Ludwigshafener Geschichte(n) RHEINPFALZ Plus Artikel Als es im Südwest-Stadion noch Länderspiele und legendäre Open-Air-Konzerte gab

Proppenvoll: Das Finale um die Deutsche Meisterschaft gewinnt der VfB Stuttgart mit 3:2 gegen den 1. FC Saarbrücken vor 84.000 Z
Proppenvoll: Das Finale um die Deutsche Meisterschaft gewinnt der VfB Stuttgart mit 3:2 gegen den 1. FC Saarbrücken vor 84.000 Zuschauern im Ludwigshafener Südwest-Stadion – am 22. Juni 1952.

Das Südwest-Stadion war eine gefragte und angesagte Sportstätte. Olympiasieger und Weltmeister sprinteten durch die Arena. Auch internationale Stars aus der Showbranche traten dort auf. Sogar als WM-Austragungsort 1974 es im Gespräch. Heute bröckelt das Bauwerk dahin, das bis 1950 einen anderen Namen trug.

Ein Plakat im Hauensteiner Museum des Sportbundes Pfalz erinnert an eine besondere Veranstaltung und gibt einen Hinweis auf den Namen der Sportstätte: Am 11. November 1950 spielten im Rheinstadion die Fußballmannschaften des SV Phönix Ludwigshafen und FK Pirmasens um die „Zonenmeisterschaft“ der Oberliga Südwest. An diesem Tag wurde zuvor auch das Endspiel im Feldhandball zwischen Phönix Ludwigshafen und FV Speyer ausgetragen. Wenige Tage nach diesem Doppelspieltag erhielt die Sportstätte den neuen Namen, unter dem sie heute noch bekannt ist: Südwest-Stadion.

Der Ludwigshafener Stadtrat in der Ära von Oberbürgermeister Valentin Bauer (SPD) benannte es nach einer lebhaften Diskussion und mit knapper Mehrheit in „Südwest-Stadion“ um, wie die RHEINPFALZ damals berichtete. Der Antrag dafür kam vom Südwestdeutschen Fußball-Verband (SWFV) unter dem Vorsitz von Karl Fahrbach, einem Ludwigshafener Geschäftsmann. Die feierliche Einweihung als Südwest-Stadion fand am 11. November 1950 statt. Die Verantwortlichen wählten dafür eine große Kulisse: 50.000 Zuschauer waren gekommen, um das Fußballspiel zwischen der Auswahl des SWFV und einer Süddeutschland-Auswahl zu sehen, das zur Sichtung von Nationalmannschaftskandidaten diente und 2:2 endete.

Eines der größten deutschen Stadien

Das Remis sah ein prominenter Politiker. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsidenten Peter Altmeier (CDU) war vor Ort. Er bezeichnete das Stadion als „eines der schönsten und größten Stadien Deutschlands und eines der kostengünstigsten dazu“. Es war zu großen Teilen mit Kriegsschutt aus Ludwigshafen und Mannheim gebaut worden. Wochenlang karrten Lkw über 100.000 Tonnen Trümmerschutt auf die Baustelle.

Das Stadion bot damals 76.200 Zuschauern Platz. Auf der Tribüne gab es 2173 Sitzplätze. Der Zuschauerrekord datiert vom 21. Dezember 1952. 93.000 Besucher sahen das Länderspiel Deutschland gegen Jugoslawien. 3:2 siegte die DFB-Elf. 1952 sahen 33.000 Zuschauer das Samstagsspiel der Oberliga Süd zwischen dem SV Waldhof Mannheim und dem Deutschen Meister VfB Stuttgart. 33.000 Zuschauer bedeuteten damals deutscher Rekord für ein Samstagsspiel. Bis 1963 – zum Start der Bundesliga – hielt dieser Rekord.

Bundesliga: Waldhof gegen den FCK, Alfred Schön (links) im Duell mit Hans-Peter Briegel.
Bundesliga: Waldhof gegen den FCK, Alfred Schön (links) im Duell mit Hans-Peter Briegel.
Open-Air-Arena: Metallica spielte 2004 mit Frontman James Hetfield in Ludwigshafen.
Open-Air-Arena: Metallica spielte 2004 mit Frontman James Hetfield in Ludwigshafen.
Heute: Platz für 6000 Zuschauer. Teile der Tribünen sind wegen Baufälligkeit gesperrt.
Heute: Platz für 6000 Zuschauer. Teile der Tribünen sind wegen Baufälligkeit gesperrt.

