Ludwigshafen Altmeister setzt Akzente
Prominentenbesuch in Mannheim: In der Jesuitenkirche erklangen die Kantaten Nr. 1 und 4-6 aus Bachs Weihnachtsoratorium unter Helmuth Rillings Leitung. Angeführt vom souveränen Altmeister, einer weltweit führenden Kapazität in Sachen Bach, musizierten ein Solistenquartett mit Sophie Klußmann, Olivia Vermeulen, Martin Lattke und Tobias Berndt, die Internationale Chorakademie Lübeck und das Bach Ensemble Helmuth Rilling.
Seit mehr als einem halben Jahrhundert setzt der heute 82-jährige Kirchenmusiker, Dirigent und Pädagoge Rilling unüberhörbare Akzente im Musikleben in Deutschland, im europäischen Ausland, in Amerika und Asien. Mit seinen Vokal- und Instrumentalensembles, der bereits 1954 gegründeten Gächinger Kantorei, dem Bach-Collegium und der Bachakademie (beide in Stuttgart), seinen Akademien und Workshops leistete und leistet der nach wie vor unermüdlich aktive Künstler auf drei Kontinenten einen unüberschätzbaren Beitrag zur Bachpflege. Dazu gehören auch die erste Gesamtaufnahme der Bachschen Kantaten, auf die 2000, zum 250. Todestag des Thomaskantors, die erste Aufnahme seiner sämtlichen Werke auf 172 CDs folgte. Andererseits lässt sich Rillings Aktionsradius keineswegs lediglich auf Barockmusik reduzieren. Regelmäßig hat er sich für zeitgenössische Werke eingesetzt, unter anderem von Penderecki, Rihm, Britten (War Requiem), Sofia Gubaidulina und Sven-David Sandström. Zum sehr beredten Plädoyer für das Werk geriet jetzt die Mannheimer Aufführung des Weihnachtsoratoriums in der Jesuitenkirche, der eine Akademie mit Meisterkurs vorausgegangen war. Die vier Solisten, die Internationale Chorakademie Lübeck und das Bachensemble Helmuth Rilling aus jungen Sängern und Instrumentalisten aus aller Herren Länder erwiesen sich dabei als überaus versierte Ausführende: Ihre Wiedergabe der vier Kantaten wirkte durchweg geschlossen. Beste Voraussetzungen für die anspruchsvolle Aufführung schuf die exzellente Tonqualität, bei stets durchhörbarem Klangbild, der von Rolf Beck, einem früheren Schüler Rillings, einstudierten, im barocken Ziergesang gewandten Chorakademie. Ähnliches galt auch für das kultivierte Zusammenspiel des in kammermusikalischer Besetzung und mit kammermusikalischer Akribie agierenden Bach Ensembles Helmuth Rilling. Am Pult koordinierte Rilling mit großer Übersicht das klingende Geschehen, sorgte für exemplarisch klare Stimmführung und prägnante musikalische Diktion. Die Ausführenden animierte er zudem unentwegt zu ebenso intensiver wie differenzierter, nuancenreicher Musizierweise. Mit Sicherheit gab es keine Leerläufe in dieser Aufführung, in der jedes Detail höchst sinnvoll erschien. Als vorzügliche Vokalisten und Stilisten profilierten sich die Solisten. Durch feine Stimmqualität nahmen Altistin Olivia Vermeulen und Bariton Tobias Berndt besonders für sich ein; Erstklassige Leistungen sind darüber hinaus der Sopranistin Sophie Klußmann und dem Tenor Martin Lattke zu bescheinigen.