Herxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Wie kommt es zu falsch positiven Schnelltests?

Der Selbsttest gehört längst zum Schulalltag, aber immer wieder kommt es dabei auch zum Fehlalarm.
Der Selbsttest gehört längst zum Schulalltag, aber immer wieder kommt es dabei auch zum Fehlalarm.

Am Pamina-Gymnasium in Herxheim sind Corona-Selbsttests wiederholt falsch-positiv ausgefallen – immer bei denselben Kindern. Das ist belastend und lästig, weil viel Zeit bis zur Entwarnung vergeht. Jetzt scheint die Ursache bekannt zu sein.

„Es gab in der Sekundarstufe I des Gymnasiums einen Schüler und eine Schülerin, bei denen die Schnelltests eines bestimmten Herstellers regelmäßig positiv ausfielen. Die folgenden PCR-Tests sind dann jeweils negativ ausgefallen“, bestätigt Simon Lietzmann, Leiter des Pamina-Gymnasiums in Herxheim. Es waren „normale Schnelltests durch die Nase“. Die Tests eines anderen Herstellers, die derzeit eingesetzt werden, zeigen keine falsch-positiven Ergebnisse mehr an. „Insofern hat sich das Problem bei uns erst einmal erledigt.“

Ähnliche Erfahrungen schildern auch andere Schulleiter: Ebenfalls regelmäßig falsch-positiv wurde ein Schüler der IGS Rülzheim getestet, so Schulleiter Jürgen von Randow. „Wir haben uns darüber sehr gewundert.“ Die Behörden hätten die Sachlage geprüft und mit den Eltern einen Weg gefunden. Das Kind wird nun nicht mehr in der Schule getestet. Dagmar Linnert, Schulleiterin des ESG in Landau, berichtet ebenfalls von einem Fall. „Der Schüler ist mittlerweile geimpft, dieses Problem gibt es bei uns nicht mehr.“ Auch an der Grundschule Jockgrim soll ein Kind regelmäßig falsch positiv getestet worden sein, doch bestätigen will dies die Schule nicht.

Klarheit bringt ein PCR-Test

Wie kommt es zu falsch-positiven Ergebnissen? Und woran kann es liegen, dass diese bei bestimmten Menschen ziemlich regelmäßig vorkommen? „Grundsätzlich gilt, dass Coronavirus-Antigenschnelltests nicht so genau sind wie PCR-Tests“, sagt Katharina Friedel vom Verband der Diagnostica-Industrie (VDGH) in Berlin, in dem alle wichtigen Hersteller von Labortests vertreten sind. Es gebe Unterschiede in der Genauigkeit zwischen einzelnen Herstellern, sagt Friedel – selbst wenn die Tests ein CE-Zeichen tragen und die Qualitätskriterien des Robert-Koch-Instituts (RKI) und des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) erfüllen. Wegen der geringeren Genauigkeit – zu unterscheiden sind Sensitivität (ein Infizierter wird als infiziert erkannt) und Spezifität (ein Gesunder, Nichtinfizierter wird als gesund erkannt) – sollte ein positives Schnelltestergebnis durch einen PCR-Test bestätigt werden. Ob das im Privatbereich immer passiert, kann bezweifelt werden. Doch wenn der Test in einer Schulklasse oder einem Testzentrum gemacht wird, muss ein positives Schnelltestergebnis dem Gesundheitsamt gemeldet werden.

„Ein mehrfaches falsch-positives Testergebnis ist selten“, sagt Friedel. Eine mögliche Ursache könne die falsche Handhabung des Schnelltests sein. „Bei Lolli-Tests (Anmerkung der Redaktion: Die Speichelprobe wird beim Lutschen eines Wattestäbchens gewonnen) kann vorheriges Essen, Trinken oder Zähneputzen zu einem falsch-positiven Ergebnis führen“, weiß Friedel. „Außerdem können Kreuzreaktionen mit Staphylococcus aureus falsch-positive Tests verursachen. In der Literatur gibt es Hinweise, dass manche Tests daraufhin falsch-positiv sind.“

