Ludwigshafen Angelnder Sachse

Michl Müller mit unvermeidlichem T-Shirt in Mannheim.
Michl Müller mit unvermeidlichem T-Shirt in Mannheim.

„Müller, nicht Shakespeare“ heißt Michl Müllers aktuelles Programm. So groß ist die Verwechslungsgefahr allerdings nicht, wie sich beim Auftritt des fränkischen Komikers im Mannheimer Capitol zeigen sollte. Stellenweise schien es, als sei er zu seinen Wurzeln, der fränkischen Fastnacht, zurückgekehrt.

Gespannt sieht man eine Renaissance-Fassade und eine Balkonbrüstung auf der Bühne. Schließlich hat Müller ja seine eigene Version von Shakespeares „Romeo und Julia“ angekündigt. Das soll aber erst gegen Ende des Abends kommen. Los geht es erst mal mit aktueller Politik. „Dass mit Markus Söder ein Franke Bayern regiert – das zeigt, wie groß die Not sein muss“, stellt der Franke fest. Und er meint, dass Söder so lange zündelt, bis die Hütte brennt, um sich dann als Retter zu präsentieren. Söders „Kreuzzug“ nimmt Müller auch aufs Korn. Laut Söder sei das Kreuz ja ein kulturelles, kein christliches Symbol, wenn es in bayerischen Amtsstuben Pflicht wird. „Ein kulturelles Symbol ist die Weißwurscht auch – aber wenn’ds die hinhängst, stinkts halt nach drei Tag“, erklärt Müller. Bei der Einstimmung meint man, Müller habe den kabarettistisch-politischen Teil seines Programms weiter ausgebaut. Aber es kommt anders. Ziemlich schnell manövriert Müller sein Schiff in flachere Gewässer. Schamhaarfrisuren sind natürlich für Lacher gut – aber ist das Thema nicht schon etwas abgestanden? Die Frage stellt sich für Müller offenbar nicht. Auch seine Männer-Frauen-Erzählungen setzen eher auf erwartbare und konventionelle Gags. Nicht ganz auf der Höhe der Zeit wirkt es, als er Julia als unterbelichtete „geile Bitch“ und Romeo als „Hassan“ mit Dreier-BMW auftreten lässt. Wo war Müller die letzten 20 Jahre? Die heutigen Hassans sehen den Dreier doch bestenfalls als untermotorisierten Rollator an. Und Kanak-Sprak mit „krass voll konkret“ haben wir von Mundstuhl, Badesalz und anderen schon vor zwei Jahrzehnten besser gehört. Die Bezüge zu Shakespeare sind ziemlich dünn und bringen das Programm nicht unbedingt voran. Immerhin gibt es einen sprechenden Totenkopf, der als Sidekick dienen könne. Macht er aber selten. Der Verblichene ist nicht Yorick und nicht „Willi“ Shakespeare, sondern dessen Bruder Heiko. Und der sächselt heftig und erklärt, Shakespeare sei kein Angelsachse, sondern ein angelnder Sachse gewesen. Da wartet man auf das „Ta-tää“ der Fastnacht. Egal, denn die todsicheren Knaller im Programm sind Müllers reichlich vorhandene Schlagerparodien. Parodie bezieht sich dabei auf die Texte, die deutlich skurril sind – die Musik ist aber Schlagerstampf, da muss man durch. Aber auch da gibt es Altbewährtes: Die Fleischereifachverkäuferin, der Vollwärmeschutz aus Liebe, das Heringsdösle und die Ingwerreibe, alles alte Hits, sind Pflicht. Dazu zappelt der Franke und übertreibt die typische Schlagergestik. Wo er das „bissle Botschaft“ versteckt hat, das er angeblich vermitteln möchte, bleibt nach der Show ein Rätsel. Die Stimmung allerdings ist toll, am Ende steht das Publikum, klatscht und singt, und man fragt sich, wie man plötzlich in die Fastnacht von 2005 geraten ist.

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