Ludwigshafen Abwasser statt Luftfahrtindustrie

Kaum jemand macht sich heute Gedanken darüber, was mit den Unmengen an Abwasser passiert, die in Haushalten und Betrieben Stunde um Stunde entstehen. Für Peter Schmittel und sein Team gehört genau das aber zum Arbeitsalltag. Der Leiter der BASF-Kläranlage, einer der größten in Europa, schläft mit dem Handy auf dem Nachttisch, um im Notfall sofort reagieren zu können.
. Seit 2009 ist der gebürtige Mannheimer Schmittel Leiter der Kläranlage. Mitarbeiter der BASF ist der 44-jährige Ingenieur schon länger. Bevor er die Verantwortung für die Kläranlage übernahm, war er fünf Jahre in der Forschungsbetreuung und zwei Jahre im Stab der Werksleitung tätig. Der Tag des Leiters der werkseigenen Kläranlage, die jährlich 110 Millionen Kubikmeter Wasser reinigt und in den Rhein spült, fängt früh an. Zwischen sieben und acht Uhr werden E-Mails bearbeitet, es folgen Besprechungen über nötige Reparaturen und Optimierungen, bis sich anschließend ein Termin an den anderen reiht. Nachdem er zwischen 17 und 18 Uhr sein Büro verlassen hat, bleibt sein Handy in der Nähe. „Unsere 130 Mitarbeiter in der Anlage arbeiten im Schichtbetrieb, 24 Stunden am Tag. Da muss ich immer zu erreichen sein, falls es Probleme gibt“, sagt Schmittel. Die Kläranlage der BASF verarbeitet neben den eigenen Abwässern auch die aus Ludwigshafen, Frankenthal und Bobenheim-Roxheim. Damit alles wie am Schnürchen läuft, wird die Anlage streng überwacht. Neben den Prüfungen durch Schmittels Mitarbeiter entnehme das Umweltamt des Landes unangemeldet Proben zur Ermittlung der Wasserqualität. Auf die Sicherheit in der Anlage legt Schmittel also größten Wert. Eigentlich wollte der in Ludwigshafen Süd aufgewachsene Schmittel nach seinem Studium riesige Wasserturbinen bauen oder in der Luftfahrtindustrie arbeiten. Dass er schließlich bei der BASF gelandet ist, bereut er nicht: „Das Leben ist nicht in jedem Schritt planbar. Der Job hier im Betrieb ist aber für mich eine spannende Aufgabe in meiner beruflichen Karriere und macht mir sehr viel Spaß.“ Der Vater von vier Kindern lebt heute in Neustadt. In seiner Freizeit versucht er sich mit Radfahren, Schwimmen und Segeln fit zu halten. Auch dem Handwerk ist Schmittel nicht abgeneigt. „Sie können sich aber vorstellen, dass bei vier Kindern nicht allzu viel Zeit dafür übrigbleibt“, sagt er. Was man als Leiter einer Kläranlage alles erleben kann, erklärt Schmittel an einem Beispiel. Vor längerer Zeit habe ihn eine Frau aus Mutterstadt angerufen, deren Tochter versehentlich ihre Zahnspange das Klo runtergespült habe. „Sie wollte wissen, ob man die in der Kläranlage wiederfinden könne. Das Abwasser muss aber, bevor es in der Anlage ankommt, durch ein langes Kanalnetz. Die Chance, so einen Gegenstand zu finden, ist gleich null.“ Der Frau habe Schmittel ein kleines Büchlein geschickt, in dem beschrieben ist, wie eine Kläranlage funktioniert. „Erklären gehört eben auch zu meinen Job“, sagt er. (mnx)