Ludwigshafen Auf den Spuren von Jesus

Ganz viele Eindrücke: Nils besuchte auch Jerusalem.
Ganz viele Eindrücke: Nils besuchte auch Jerusalem.

Jetzt war ich auch mal in Israel. Das ist mit Sicherheit kein Land wie jedes andere. Das fängt schon damit an, dass gleich zwei Gruppen behaupten, dass dieses Land, das gerade mal so groß ist wie Hessen, ihnen gehört: die Israelis und die Palästinenser. Zum Glück ist es halbwegs friedlich geblieben, als ich in Tel Aviv und in Jerusalem war. Das ist nicht immer so. Da fliegen leider auch Steine und sogar Raketen, und Menschen müssen Schutz in Bunkern suchen.

Ich treffe immer wieder Freunde, die glauben, dass Tel Aviv die Hauptstadt von Israel ist. Vor Kurzem hat einer sogar diese Wette verloren und musste einen knorrigen Stamm für mich durchbeißen. Aber das stimmt nicht. Tel Aviv ist „nur“ das wirtschaftliche Zentrum Israels, und Jerusalem ist das politische Zentrum. In Tel Aviv, das direkt am Mittelmeer liegt, pulsiert das Leben zwischen Hochhäusern und Sandstrand. Die Stadt ist total von Gegensätzen geprägt: auf der einen Seite total modern, auf der anderen sehen die Häuser reif für den Abriss aus. So vieles ist in einem chaotischen Fluss, der typisch ist für Israel. Ich hatte einen Termin an der Privatuniversität Herzlia. Viele Studenten waren nach dem Pessachfest gerade wieder an die Uni gekommen. Pessach ist ein ganz wichtiger Feiertag für die Juden, ähnlich wie für uns Ostern oder Weihnachten. Sie erinnern sich dann daran, wie ihre Vorfahren vor vielen Jahrhunderten mit Gottes Hilfe aus der Gefangenschaft bei den Ägyptern befreit worden sind und wieder nach Hause nach Israel durften. Abends bin ich dann am Strand entlang barfuß nach Old Jaffa gebummelt. Das ist der älteste Stadtteil von Tel Aviv, der bereits in der Bibel erwähnt wird. Und wenn man schon mal in Israel ist, muss man natürlich auch nach Jerusalem, diese geheimnisvolle Stadt, die gleich für drei Religionen die wichtigste ist: Christen, Juden und Muslime. Weil Israel so klein ist, braucht man mit dem Zug keine Stunde, bis man von Tel Aviv dort ist. Wo soll man anfangen, Jerusalem zu beschreiben? Ich hatte das besonders eindrückliche Glück, dass ich am Vorabend eines der bedeutendsten Feiertage dort angekommen bin: Jom haSho’a. Da wird an die vielen Menschen erinnert, die in den 1930er- und 1940er-Jahren von den Nationalsozialisten ermordet worden sind, aber auch an die, die tapfer gekämpft haben in dieser Zeit. Um 10 Uhr sind in ganz Israel Sirenen angegangen, und jeder, wirklich jeder hat aus Respekt zwei Minuten lang angehalten, auf der Straße, in der Schule, im Supermarkt. Das ging unter die Haut. In Jerusalem gibt es auf Schritt und Tritt Geschichte zu sehen, auf dem Ölberg, in der Grabeskirche, wo Jesus nach der Kreuzigung beerdigt worden sein soll, an der Klagemauer. Diese geballte Ansammlung an biblischen Stätten löst eine Art Krankheit aus, die jedes Jahr an die 100 Besucher befällt, das sogenannte Jerusalem-Fieber. Dabei werden sie völlig unvorbereitet von einer Art heiliger Verzückung gepackt, die sie glauben lässt, sie lebten in der damaligen Zeit. Ein Freund von mir, der nicht an Gott glaubt, wollte gar nicht mehr aus der Grabeskirche heraus, so ergriffen war er von der Stimmung dort. Und so bleibt Jerusalem – bei all dem Streit, den es um diese Stadt gibt – eine Anlaufstelle für Millionen Touristen. Ich will auch unbedingt noch mal hin.

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