Landau Ponykarussell in Landau:
(...) Wie kann man behaupten, weil es etwas schon immer gab, ist es richtig?! Es gab auch Sklaverei von Dunkelhäutigen, es gab die Verfolgung wegen Religionszugehörigkeiten. (...) Wie kann man Tierschützern vorwerfe, billige Fleischwaren zu konsumieren, das ist völliger Quatsch und auf dem Niveau, wie „Auch Salat spürt Schmerzen, wenn du den isst“. Wenn es Missstände in Reitställen gibt, von denen man weiß, muss man die aufklären und nicht noch sagen, das Ponykarussell ist das geringere Übel. In unserer heutigen Zeit darf es keine Quälerei mehr auf Kosten anderer Lebewesen geben! (...) Als Abschluss möchte ich noch klarstellen, „Schüler für Tiere“ hat uns niemals bedrängt, beleidigt oder dergleichen, als wir an dem tollen Infostand vorbei kamen. (...) Ich bin sowas von wütend über solche Behauptungen, denn artgerecht ist nur die Freiheit! (...) Das Tierschutzgesetz ist als Maßstab, ob die Behandlung tierquälerisch ist, ungeeignet, da trotz der bestehenden gesetzlichen Richtlinien Schnabelkürzen, Schwänzchen abschneiden, Hörner kürzen und andere Maßnahmen der Massentierhaltung gedeckt sind, da die Interessen der Mastbetriebe höherwertiger angesehen werden als das Recht der Tiere auf körperliche Unversehrtheit. Die Begutachtung der Tiere bei Ankunft durch den Amtstierarzt dokumentiert hierbei allenfalls sehr offensichtliche Verletzungen oder Wunden. Immer mehr Amtstierärzte, Tierärzte und Experten sprechen sich gegen die monotonen Ponykarussells aus. Amtstierärztin Sabine Beckmann vom Kreisveterinäramt Gütersloh sagte 2010 in einem Interview: „Die derzeitige Praxis, die Ponys stundenlang in dieselbe Richtung trotten zu lassen, ist als absolut verhaltenswidrig einzustufen. Die Tiere leiden physisch und psychisch.“ (...) Der österreichische Tierarzt Hans Christ warnt ebenfalls vor den gesundheitsschädlichen Auswirkungen von Ponykarussells: „(...) Die Stereotypie des Tätigkeitsmusters und die damit verbundene Reizarmut stellt für die Tiere eine zusätzliche psychische Belastung dar!“ Der renommierte Hippologe Ingolf Bender (Wicklow, Irland) (...) bezeichnet die typischen Pony-Karussells, meist auf Rummelplätzen, als „unkultiviertes Kommerzangebot, weil dabei Pferde in vielen Fällen teils tierschutzwidrig gezäumt, teils von reitungeübten Kindern durchweg zwar unabsichtlich, aber unabwendbar, unreiterlich traktiert und zudem unter anderem nicht artgerecht bewegt werden. Durch Art und Umfang eines typischen Pony-Karussellbetriebs sind psychische und physische Leiden der Vierbeiner unvermeidbar. Wegen des sich daraus ergebenden dringenden Verdachts der Tierschutzwidrigkeit sollte der typische Pony-Karussellbetrieb explizit gesetzlich verboten und veterinärbehördlich durch entsprechende Ordnungsverfügungen untersagt werden.“ Ein „OK“ vom Veterinäramt schützt die Ponys nicht vor Leid, denn die Bewertungsgrundlage sind die völlig unzureichenden „Leitlinien für die Haltung, Ausbildung und Nutzung von Tieren in Zirkusbetrieben oder ähnlichen Einrichtungen“ des Bundeslandwirtschaftsministeriums aus dem Jahr 2001. (...) Den Veterinärbehörden ist es auch gar nicht möglich, die Pausenzeiten für die Ponys zu überprüfen, weil dies die Anwesenheit eines Amtstierarztes von mindestens vier Stunden voraussetzen würde. Kein Veterinäramt hat Kapazität, um solche zeitaufwendigen Kontrollen zu leisten. (...) Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz ist ein Zusammenschluss von praktizierenden Tierärzten und Amtstierärzten in Deutschland. Sie beleuchtet in ihrem Positionspapier einen weiteren kritischen Aspekt bei der Nutzung von Ponys in „Ponykarussells“: „Hervorgehoben werden muss zudem, dass den Kindern durch das stupide Im-Kreis-Laufen der Ponys ein Bild vom Pferd vermittelt wird, das aus der Sicht des ethischen Tierschutzes heute nicht mehr zeitgemäß ist.