Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Unterwegs im Bus für Frühaufsteher

Ein Bus der Linie 540 im Gewerbegebiet Mörlheim.
Ein Bus der Linie 540 im Gewerbegebiet Mörlheim.

Seit Dezember gibt es den neuen Landau-Takt. Was bringt er für Berufstätige? Um das zu erfahren, ist die RHEINPFALZ Bus gefahren. Fazit: Das Gewerbegebiet ist besser angebunden, aber es gibt noch einige Ansätze für Verbesserungen.

Das erste Problem wird schon bei der Vorbereitung der Recherche offenbar: Wie kommt der Autor morgens um halb fünf mit dem Bus an den Hauptbahnhof, um dort den Bus 534 zu erreichen, der die großen Unternehmen im Osten der Stadt, im Gewerbegebiet Mörlheim, anfährt? Im Landau-Takt gibt es nur die Buslinie 532, die von Mörzheim kommend kurz vor halb sechs am Zentralen Busbahnhof ankommt. Aus dem Landkreis gibt es die Buslinien 520 aus Ranschbach und 552 aus Bellheim und Offenbach. Bus 541 von Weißenburg kommt um 5.10 Uhr an. Das ist für Menschen, deren Schicht um sechs Uhr beginnt, deutlich zu früh.

Beschäftigte der großen Unternehmen im Osten der Stadt, die im Landkreis wohnen, können den Bus 532 morgens nicht erreichen, weil der Umstieg vom Kreis-Bus zum Stadt-Bus noch nicht harmonisiert sei. Das hat Stefan Grewenig, Sachgebietsleiter Mobilität in der Stadtverwaltung, eingeräumt. Die Abfahrtszeit des ersten Busses orientiere sich an den Ankünften der Züge aus Neustadt. Grewenig vermutet, dass der erste Bus vermutlich noch leer sein wird.

Der Autor entscheidet sich, trotz Minusgraden zum Bahnhof zu radeln. Bei der Ankunft fährt gerade der erste Zug aus Neustadt im Bahnhof ein und spuckt knapp zwanzig Fahrgäste aus. Mehr als die Hälfte verlässt den Bahnhof zu Fuß in Richtung Queichheim, die anderen zerstreuen sich Richtung Stadtmitte. Zum Bus 534, der bereits am Bussteig 9 wartet, geht keiner. Im Bus sitzen dennoch acht Passagiere, als die Fahrt ins Gewerbegebiet beginnt. Daniel Kielburg nutzt ihn seit längerem, um zu Michelin zu fahren. Eigentlich seien sie zu Dritt, aber seine Kollegen haben einen freien Tag. Es fahren immer wieder Micheliner mit, die mit festen Schichten im Lager des Reifenherstellers arbeiten. „Das kann man nicht online von zuhause machen“, sagt Kielburg lachend.

Er kauft sich täglich eine Fahrkarte. Die Monatskarte sei ihm zu teuer, denn bei warmem Wetter fahre er lieber mit dem Rad. Doch sobald das 49-Euro-Ticket kommt, werde er es kaufen. Er wünscht sich, dass sein Arbeitgeber ihm dies als Jobtickets anbietet.

Nach Auskunft des rheinland-pfälzischen Klimaschutz-Ministeriums werden Land und Bund das Ticket mit 2,45 Euro bezuschussen, wenn der Arbeitgeber mindestens 25 Prozent der Kosten, also 12,25 Euro übernimmt. Während Michelin die Frage nach Einführung des Jobtickets unbeantwortet lässt, berichten Stadt- und Kreisverwaltung, dass das Job-Ticket zunehmend stärker genutzt werde. Einige Unternehmen wie die Brandenburger Firmengruppe prüfen, ob die Finanzierung eines solchen Tickets ein Baustein zur Lösung des Fachkräftemangels sein kann.

Mittlerweile sind an den Haltestellen Linden- und Eichenstraße zwei Personen in den Bus eingestiegen. Ein Mann berichtet, dass er den Bus täglich nutze, um zum Alufelgen-Hersteller Ronal zu fahren. Der Bus fährt durch bis zur Haltestelle „Zum Hötzel“ und hält direkt vor dem Eingang von Michelin. Hier steigen alle Fahrgäste aus, fünf steigen ein. Im neuen Gewerbegebiet gibt’s keine weiteren Passagiere, so kommt der Bus zwei Minuten zu früh wieder am Hauptbahnhof an. Dort warten schon sechs neue Fahrgäste.