Ein Bakterium ist schuld

Staphylococcus aureus ist ein weit verbreiteter Keim: Laut dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) besiedelt er „viele Menschen, ohne dass diese etwas davon merken. Er ist häufig in der Nase zu finden.“ Auf der Homepage des RKI heißt es: „Für Staphylococcus aureus als Infektionserreger ist der Mensch das Hauptreservoir, aber auch Tiere können betroffen sein. Beim Menschen ist bevorzugt der Nasen-Rachen-Raum besiedelt.“ Laut RKI tragen 15 bis 40 Prozent der Erwachsenen das Bakterium im Nasen-Rachenraum, ohne etwas davon zu merken. Völlig harmlos ist das kugelförmige Bakterium dennoch nicht, dessen Namen sinngemäß mit „goldene Weintraube“ übersetzt werden kann, weil es in Haufen vorkommt und meist gelb-orange gefärbt ist: Es kann bei einem geschwächten Immunsystem Entzündungen der Haut, der Lunge oder des Herzmuskels oder eine Blutvergiftung auslösen.

Das Problem daran ist, dass dieses Bakterium sowohl falsch-positive als auch falsch-negative Testergebnisse zur Folge haben kann. Das bestätigt eine Sprecherin des Paul-Ehrlich-Instituts in Langen auf Anfrage der RHEINPFALZ. Falsch-negativ ist insofern schlecht, als sich der Getestete in falscher Sicherheit wiegen und andere mit Corona anstecken kann. Aber natürlich sei auch ein falsch-positives Ergebnis für die Betroffenen „sehr unangenehm und belastend“. Da aber jedes positive Ergebnis eines Antigen-Schnelltests mit einem PCR-Test überprüft werden muss, „werden falsch-positive Tests spätestens dann erkannt“.

Fehlalarm auch durch andere Coronaviren

Falsch-positive Tests sind laut Paul-Ehrlich-Institut vorstellbar durch Kreuzreaktion mit anderen Coronaviren (Erkältungsviren), sofern die Spezifität des Tests nur niedrig ist. Von diesen Coronaviren gibt es etliche, darunter auch das Mers-Coronavirus, das 2012 erstmals auf der Arabischen Halbinsel nachgewiesen wurde und schwere, oft tödlich verlaufende Lungenerkrankungen auslösen kann. Aber: „Mit dem Testprinzip interferieren kann außerdem das Protein A-positive Staphylococcus aureus bei Nasenabstrichen.“ Das Paul-Ehrlich-Institut bestätigt also, dass der häufige Keim eine Ursache für falsche Corona-Testergebnisse sein kann.

Der Virologe Oliver Keppler unterstreicht auf Nachfrage: „Mit dem Testprinzip interferieren“ könne in beide Richtungen gehen: falsch-positiv oder falsch-negativ. Keppler ist Lehrstuhlinhaber für Virologie und Vorstand des Max-von-Pettenkofer-Instituts München. Sowohl Staphylococcus aureus als auch die banalen, saisonalen Coronaviren könnten zu falsch-positiven Ergebnissen führen. „Der Mensch hat also keine SARS-CoV-2-Infektion, obgleich der Test das anzeigt.“

Manchmal ist es auch nur die Cola

Zu den Gründen habe die Ludwig-Maximilians-Universität München aber keine eigenen Untersuchungen durchgeführt, sagt Keppler. Aber er bestätigt, dass „insbesondere Kreuzreaktionen mit Protein A-positive Staphylococcus aureus in der Literatur beschrieben“ sind. Auch Nahrungsmittel könnten eventuell Testergebnisse verfälschen, wenn sie kurz vor einem Test konsumiert werden. Dazu gehöre unter anderem Cola und Apfelmus. Dazu gebe es zwar etliche Berichte, doch „das hat nichts mit exakt geprüfter Wissenschaft zu tun“, so Keppler.

„Die Tatsache, dass es zu Kreuzreaktionen beim Antigen-Test kommen kann, ist prinzipiell bekannt“, sagt Pressesprecherin Anna Bendel vom Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung (LSJV). Konkrete Klagen über eine Häufung von Fällen seien dem Landesamt aber nicht bekannt. „Die Hersteller müssen aus diesem Grund in der Packungsbeilage auch immer über Kreuzreaktivitäten und deren Grenzwerte informieren“, sagt Bendel. In der Packungsbeilage könne man nachlesen, ob Staphylococcus aureus ein Problem darstellen kann und falls ja, bis zu welchem Grenzwert seine Anwesenheit unproblematisch ist. Im Zweifelsfall könne es sinnvoll sein, den Antigentest zu wechseln.

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