sein Vermögen zeigen oder die Mädchen beeindrucken. Im Einsatz war der Schlitten um 1850 bis etwa 1880, schätzt Diehl. Das gute Stück befinde sich schon seit 35 Jahren im Museum. Das dazu passende Prunkgeschirr schlummere im Archiv. Wie spannend die Kartoffel sein kann, zeigt das Deutsche Kartoffelmuseum, das in der ehemaligen Fußgönheimer Synagoge eingerichtet wurde. Dass die Synagoge die Novemberpogrome 1938 überstanden hat, war der Tatsache zu verdanken, dass das Gebäude bereits vorher verkauft wurde und als Getreidelager diente, erzählt Diehl. Ganz praktische Dinge aus dem Alltag von anno dazumal sind im Museum zu finden. Heute staunen die Besucher darüber. Vor allem die Kartoffelschälmaschine würde die Gäste immer wieder verblüffen. „Sie stammt aus der Zeit um 1880 bis 1900“, schätzt Diehl. Im Vergleich zum heutigen Kartoffelschälmesser erinnert das Gerät eher an eine handwerkliche Vorrichtung. „Man spannt die Kartoffel ein und dann wird an der Kurbel gedreht“, erklärt er die einfache, aber wirkungsvolle Funktionsweise. „Wie ein Bleistiftspitzer“, zieht er einen anschaulichen Vergleich heran. „Die Leute sind immer ganz begeistert, wenn wir die Kartoffelschälmaschine vorführen.“ Im Netz www.hkk-fussgoenheim.de

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