Der Busfahrer zögert, ob er sie einsteigen lassen soll. Er hat jetzt fünf Minuten Pause, erklärt er, lässt dann aber die Wartenden einsteigen. Sie frieren und tun ihm leid. Per Google-Translater berichtet der Fahrer, dass er aus Peru komme, seit 13 Jahre Bus fahre, seit zwei Jahren in Landau. Er bestätigt, dass auch bei der ersten Tour schon zehn Fahrgäste und mehr mitfahren würden. Er hat den Eindruck, dass inzwischen mehr Menschen seinen Bus nutzen.

Pünktlich um 5.32 Uhr startet der Bus zur zweiten Runde. Fines Karhar, ein junger Mann, ist noch rasch mit seinem Fahrrad zugestiegen. Er arbeitet bei der Rose-Druck GmbH. Zuerst fährt er mit dem Rad zum Bahnhof, dann mit dem Bus und am Ende nochmals fünf Minuten ab der Haltestelle Wertstoffhof zum Arbeitsplatz. Er findet den Bus gut, denn früher sei der nur jede Stunde gefahren.

An der Lindenstraße steigt eine Frau zu, die sich gleich in ihren Sitz verkriecht, um weiterzuschlafen. Dieses Mal steigen zwei Männer bei Hornbach aus. Das Unternehmen wolle für eine stärkere Nutzung des Busses werben, hatte der städtische Nahverkehrsbeauftragte Grewenig berichtet. Andere von der RHEINPFALZ befragte Unternehmen hatten zuvor erklärt, nicht an den Planungen des Landau-Taktes beteiligt worden zu sein.

Die Firmen seien, so berichtete es beispielsweise Peter Schwab aus der Geschäftsführung der Brandenburger Firmengruppe, mit einem Schreiben im Frühjahr 2020 nach Anzahl der Beschäftigten, Schichtbeginn und -ende und anderem befragt worden. Sie seien aber dann nicht weiter in die Planung eingebunden gewesen. Grundsätzlich finde er die Neuerungen gut, aber es fehle die enge Verzahnung mit dem Landkreis und den Unternehmen.

Auch die Kreisverwaltung Südliche Weinstraße kritisiert, dass ihre Anliegen als Arbeitgeber nicht berücksichtig worden seien. So fahre Bus 535 nicht mehr über die Kreisverwaltung in die Stadt, sondern biege direkt von der Ziegelhütte in die Annweilerstraße Richtung Stadt ein. Die bequeme Verbindung von und zur Stadt, die erst vor gut einem Jahr auf Bitten des Kreises eingeführt worden war, sei damit aufgegeben worden.

An der Haltestelle „Wertstoffhof“, die besser „APL“ heißen müsste, steigt Karhar mit seinem Fahrrad aus. Es ist Viertel vor sechs, an der Einfahrt zum APL-Parkhaus gibt es einen kleinen Stau, auf dem Gehweg streben viele Menschen zu den Fabrikgebäuden.

Vier Männer steigen bei Michelin aus, fünf steigen zu. Wieder geht es ohne Halt durch das Queichheimer Gewerbegebiet. Pünktlich erreicht Bus 534 den Bahnhof. Die Wartenden weist der Busfahrer ab. Aus dem Bus 534 wird jetzt der Bus 537, der eine andere Linie bedient.

Wenige Minuten später, es ist 6.01 Uhr, kommt der neue Bus 534. Er ist sehr kalt. Sechs Fahrgäste steigen zu; einer, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, schimpft über die Kälte im Bus und berichtet, dass sie häufig auf diesen Bus warten müssten. „Er ist mindestens dreimal in der Woche zehn Minuten zu spät“, sagt der Mann, der morgens mit dem Zug aus Annweiler kommt. Er verdiene nicht genug, um sich ein Auto zu leisten. Dass der Bus jetzt in Stoßzeiten halbstündlich fährt, findet er gut. Er verstehe aber nicht, warum der erste Bus, der eigentlich immer pünktlich sei, plötzlich eine andere Linie bedient und der zweite Bus häufig zu spät kommt: „Das muss sich ändern.“

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