Ludwigshafen 6000 Aktionäre auf der BASF-Hauptversammlung in Mannheim

Allen Krisenzahlen zum Trotz ist die Hauptversammlung der BASF SE gestern im Mannheimer Rosengarten nach denselben Ritualen wie immer abgelaufen. Rund 6000 Aktionäre haben sich informiert – und es sich schmecken lassen.
Es ist genau 10 Uhr, als Jürgen Hambrecht zum ersten Mal das Mikrofon an seinem Platz aktiviert. Wegen der langen Schlangen vor der Tür, sagt der frühere Vorstands- und jetzige Aufsichtsratsvorsitzende der BASF mit immer noch unverkennbarem schwäbischem Einschlag, werde die Versammlung fünf Minuten später beginnen. All jene Aktionäre, die den Eingang zum Kongresszentrum Rosengarten schon passiert haben, nehmen es ungerührt zur Kenntnis. Schließlich ist gut für sie gesorgt worden: mit Salami- , Käse- und Schinkenbrötchen, Laugenstangen und Schokocroissants. Die silbernen Behälter, in denen später das Mittagessen serviert werden wird, stehen auch schon bereit. Vor drei Wochen hat die Daimler-Hauptversammlung Schlagzeilen gemacht, weil der Streit um Würstchen („Saitenwürschtle“) zwischen zwei Aktionären zu einem Polizeieinsatz geführt hat – und zu der Frage, ob 12.500 Würstchen für rund 5500 Menschen nicht etwas knapp bemessen waren. Ein derartiger Skandal ist bei der BASF nicht zu befürchten. Mag der Umsatz 2015 auch um 5,2 Prozent auf 70,4 Milliarden Euro zurückgegangen sein, mögen die Aussichten für 2016 nach den Worten des Vorstandsvorsitzenden Kurt Bock weiter schlecht sein – am Essen scheint noch nicht gespart werden zu müssen. „Uff, zum Glück ist hier frei“, sagt eine ältere Dame und setzt sich, froh, noch einen Stuhl ergattert zu haben. Im Keller, zwischen den beiden Garderoben, da, wo man Hambrechts Aufforderung zum Ausschalten des Mobiltelefons getrost ignorieren kann – hier gibt es sowieso kein Netz. „Es ist brechend voll, in den Saal lassen sie niemanden mehr“, erzählt die Frau, „und draußen standen wir schon ewig in der Schlange.“ Nicht nur der Rosengarten ist voll. Auch im über eine Fußgängerbrücke erreichbaren Dorint-Hotel sind mehrere Räume sehr gut besucht. Bildschirme und Lautsprecher übertragen die Rede Bocks und später die Fragen der Aktionärsvertreter überall hin – sogar auf die Toiletten. In einem Foyer haben es sich drei Jugendliche gemütlich gemacht. Sie gehören zu einer rund 30-köpfigen Klasse der Johann-Philipp-Reis-Schule, einem Weinheimer Wirtschaftsgymnasium. „Es ist ganz interessant zu sehen, wie das hier abläuft“, sagt Daniel Schmidt, 19. Seine Freunde Johannes Halbig, 17, und Nico Hill, 18, nicken. Wie lange sie bleiben? „Bis zum Mittagessen.“ Das gibt es, wie üblich, spätestens um halb zwölf. Dann muss man sich bemühen, bei all dem Besteckgeklapper noch die Rednerin zu verstehen, die – wie jedes Jahr – nach dem Anteil von Frauen in Führungspositionen fragt, und die Aktionärsvertreter, die den Anstieg der Dividende loben und die Abhängigkeit vom Ölpreis kritisieren. Leute, die einander in der Essensschlange zufällig begegnet sind, zeigen Urlaubsfotos oder wetteifern, wer morgens länger in der Schlange stand. Und der Nachschub an Würstchen und Kartoffelsalat, an Frikadellen und Laugenbrezeln: Er scheint niemals zu versiegen. Politik/Wirtschaft