Ludwigshafen Bananenkisten voller Bücher

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Der Schauspieler Peter Sodann ist nicht nur als „Tatort“-Kommissar bekannt. Der gebürtige Sachse tritt auch immer wieder einmal als Galionsfigur für die Partei Die Linke in Erscheinung. Weniger bekannt ist, dass er eine riesige Bibliothek mit Büchern aus DDR-Zeiten gesammelt hat. In Mannheim hat er über die Peter-Sodann-Bibliothek geplaudert.

Wenn Peter Sodann in der Rolle des „Tatort“-Kommissars Bruno Ehrlicher im Fernsehen auftrat, war ihm nicht anzumerken, was für eine Plaudertasche er ist. Als er nun im Museum Bassermannhaus der Reiss-Engelhorn-Museen persönlich erschien, musste er sich keinen Zwang antun. Er erzählte und erzählte und kam vom Hundertsten ins Tausendste. Bisweilen verlor der fast 80-Jährige dabei schon einmal den roten Faden und warf Namen durcheinander. Aber langweilig war seine mit viel Humor und Herzenswärme garnierte Erzählung keine Sekunde. Im thüringischen Meiningen habe er einmal „vier Stunden hintereinander weggequatscht“, gab er seinem Mannheimer Publikum nach gut anderthalb Stunden mit auf den Heimweg. Als er damals am Ende der Marathonveranstaltung ein dringendes Bedürfnis nicht länger unterdrücken konnte, habe fast das gesamte Publikum mit ihm die Toilette aufgesucht. So erzählte er nicht ohne Humor von Erlebnissen in einer Talkshow bei Sabine Christiansen, verglich das „Vater unser“ mit dem „Rütli-Schwur“ in Schillers „Wilhelm Tell“ und brachte in seinem Redefluss auch noch einen Haufen Schriftsteller, Bücher und Gedichte unter, die ihm etwas bedeuten. Die Ludwigshafener Initiative Buchkultur hatte Sodann eingeladen, damit er über seine ungewöhnliche Büchersammlung berichte. Im ehemaligen Kuhstall eines Ritterguts in Staucha bei Meißen hat er eine Bibliothek mit 600.000 Bänden zusammengetragen. Ausnahmslos handelt es sich dabei um Bücher, die in der DDR aufgelegt wurden und nach der Wende vernichtet werden sollten. „Zig Millionen Bücher sind in Kraftwerken verbrannt worden“, sagte Sodann und verglich diese Entsorgung mit der Sprengung antiker Architekturrelikte im Irak durch die religiösen Fanatiker des „Islamischen Staates“. Ausführlich schilderte Sodann seinen einsamen Kampf um eine Bleibe und um Regale für die 450 Paletten mit je 35 Bananenkisten randvoll mit Büchern. Er schilderte, wie er deswegen sogar Horst Köhler aufgesucht hat, mit dem er seit 2008 als parteiloser unterlegener Mitbewerber für die Linke um das Amt des Bundespräsidenten bekannt war. „Dazu hab’ ich gar kein Geld“, habe der damals amtierende Präsident gesagt und ihm danach noch schriftlich mitgeteilt, er solle sich einen Millionär suchen. „In den Bananenkisten des Westens schlummert das Wissen des Ostens“ und „Das Vergessen ist die Mutter der Verwahrlosung“ hat Sodann als Motti für seine Bibliothek gewählt. Überhaupt hat er eine Vorliebe für knappe Sinnsprüche. Auffällig war aber auch, wie tief die Sozialisation in der DDR sogar bei jemandem wie ihm gegriffen hat, der schon in jungen Jahren in der Stasi-Diktatur angeeckt war. Schlagworte wie „Kapitalismus“, „Sozialismus“ und „Klassenfeind“ kommen ihm immer noch sehr geläufig über die Lippen.

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