“ Auch die Bevölkerung lehnt Ponykarussells mit deutlicher Mehrheit ab: Eine repräsentative Umfrage ergab im August 2015, dass rund zwei Drittel der Deutschen die Nutzung von Ponys in Karussells als nicht tiergerecht empfinden. Nur 13 Prozent glauben hingegen, die Ansprüche der Tiere würden ausreichend erfüllt. Lediglich 19 Prozent aller Befragten sind der Ansicht, dass Ponykarussells weiterhin auf Jahr- und Weihnachtsmärkten zugelassen werden sollten, während sich rund 59 Prozent für ein Verbot aussprechen. (...) Mein Tipp an die Verantwortlichen des Vereins „Schüler für Tiere“: Kaufen Sie sich und den Kindern geeignete Gummistiefel und sprechen Sie da, wo Tiere keine eigene Stimme haben! Dort, wo billig freigekaufte Schlachtpferde zum Teil unterstützt von öffentlichen Vereinen in Reitbetrieben kommerziell ausgebeutet werden. Wo Pferde 23 Stunden täglich sieben Tage die Woche ihr Dasein in Boxen fristen und weder Artgenossen noch Freiheit kennen. Oder wo vermeintliche Tierfreunde gut gemeinte Offenstallhaltung betreiben und ihre Tiere im ungemütlichen Winter schlichtweg vergessen, frei nach dem Motto „im Sommer ist gut Pferde sammeln, im Winter lässt man sie vergammeln“. Liebe Verantwortliche, Kinder müssen auch lernen, dass man sich irren darf und Fehler eingestehen muss. Rudern Sie zurück und schreiten Sie dort zur Tat, wo Handlungsbedarf besteht. Diese Tiere werden es Ihnen danken! Neutral betrachtet, müsste man den zwei Herren einen Tritt in den Hintern verpassen! „Damit diese angeblichen Tierschützer Ihre Eier, Milch und Fleisch, auch in Form von Döner oder Hamburgern, billig essen können“ ist falsch, denn ich und meine Frau leben vegan. (...) Ergo konsumieren wir kein Billigfleisch. (...) Mir ist sehr bewusst, dass es „Schlimmeres“ gibt. Aber ich opfere an vier Wochenenden meine Freizeit, um auf das Leid der Ponys auf der Kerwe hinzuweisen. An den anderen Wochenenden informiere ich gegen Tierquälerei auf zum Beispiel Reiterhöfen, in der Massentierhaltung, gegen das Kükenschreddern, gegen Wildtiere in Zirkussen und so weiter. Also mache ich (wir) dann was gegen das Schlimmere! (...) Und unterlassen Sie bitte die Unterstellung, wir würden „Schutzbefohlene instrumentalisieren“, dies ist eine totale Lüge. Wir klären auf, egal ob jung oder alt. Jeder darf seine eigene Meinung haben, und die akzeptieren und respektieren wir. „Regelrecht beschimpft werden Besucher…“, wenn wir dürften, würde ich gerne mal aufzeichnen, was uns die ach so lieben Besucher an den Kopf werfen. (...) Natürlich wurden die Tiere über Jahrhunderte in der Land- und Forstwirtschaft verwendet. Aber wir leben im 21. Jahrhundert und nicht mehr im 18. Also gibt es den Bedarf so nicht mehr. (...) Die Kinder bei „Schüler für Tiere“ werden sicher keiner Gehirnwäsche unterzogen und auch nicht instrumentalisiert. Die Mitgliedschaft ist freiwillig, von den Erziehungsberechtigten zu genehmigen und jederzeit kündbar. Die Kinder (und Erwachsenen) werden zu nichts gezwungen, es ist ja keine Sekte, sondern ein Verein... Vielmehr werden die Mitglieder aufgeklärt, woher die Lebensmittel kommen, wie sie produziert werden, welche Folgen und Auswirkungen das über das Tierleid hinaus noch hat. (...) Dass auch bei Bio-Eiern oft die männlichen Küken überflüssig sind, wenn es sich nicht um einen Betrieb mit Zweinutzungsrassen handelt. Dass die Milch nicht aus einer Quelle sprudelt und das Fleisch nicht in einer Fabrik aus anderen Zutaten produziert wird. Dass es für sehr viele tierische Lebensmittel pflanzliche Alternativen gibt. (...) Beiden Verfassern der Leserbriefe ist das Wohl der Betreiberfamilie sehr wichtig, da sie darauf hinweisen, dass diese vom Ponykarussell lebt. Einer scheint selbst Schausteller auf demselben Markt zu sein. - Da kann dann auch ein Kollege eines Massenbetriebbesitzers schreiben, dass der arme Besitzer der Massentierhaltung ja davon lebt. (...)