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Die Geschichte des Stadions reicht zurück bis ins Jahr 1920. Zwei BASF-Mitarbeiter und der Ludwigshafener Stadtschulrat Osterheld schlugen den Bau eines Sportstadions in der Arbeiterstadt vor. Es solle der „Erholung der Volksgesundheit“ dienen und ein „amphitheatralische Anwandlung“ haben. Der Stadionkomplex sollte eine Arena mit drei Spielfeldern, Radrennbahn, Schwimmbad und Halle umfassen. 200.000 Quadratmeter groß sollte der neue Sportpark sein. Als Standort dafür war zunächst eine Fläche in Friesenheim im Gespräch, in der Nachbarschaft des Riedsaumparks, dem späteren Friedrich-Ebert-Park. Doch daraus wurde nichts.

Bau und Zerstörung

Erst 17 Jahre später, im September 1937, erfolgte der erste Spatenstich für die neuen Sportstätten. Errichtet wurde das 14.000-Zuschauer-Stadion auf einem Areal zwischen der Saarlandstraße und der Mundenheimer Straße. Es trug zunächst den Namen des NS-Diktators Adolf Hitler. Bis 1940 wurde gebaut, doch die Sportstätte wurde während des Kriegs bei Fliegerangriffen zerstört.

Fußball gespielt wurde auch nach Kriegsende: Zwischen 1946 und 1948 legte der SV Phönix Ludwigshafen auf dem Areal ein Spielfeld an. 1949 stimmten Stadtrat und Sportausschuss dem Ausbau zu einer Großanlage zu, die Rheinstadion genannt wurde. Das erste Fußballspiel fand am 1. November 1949 vor 20.000 Zuschauern statt. Phönix Ludwigshafen spielte gegen ein französisches Team, den AS St. Etienne – und verlor mit 1:2. Ein Jahr später wurde das Rheinstadion dann offiziell in Südwest-Stadion umbenannt.

Das Ludwigshafener Stadion war ein gefragter Austragungsort für hochklassige Sportereignisse. Neben Fußballspielen fanden auch Leichtathletik-Länderkämpfe dort statt. Die Weltspitze kam zu diesen Wettkämpfen – Olympiasieger und Weltmeister. Das Südwest-Stadion galt als Top-Adresse in der nationalen und internationalen Sportwelt. 1974 war das Stadion kurzzeitig sogar mal als Spielstätte für die Fußball-Weltmeisterschaft im Gespräch.

Das Südwest-Stadion war aber auch eine Zeit lang eine gefragte Adresse für internationale Showstars. Michael Jackson, Elton John, Bruce Springsteen oder Herbert Grönemeyer traten in einer der einst attraktivsten Arenen Deutschlands auf. 2004 lockte Metallica 25.000 Fans ins Oval. Es war schick und lukrativ für die Showgrößen, hier aufzutreten.

Glanzzeiten vorbei

Und heute? Im Südwest-Stadion wird immer noch Fußball gespielt. Oberligist FC Arminia Ludwigshafen trägt einen Großteil seiner Partien dort aus. Die Glanzzeiten sind jedoch vorbei. Denn große Teile der Tribünen sind wegen Baufälligkeit gesperrt. Eine Art Renaissance erlebte das Südwest-Stadion, als der FSV Oggersheim von den Niederungen des Amateurfußballs bis in die drittklassige Liga marschierte, sich dort aber nicht halten konnte. Als Heimspielstätte wurde das Südwest-Stadion auserkoren. Doch es genügte nicht den Anforderungen des DFB. Daher modernisierte die Stadt für zwei Millionen Euro die Haupttribüne und einen Block auf der Gegentribüne für die Gästefans.

Heute passen noch 6100 Zuschauer ins Südwest-Stadion. Auf 600.000 Euro sollen sich die jährlichen Unterhaltskosten belaufen – viel Geld für eine hoch verschuldete Stadt und ein Bauwerk, das seine Blütezeiten schon lange hinter sich hat.

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