Ludwigshafen Ausstellung „local voices“ in der Rudolf-Scharpf-Galerie
„Local voices“ steht in modischem Englisch als Überschrift über der Schau. Wer dabei sein darf, hat eine vierköpfige Jury entschieden, der unter anderem Susanne Zeunert angehört, die (ehrenamtliche) Vorsitzende des 1964 gegründeten Künstlerbundes Rhein-Neckar. Gezeigt werden Werke aus den Bereichen Malerei, Zeichnung, Skulptur, Video und Performance. Was das im Einzelnen ist, haben die Beteiligten selbst entschieden.
Und das ist gut so, denn gleich im Eingangsbereich unten wirft Doris Erbacher die ganzen Gattungsbezeichnungen mit lässiger Brillanz über den Haufen. „Rahmenkonstruktionen“ (oder Bühnenbilder?) aus bemalten Papierstreifen besiedeln als Wandinstallation und Solisten den Raum. Sieht erst einmal nur fein aus, ist aber ein raffiniert konstruiertes Spiel von Davor, Dazwischen und Dahinter, von Raum und Fläche, Zeichnung im Raum, Skulptur und Malerei, die nach dem italienischen Renaissance-Theoretiker und Architekten Leon Battista Alberti ja das Fenster zur Welt ist.
Dunkle Geheimnisse
So positiv gestimmt kann es nur noch aufwärts geben. Auf der ersten Etage überrascht Fritz Stier mit zwei Video-Diptychen in Schwarzweiß, ein Junge und ein Mädchen fast bewegungslos im Profil aufgenommen im Alter von sieben und 17 Jahren, eine subtile Lektion über das Aufwachsen und das Verrinnen von Zeit.
Drei mannshohe Terrakotta-Eisen-Stelen von Tom Feritsch scheinen von dunklen Geheimnissen zu künden, Von Michael Bacht gibt es aus diesem Jahr eine Lichtinstallation mit zwei gekreuzten Dornenästen und einem Pendel, das sich mit einem sinnreich konstruierten (Zauber-)Stab aktivieren lässt, ein Rätselstück wie ein etwas älteres kompaktes Buchobjekt aus Granit, Stahl und Wellpappe, das vor allem Geschlossenheit suggeriert. De gelernte Architektin AINO zeigt mit Wachs überzogene auffallend stille Holzobjekte in Schwarz („Eternal Black“), während der in Simbabwe geborene, in Mannheim heimische, im Chapungu Sculpture Park in Harare ausgebildete Steinbildhauer Stanford Fata mit seinen aus schwer zu bearbeitendem Serpentin geschlagenen Skulpturen an authentische afrikanische Kunst erinnert – Chapungu-Skulpturen im Großformat waren vor drei Jahren im Schwetzinger Schlossgarten zu sehen.
Die BASF im Kunstwerk
Natürlich in der Auswahl dabei sind die Altmeister der Malerei: Gerd Lind, großer Konstruktivist, zeigt fast in sich gekehrte schwarzgraue Graphitarbeiten und ein Diptychon (Lind bezeichnet es als Doppelbild) in Weinrot, Dunkelgrau und Beige. Überraschung: Die Farbflächen frappieren durch handschriftliche Spuren.
Dann Clapeko van der Heide, Preise und Stipendien gesalbter Farbberserker und wie immer brachial unterwegs, heuer in Rot, das Format spielt keine Rolle. Dann Werner Degreif, dessen um alle möglichen Ecken laufende Riesenzeichnungen eine der großen Konstanten in der Kunstszene sind. In Ludwigshafen hat er sich die BASF vorgenommen. Lagern, Stapeln, Regale, Arbeitshandschuhe: ein weiser, ebenso lockerer wie eindringlicher Blick auf das, was zur Routine industrieller Produktion auch gehört.
Sonja Scherer überzeugt mit einer schönen Faltarbeit und sehr ruhigen Ölzeichnungen auf Papier, bei Mitsuko Hoshino sind es mit Silberlack auf Silikonfolie gemalte Wolken, die sich im Bildtitel „Silver Cloud“ wiederfinden. Volle Dröhnung und der Rausschmeißer ganz oben. Joscha Steffens digitale Dokumentationen aus einer in den Wäldern an der finnisch-russischen Grenze operierenden Gamer-Szene lässt die Teilnehmer sich so vollständig mit dem „Spieler“ identifizieren, dass die Grenzen zwischen Spiel und Wirklichkeit überschritten werden. Gruselig. Das, ist nüchtern betrachtet, als „Spiel“ getarnter Krieg der übelsten Sorte.
Die AusstellungBis Sonntag, 7. Dezember, in der Rudolf-Scharpf-Galerie, Hemshofstraße 54, Ludwigshafen. Öffnungszeiten: Freitag bis Sonntag, 11-18 Uhr