Landau
Warum ein Tierethik-Vortrag verschoben wurde
„Darf man Tiere essen?“ und „Niemals vergessen“ reimt sich, die Titel gehen aber keine glückliche Verbindung ein. Es sind zwei Veranstaltungen, die für Donnerstagabend in Landau angekündigt waren. Während der erste Termin gesetzt ist im Kalender der Stadt, haben beim zweiten gleich mehrere hochkarätige Unterstützer wenig Fingerspitzengefühl bewiesen, meint der Architekt und Kunsterzieher Christoph Rothschuh aus Neustadt: die Landeszentrale für politische Bildung, die Heinrich-Böll-Stiftung, das Frank-Loeb-Institut der Uni, die Studierendengruppe Landauer Politikforum sowie die Evangelische Akademie.
Mit „Niemals vergessen“ ist die Gedenkveranstaltung der Stadt am Jahrestag der Pogrome (um 17 Uhr am Synagogenmahnmal) überschrieben. Beim Tierthema geht es um die Frage, ob Fleischkonsum oder nur eine vegetarische Ernährung vertretbar ist. Rothschuh hält es für ein Unding, das der Ethik-Vortrag auf den „Abend des 9. November, fast zeitgleich mit der Gedenkveranstaltung der Stadt Landau“ terminiert worden war. Da habe es offenbar am politischen Gespür oder historischen Bewusstsein gemangelt, was als „Geringschätzung des Gedenkens an das Pogrom von 1938“ angesehen werden könnte. Das hält der Neustadter gerade jetzt für problematisch, wo „Juden in Israel und in aller Welt mit dem fürchterlichen Pogrom vom 7. Oktober eine neuerliche Retraumatisierung nach den Schrecken der Shoah durchleben müssen“ und wo der Antisemitismus und rechtsradikale Kräfte erstarkten.
Studierende werben für Gedenken
Vermutlich ist der Vortrag von Ursula Wolf, Professorin für Philosophie an der Uni Mannheim und laut „Taz“ Deutschlands profilierteste Tierethikerin, lange vor den Ereignissen in Israel terminiert worden. Er hatte den Auftakt bilden sollen zu einer Veranstaltungsreihe „Mensch, Tier, Politik: Auf dem Weg zu einer gerechteren und nachhaltigeren Welt“, was kein beliebiges Thema ist. Mit Sicherheit wird es am Donnerstagabend zudem etliche weitere Veranstaltungen in der Südpfalz geben, die ihr Publikum finden werden. Dennoch: Rothschuh hatte mit seinem breit gestreuten Offenen Brief Erfolg.
Die Evangelische Akademie hat sich „für die fehlende Sensibilität bei der Terminierung“ entschuldigt. Das hat auch das Landauer Politikforum sofort eingeräumt. Es will über seine Kanäle dafür werben, dass möglichst viele Menschen die Gedenkfeier zur Reichspogromnacht besuchen. Es hat Wolf nun für Montag, 13. November, 18 Uhr, in den Festsaal der Uni in der Bürgerstraße 23 eingeladen.
Schlecht beraten
Das Frank-Loeb-Institut betont, in die Planung „nicht direkt eingebunden“ gewesen zu sein, „sondern (...) die planenden Studierenden lediglich beratend“ unterstützt zu haben. Da war dann möglicherweise die Beratung nicht so loebenswert. Aber egal: Der Hinweis aus Neustadt war berechtigt, und die Studierenden haben schnell und richtig reagiert. Kein Anlass also für einen Abgesang auf historisches Bewusstsein und fehlenden Instinkt.