Landau / SÜW RHEINPFALZ Plus Artikel Wo der Busfahrerstreik für Chaos und Ärger sorgt

Gewerkschaftlich organisierte Fahrer blockieren die Busdepots der Queichtal-Nahverkehrsgesellschaft und auch wichtige Umstiegsor
Gewerkschaftlich organisierte Fahrer blockieren die Busdepots der Queichtal-Nahverkehrsgesellschaft und auch wichtige Umstiegsorte wie Bahnhöfe und neuerdings auch Schulzentren, so Jan Demand.

Auch am zweiten Tag des landesweiten Busfahrerstreiks gibt es Chaos in der Südpfalz. Nicht nur Schüler aus Landau und dem Kreis SÜW werden im Regen stehengelassen. Auch Busfahrer sind in Nöten und kämpfen für ihre Rechte.

Das Außengelände der Palatina Bus GmbH in Edenkoben wirkt am Dienstagmittag verlassen. Dort ist nur ein Getränkelieferant zu sehen. Von Busfahrern fehlt dagegen jede Spur. Ihre Fahrzeuge stehen fast alle in der Halle. Und das, obwohl es sich um einen Werktag handelt. Es sind nur vereinzelte Linien unterwegs, wie Betriebsleiter Jürgen Heil berichtet – immerhin. Denn noch am Vortag fielen sämtliche Fahrten aus. Ein Teil der Busfahrer folgt nämlich dem landesweiten Streikaufruf der Gewerkschaft Verdi und lässt die Arbeit ruhen. Das Ende ist Stand Dienstagnachmittag unbekannt. „Wir können nicht planen, sondern müssen von Tag zu Tag schauen“, sagt Heil.

Bei der Palatina Bus GmbH sind die Linien 500 bis 510 betroffen, welche unter anderem in der Südpfalz verkehren. „Auch heute war unsere Hofeinfahrt von 4 bis 10 Uhr von streikenden Mitarbeitern und Verdi-Mitgliedern zugestellt, sodass unser Betrieb nicht starten konnte“, berichtet Heil. Die GmbH zählt zwar 45 Busfahrer zu ihrem Team, von denen weniger als die Hälfte streiken. Doch dadurch, dass Personal krankheits- oder urlaubsbedingt sowie wegen Wochenenddiensten an Werktagen fehlt, legen jene 15 Mitarbeiter, die nach Angaben des stellvertretenden Betriebsratsvorsitzenden Dominik Kober derzeit protestieren, den Linienverkehr des Unternehmens weitestgehend lahm.

Stillstand auch an Umstiegsstellen

Auch der Betrieb von anderen Unternehmen, etwa der Queichtal Nahverkehrsgesellschaft (QNV), ist von den Demonstrationen beeinträchtigt. Der für die Südpfalz zuständige QNV-Betriebsleiter Jan Demand teilt mit: „Es streiken nicht unsere, sondern gewerkschaftlich organisierte Fahrer. Sie blockieren unsere Busdepots, auch wichtige Umstiegsorte, beispielsweise Bahnhöfe und neuerdings auch Schulzentren.“ Am Montag hätten deshalb sage und schreibe 17 Fahrzeuge am Bahnhof in Bad Bergzabern fest gestanden.

Leidtragende sind unter anderem Schüler aus der Region. Am Gymnasium im Alfred-Grosser-Schulzentrum in Bad Bergzabern beispielsweise haben sich laut der stellvertretenden Schulleiterin Anne Schwamm Jugendliche am Dienstag vom Unterricht abgemeldet, weil sie keine Fahrmöglichkeit hatten.

Grundschüler kommen verspätet nach Hause

Am Vortag konnte der QNV fünf Grundschulen im Lauf des Tages nicht mehr bedienen, etwa jene in Steinfeld. Die Schüler hätten nicht mehr nach Hause befördert werden können. Laut Schulleiterin Swantje Rimpler ist die Verärgerung bei den Betroffenen groß. Vor allem, weil Kollegium und Kinder vom Busfahrerstreik überrascht wurden. „Wir hatten keinerlei Infos, die Nachricht erhielten wir erst am Dienstagmorgen“, sagt Rimpler. Die Folge sei gewesen, dass zur Mittagszeit auswärtige Mädchen und Jungen vergeblich an der Haltestelle warteten. Dabei pendeln mehr als die Hälfte der 135 Grundschüler laut Rimpler größtenteils mit dem Bus von den benachbarten Gemeinden, etwa Kapsweyer und Schweighofen, nach Steinfeld.

„Wir mussten die Eltern kurzfristig erreichen, damit sie ihre Kinder abholen“, berichtet Rimpler. Am Dienstag habe es dann nur deshalb keine Probleme geben, weil Mütter und Väter Fahrgemeinschaften gebildet hatten, um ihre Sprösslinge in die Grundschule fahren zu können. Auf den Schulbetrieb des Eduard-Spranger-Gymnasiums in Landau dagegen hat der Busfahrerstreik währenddessen keine Auswirkungen, wie Schulleiterin Dagmar Linnert verrät. Nicht nur deshalb, weil die Arbeitsniederlegung angekündigt gewesen sei.

„Um ehrlich zu sein, kümmert uns der Busfahrerstreik aber gerade ziemlich wenig. Wir haben hier gerade ganz andere Probleme“, sagt Linnert im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Kinder und Lehrer müssten regelmäßig getestet werden, der Präsenzunterricht müsste sich nach der langen Zeit im Wechselunterricht erst wieder einpendeln. „Und natürlich treten jetzt auch die psychischen Folgen der Corona-Krise zutage, bei Schülern als auch bei Lehrern. Wir sind eben alle nur Menschen.“

Was Busfahrer fordern

Um auf die Streikaktion zurückzukommen: Was sagen die Busfahrer dazu? Dominik Kober ist einer der Mitarbeiter der Palatina Bus GmbH, die sich aus Protest nicht ans Steuer setzen. Der Südpfälzer ist seit zehn Jahren Busfahrer. Kober, der auch bei Verdi Mitglied ist, möchte für die Kollegen im Land ein Zeichen setzen. Gefordert würden unter anderem höhere Löhne, ebenso mehr Bezahlung für dienstältere Kollegen. Es gebe zudem Busgesellschaften, die die Stand- und Wartezeiten ihrer Fahrer nicht bezahlen würden. Gemeint sind die Phasen, die sie an einer Endhaltestelle verbringen müssen, bevor sie ihre Route nach Fahrplan fortsetzen. „Das muss sich ändern.“

Busfahrer trügen eine große Verantwortung, wenn sie tagtäglich unzählige Menschen zu ihren Wunschzielen befördern. „Sie sollten auch dementsprechend bezahlt werden“, fordert Kober.

Jürgen Heil hat bereits einige Beschwerden von Fahrgästen erhalten. Der Betriebsleiter der Palatina Bus GmbH kann ihren Unmut nachvollziehen, da insbesondere im ländlichen Raum Menschen auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen seien. Nicht nur Schüler, sondern auch Berufspendler und mobil eingeschränkte Menschen. „Die meisten Menschen verstehen jedoch, dass es nicht wir sind, die den Betrieb aussetzen, sondern die Ausnahmesituation von der Gewerkschaft so organisiert wird.“

Bei Palatina Bus in Edenkoben blieben die Busse in der Halle.
Bei Palatina Bus in Edenkoben blieben die Busse in der Halle.
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