Fußball Als ein Dorfverein aus der Westpfalz in Ludwigshafen um die große Bühne spielte

Die Elf des SV Alsenborn 1970 im Südweststadion in Ludwigshafen.
Die Elf des SV Alsenborn 1970 im Südweststadion in Ludwigshafen.

Das Ludwigshafener Südweststadion war einst Austragungsort für Bundesliga-Aufstiegsspiele eines Vereins, der untrennbar mit dem Namen Fritz Walter verbunden ist.

Ein bundesweit beobachtetes Fußballmärchen – allerdings ohne Happy End – zog zwischen 1968 und 1970 in einem Dutzend Spiele im Ludwigshafener Südweststadion die Massen in den Bann: Der kleine und zunächst noch völlig unbedeutende westpfälzische Dorfverein SV Alsenborn klopfte als südwestdeutscher Regionalligameister in der Aufstiegsrunde dreimal vernehmlich ans Tor zur Bundesliga – mit ihm vier talentierte und bereits überdurchschnittlich agierende Spieler aus dem Raum Ludwigshafen. Denn Lorenz Horr (FSV Oggersheim), Werner Adler (ASV Maxdorf), Alban Wüst (VfB Iggelheim) und Klaus Schmidt (Phönix Ludwigshafen), die später über ihren neuen Verein ins Blickfeld arrivierter Vereine und Trainer gerieten, folgten den Lockrufen des SV Alsenborn – der war damals neben dem 1. FC Kaiserslautern zeitweise die „feinste Adresse“ im Fußball der Pfalz.

Ausgerechnet das sonst so bescheidene Fußballidol Fritz Walter hatte ums Jahr 1962 mit einem Freundeskreis in seiner neuen Heimatgemeinde Alsenborn mit ihren gerade mal 2400 Einwohnern wohl in einer Sektlaune einen Plan ausgeheckt: mit dem damaligen A-Klasse-Verein SV Alsenborn in wenigen Jahren in die Bundesliga aufzusteigen und dort die „Großen“ zu ärgern ... Dank der guten fußballerischen Beziehungen von Fritz Walter nahm das Projekt Gestalt an: Vom 1. FC Kaiserslautern wechselten die erfahrenen Meisterkicker Willi Hölz (Tor), Otto Render und Erwin Rödler (beide Mittelfeld) in den Lauterer Landkreis – und dann folgten Talente auch aus der Vorderpfalz. Der Oggersheimer Lorenz Horr (Jahrgang 1942) kam 1960 mit gerade mal 18 Jahren nach Alsenborn, bis 1968 folgten die gleichaltrigen oder noch jüngeren Klaus Schmidt (1941), Werner Adler (1946) und Alban Wüst (1947).

Quartett zieht weiter

Für das Quartett sollte sich der Absprung zum SV Alsenborn mehr oder weniger lohnen – vor allem für Lorenz Horr: Der technisch versierte Oggersheimer Stürmer avancierte bei den Westpfälzern zum erfolgreichen Torjäger und respektierten Mannschaftskapitän, erzielte in 115 Regionalligaspielen 77 Tore und wechselte dann 1969 für die damalige Rekord-Ablösesumme von 336.000 Mark zum Bundesligisten Hertha BSC Berlin (Hertha-Trainer „Fiffi“ Kronsbein: „Ich will ihn haben – egal was er kostet...“), für den er bis 1977 in 240 Bundesligaspielen 75 Tore erzielte. Der als Pädagoge tätige Klaus Schmidt absolvierte elf Amateur-Länderspiele, Werner Adler gehörte dem Bundesligakader von Borussia Mönchengladbach (ohne Einsatz) an und spielte beim Karlsruher SC (15/3) und beim SV Waldhof Mannheim (82/21). Alban Wüst wurde 32-mal in der Bundesliga beim FC Schalke 04 (4 Tore) eingesetzt.

Auch später war der viele Jahre von dem Mediziner Dr. Leo Dietzel und dem Unternehmer Hannes Ruth vorbildlich geführte SV Alsenborn so etwas wie eine „Talentschmiede“ für den deutschen Profifußball. Angeblich 31 überdurchschnittliche Alsenborner Spieler wurden im Laufe der Jahre an Vereine im bezahlten Fußball abgegeben – darunter mit Walter Frosch (früher FC Arminia 03 Ludwigshafen – dann 1. FC Kaiserslautern und FC St. Pauli) ein weiterer Vorderpfälzer. Die späteren Trainer Fritz Fuchs (unter anderem Arminia Bielefeld), Werner Mangold (VfR Heilbronn) oder Reinhard Meier (SV Südwest Ludwigshafen) trugen einmal das Trikot des SV Alsenborn – ebenso Spieler wie Jürgen Schieck (VfR Mannheim), Manfred Lenz (FC Homburg), Thomas Riedl (1. FC Kaiserslautern), Ottmar Ludwig (Fortuna Köln) oder Franz Schwarzwälder (1. FC Nürnberg).

Westpfälzer wachsen ans Herz

Den Ludwigshafener und Vorderpfälzer Fußballfans wuchsen die Alsenborner jedoch in ihren zwölf (wenn auch vergeblichen) Aufstiegsspielen zur Bundesliga im Südweststadion ans Herz. Jeweils im Mai und Juni der Jahre 1968, 1969 und 1970 gaben die Westpfälzer ihre Vorstellung im damals größten Fußballstadion der Pfalz. Die Gegner und späteren Aufsteiger wie Hertha BSC Berlin, Rot-Weiß Oberhausen und Arminia Bielefeld mussten die Hürde in Ludwigshafen nehmen, ehe sie ins „Oberhaus“ einzogen. Das wäre beinahe Alsenborn gelungen, als sie am 22. Juni 1969 nur einen Punkt schlechter als Oberhausen die Runde beendeten. Ihr Pech: Im entscheidenden letzten Spiel bei Hertha 03 Zehlendorf fehlte der verletzte Torjäger Lorenz Horr – die Alsenborner verloren mit 0:3. In diesen drei Aufstiegsrunden belegte der Südwestmeister SV Alsenborn unter fünf Bewerbern jeweils den dritten Platz.

Vier Jahre später ereiferten sich nicht nur die Alsenborner und die ihnen verbundenen Pfälzer an einem weiteren „Kampfplatz“. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hatte für die Qualifikation zur 1974 neu eingeführten zweiten Bundesliga neben sportlichen auch wirtschaftliche und technische Aspekte genannt – und nominierte über den zuständigen Zulassungsausschuss zunächst statt des Südwestmeisters SV Alsenborn den wirtschaftlich besser dastehenden 1. FC Saarbrücken. Es folgte ein sportjuristisches Hin und Her, schließlich mussten sogar ordentliche Gerichte entscheiden. Das Ergebnis: Das letztlich zuständige DFB-Sportgericht gab den Saarländern den Zuschlag, weil der SV Alsenborn „wegen technischer Unzulänglichkeiten an seiner Platzanlage und wegen wirtschaftlicher Unsicherheiten“ ein Wackelkandidat war. Hätte der SV Alsenborn den Zuschlag erhalten, hätte er seine Zweitliga-Heimspiele im Südweststadion austragen dürfen.

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