Landau
Warum müssen Landauer bei 30 Grad schon ins Hallenbad?
Die Leute schimpfen: Bestes Wetter, aber in Landau ist das Freibad im Prießnitzweg mal wieder zu. Pünktlich nach der Festlegung auf dem Papier war am Sonntag, 3. September, der letzte Badetag. Nur die Hunde dürfen in Landau noch einmal ins Wasser springen, am kommenden Sonntag von 10 bis 15 Uhr. Tickets zu vier Euro je Vierbeiner gibt es nur an der Schwimmbad-Kasse.
Schaut man ins Umland, könnte man neidisch werden. In vielen Freibädern ist noch Betrieb. Das hat auch Michael Kestel aus Siebeldingen registriert. Der 63-Jährige ist passionierter Frühschwimmer und nun einer derer, die sich darüber ärgern, dass die Stadtholding als Betreiber des Freibads in Landau so unflexibel ist. In seiner Not zieht er seine Bahnen jetzt im La Ola. „In Landau blieb man eisern bei dem letzten Öffnungstag 3. September“, schreibt Kestel der Redaktion. „Es scheint so, dass man sich hier für die Wetterprognosen nicht interessiert oder es fehlt schlichtweg der Wille zur Flexibilität.“
Fachkräftemangel zu spüren
Ist das so? Wir haben bei der Stadt nachgefragt. Die Pressestelle begründet die pünktliche Schließung mit dem Beginn des neuen Schuljahres. Denn seit Montag kommen die Schulen wieder zum Schwimmunterricht ins La Ola, das deshalb nach mehrwöchiger Schließung am Samstag wieder geöffnet habe. „Die personelle Besetzung beider Bäder ist uns nicht möglich. Auch wir spüren den Fachkräftemangel stark und sind froh, dass wir unsere Badezeiten die ganze Freibadsaison aufrechterhalten konnten, was leider in der heutigen Zeit nicht mehr selbstverständlich ist“, teilt die Pressestelle mit.
Flexibilität hat die Stadtholding durchaus schon bewiesen, nämlich beispielsweise im Juli 2013. Wegen der großen Nachfrage und der anhaltenden Hitze wurde damals das Freibad an einigen Tagen erst um 21 Uhr geschlossen, also eine Stunde später als gewöhnlich. Allerdings geht es auch anders herum. 13 Grad und Nieselregen: Bereits zu Beginn der Saison 2013 war das Bad am 21. Mai kurzfristig geschlossen worden.
Schwimmen bei jeder Witterung
Der damalige Bürgermeister und Geschäftsführer der Stadtholding, Thomas Hirsch, hatte dies mit den täglichen Betriebskosten von 1000 Euro begründet. Es sei unsinnig, so viel Geld auszugeben, wenn kein Mensch in der Kälte schwimmen wolle. Dauerkartenbesitzer könnten laut einer seit Jahren praktizierten Regel das überdachte La Ola nutzen. Geöffnet werden sollte das Freibad erst wieder, wenn die „Langzeit-Prognose“ der Wetterfrösche frühlingshafte Temperaturen verhießen. Das brachte die Schwimmer auf die Palme, denn sie springen unabhängig von Sonnenschein und hochsommerlichen Temperaturen gerne ins Becken. Weiteres Beispiel: In der Saison 2014 war der Badespaß bereits eine Woche vor dem Ende der Sommerferien und damit früher als geplant vorbei – wegen der kühlen Witterung und dem entsprechend hohen Energiebedarf.
Es ist nicht das erste Mal, dass Kritik an der im Vergleich zu anderen Bädern in der Regionen kürzeren Freibad-Saison in Landau aufkommt. Der Energieaufwand ist dabei eines der Argumente. Bekanntlich decken die Offenbacher ihr Schwimmerbecken nachts mit einer Plane ab und sparen so an Energie fürs Heizen. Angesichts der vorzeitigen Badschließung 2014 hatte sich Hirsch dazu öffentlich geäußert. Für Landau sei das geprüft worden, sagte er damals, rechne sich aber nicht. Leicht anzubringen seien die aufrollbaren Abdeckungen nur an rechteckigen Becken; jede Abweichung von der Idealform erhöhe den Aufwand – so auch am Prießnitzweg. Die Kosten lagen damals bei 50 bis 150 Euro pro Quadratmeter Beckenfläche, für drei Becken also zwischen 58.000 und 170.000 Euro. Gespart werden könnte allenfalls an der Zusatzheizung bei kühler Witterung, aber dann würde sich die Folie nicht ausreichend schnell amortisieren, argumentierte der damalige Geschäftsführer.
Ausgaben gedeckelt
Sein Hauptargument war jedoch ein anderes: ein Stadtratsbeschluss, wonach der Badebetrieb am Prießnitzweg mit jährlich maximal 300.000 Euro subventioniert werden darf. Diese Vorgabe gilt noch heute. Sie stammt aus der Zeit, als der Neubau des Bades auf der Kippe stand, einen Inflationsausgleich gibt es nicht.
Die Landauer müssen die Kröte schlucken, ins La Ola oder die umliegenden Freibäder ausweichen. Die Offenbacher wollen das Ende der Saison kurzfristig festlegen und vom Wetter abhängig machen. In Edesheim ist am Samstag Schluss, in Steinfeld, Bad Bergzabern und Maikammer am Sonntag. In Herxheim geht der Betrieb bis 16. September und in Annweiler gar bis 30. September.
Unser Leser Michael Kestel bemerkt süffisant: „Wenigstens die Hunde kommen in Landau in den Genuss der Erfrischung, am Hundebadetag am Ende dieser Woche bei sommerlichen Temperaturen.“ Das erinnere ihn irgendwie an eine Comic-Illustration und lasse ihn angesichts der fehlenden Flexibilität der Verantwortlichen dennoch lächeln, schreibt er und wünscht allen eine schöne spätsommerliche Woche.
Durchschnittliches Jahr
Bleibt der Hinweis auf die Besucherzahlen. 57.600 Besucher. „Ein vergleichsweise durchschnittliches Jahr“, lautet die Einschätzung der Stadtholding als Betreiber. Mit Beginn der Sommerferien sei leider das Wetter schlechter geworden, heißt es in der Mitteilung der Pressestelle. Es regnete drei Wochen lang gefühlt täglich. Das machte sich bei den Besucherzahlen bemerkbar. Ansonsten habe die Stadt keine besonderen Vorkommnisse zu berichten, bemerkt Sandra Diehl angesichts von Berichten über Ausschreitungen in anderen Bädern.
Allerdings: Familien mussten die komplette Saison ohne das Kinderbecken auskommen. 15 Jahre nach der Generalsanierung hatten sich Fliesen gehoben, Wasser sei darunter eingesickert und habe sie bei Frost abgesprengt. Punktuelle Reparaturen waren nicht möglich. Das Becken muss komplett neu gefliest werden, was wegen Materialmangels nicht innerhalb der Saison möglich war. Paolo Cilona, Inhaber des Fliesenhauses Dieter Glauser aus Landau, hatte der RHEINPFALZ im Sommer erzählt, wie schwierig es sei, die Fliesen zu bekommen, die ursprünglich aus der Ukraine gekommen seien. Die Firma hatte alles vorbereitet, die alten Fliesen abgeschlagen, das Becken gefräst, grundiert, abgesandet und abgesaugt. Im Frühjahr 2024 sollen dort auch die Kleinen wieder auf ihre Kosten kommen, heißt es im Rathaus.