Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Abriss in Sicht: Bauruine in der Pfingstweide soll 95 Wohnungen weichen

Das Gemeinschaftshaus wurde 2020 geschlossen und verfällt seitdem zusehends.
Das Gemeinschaftshaus wurde 2020 geschlossen und verfällt seitdem zusehends.

Seit mehreren Jahren wird diskutiert, was mit dem abrissreifen Gemeinschaftshaus in der Pfingstweide passieren soll. Nun will die GAG auf dem Areal Wohnungen bauen.

Das Gemeinschaftshaus Pfingstweide verfällt zusehends. Ein Bauzaun umgibt den einstigen Treffpunkt des Retorten-Stadtteils. Scheiben sind eingeworfen worden. Die Fassade ist mit Schmierereien übersät. Die „Bauruine“, wie Ortsvorsteher Frank Meier (SPD) die Immobilie nennt, sei nach der Schließung 2020 zu einem Schandfleck geworden. Seit sechs Jahren wird über das Areal diskutiert, jetzt liegt eine Lösung auf dem Tisch.

Das kommunale Wohnbauunternehmen GAG will die Grundstücke dort kaufen und 95 Wohnungen bauen. Noch befindet sich das Areal im Eigentum der Stadt und der BASF Wohnen und Bauen, doch der Kauf soll in den kommenden Monaten über die Bühne gehen. Dann soll das Gemeinschaftshaus abgerissen werden und das Wohnprojekt am Rande der Pfingstweide realisiert werden.

95 Wohnungen geplant

Die GAG will aus verschiedenen Gründen aktuell noch keine weiteren Details nennen. So stehen noch die Zustimmungen städtischer Gremien und der BASF-Wohnungsbaugesellschaft aus. Dafür laufen momentan die Vorbereitungen, so eine GAG-Sprecherin. Außerdem geht es auch um den Kaufpreis für das marode Gebäude und das Areal. Geplant ist öffentlich geförderter Wohnungsbau, es sollen also 95 Sozialwohnungen entstehen. Das Bebauungskonzept sei mit der Stadtverwaltung abgestimmt, so die GAG. Ein Neubau sollte laut Baurecht zum bestehenden Umfeld passen. Auch der GAG-Aufsichtsrat muss noch dem Bauprojekt zustimmen – dabei spielt auch die Wirtschaftlichkeit eine Rolle. „Sobald alle internen Vorbereitungsarbeiten abgeschlossen und genehmigt sind, wird die GAG gerne über die weitere Vorgehensweise informieren“, teilt eine Sprecherin mit.

Das Gemeinschaftshaus gehört bisher der Stadt, bei dem vorgelagerten angebauten Gebäude des ehemaligen Jugendtreffs und der Gaststätte handelt es sich um eine BASF-Immobilie. Wertgutachten für beide Immobilien liegen vor – der Inhalt ist öffentlich nicht bekannt. Lärmgutachten zu einer Wohnnutzung wurden wegen der benachbarten B9 sowie ein weiteres Gutachten wegen einer möglichen Schadstoffbelastung des Gebäudes erstellt, was beim Kaufpreis und den Abrisskosten eine wichtige Rolle spielt. Nach jahrelanger Prüfung scheint für die GAG nun ein Wohnprojekt umsetzbar. Offenbar ist das Wohnbauunternehmen zum Schluss gekommen, dass sich der Bau von 95 Sozialwohnungen mit der entsprechenden Landesförderung rechnen wird.

Politik begrüßt Projekt

Ortsvorsteher Meier begrüßt die Neubaupläne: „Je schneller dort etwas passiert, desto besser.“ GAG-Chef Wolfgang van Vliet habe ihm gegenüber einen Baubeginn 2027 in Aussicht gestellt. Das verwahrloste Gemeinschaftshaus und das marode Einkaufszentrum in der Mitte der Pfingstweide machten einen katastrophalen Eindruck und schädigten das Image des Stadtteils, sagt Meier. Es gebe viele Beschwerden wegen der „Bauruine“. Fest stehe auch, dass die Grünanlage um das Gemeinschaftshaus, der sogenannte Bürgerpark, erhalten bleiben solle.

So sah das Haus vor der Schließung aus.
So sah das Haus vor der Schließung aus.

Das Thema beschäftigte einmal mehr den Ortsbeirat Oppau bei seiner jüngsten Sitzung. Helge Moritz (FWG) beklagte, dass es bisher keine ausreichende Information zu dem Bauprojekt gebe. „Wenn das Gebäude kommt, werden dort über 200 Leute mit Kindern wohnen. Bei der Kita- und Schulplanung muss das mitberücksichtigt werden. Außerdem müssen ausreichend Parkplätze vorhanden sein“, forderte Moritz. In einer von der GAG in Auftrag gegebenen Bebauungsstudie für das Areal wurde neben den baurechtlichen Fragen auch die Parkplatzfrage geprüft. „Die baurechtlich erforderlichen Stellplätze können nachgewiesen werden“, heißt es in einer GAG-Stellungnahme zu einer FWG-Anfrage.

Seit 2020 geschlossen

Derzeit sieht es danach aus, dass die Tage des Gemeinschaftshauses gezählt sind. Die Einrichtung ist seit Sommer 2020 geschlossen. Ein Grund für das Aus: Das Gebäude war sanierungsbedürftig. Der Brandschutz entsprach nicht mehr den aktuellen Vorschriften. Eine Sanierung wurde damals auf über 1,3 Millionen Euro geschätzt. Viel Geld, zumal das Haus von den Vereinen immer weniger genutzt wurde. Der Trägerverein stellte zum Jahresende 2019 seine Tätigkeit ein. Die Stadtmarketinggesellschaft Lukom zog sich als Betreiber im Sommer 2020 zurück.

Vereine wie die Heartliner nutzten das Haus.
Vereine wie die Heartliner nutzten das Haus.

Das Gemeinschaftshaus wurde 1982 fertiggestellt und war als sozialer Treffpunkt für die Bürger und Vereine in dem neuen Stadtteil gedacht. Neben einem Jugendzentrum gab es eine Altentagesstätte, eine Turnhalle und eine Cafeteria der Vereine in dem Gebäudekomplex. Seit der Schließung bieten nur noch die Kirchengemeinden in der Pfingstweide Räume für Vereinsaktivitäten an. Deshalb wünscht sich Ortsvorsteher Meier, dass in dem GAG-Neubau auch ein „Multifunktionsraum“ für die Vereine entsteht. Das Wohnbauunternehmen habe ihm zugesichert, dies zu prüfen.

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