Landau Noch nicht ganz altes Eisen

Auf drei Beinen steht es sich offensichtlich recht gut: Die Resonanz auf unseren Aufruf „Gibt es das noch?“ zum Thema „Dreifuß?“ war ordentlich: Rund 20 Leser haben sich bei uns gemeldet und uns geschrieben, dass sie noch so ein Schuhmachereisen besitzen – das aber bei den Wenigsten noch in Gebrauch ist. Zumeist ist der Dreifuß heutzutage ein Stück fürs Kellerregal geworden, das ganz hinten an der Wand steht. Aber die Geschichten drumherum sind noch sehr lebendig, wie die Rückmeldungen belegen. Ungewöhnlich ist die Zweitverwertung von Dreifüßen bei Thomas Stahlschmitt, der in Edenkoben eine Karosseriebau-Werkstatt hat: Er benutzt die Dreibeine „für die Blechbearbeitung bei Oldtimer-Restaurationen.“ Norbert Lepper aus Klingenmünster besitzt nicht nur einen Dreifuß. In seinem Keller stehen gleich mehrere davon und nicht nur das: Eine komplette Schuhmacherwerkstatt zeugt noch immer von einem Handwerk, das heute fast nicht mehr zu finden ist. Der gelernte Schuhmacher mit Gesellen- und Meisterbrief (1963/64) hat die gesamte Reparaturwerkstatt von seinem Vater Jakob Lepper übernommen – allerdings sind die meisten Handwerksgeräte längst eingestaubt: Stepp- und Ausputzmaschinen, Lederpressen, Poliermaschinen, Fadenröllchen in allen Farben zum Nähen, vorgeschnittene Sohlen und Absatzflecken, an Wandbretter geordnet – Ahlen, Zwickzangen, Hammer, Leisten sowie Lederabfallstücke. „Mitte des vorigen Jahrhunderts, im Zeitraum meiner Ausbildung, gab es in Klingenmünster gleich mehrere Schuhmachereien“, erzählt Norbert Lepper. Damals seien die Schuhe lange getragen und manchmal mehrmals besohlt worden. „Meine Eltern betrieben eine Reparaturwerkstatt und gleichzeitig ein Schuhgeschäft in der Weinstraße. Nach dem Tod meines Vaters führte meine Mutter das Geschäft bis 1989 weiter“, erinnert sich Lepper. Die Werkstatt habe er sich dann im eigenen Keller eingepasst und anfänglich auch noch öfter für die Familie und Bekannte Schuhe repariert, berichtet Lepper. Heute repariert der 79-Jährige nur noch selten Schuhe – und dann auch nur zum Eigenbedarf, obwohl der Schuhmachermeister selbst 29 Jahre in der Schuhfabrik „Der kleine Muck“ in Billigheim als Zwickmeister beschäftigt war. Ähnliches berichtet Fritz Schaurer aus Rohrbach: „Der Dreifuß gehörte in unserer Familie zum festen Bestandteil. Mein Vater hat oft lose Schuhsohlen mit Holznägeln wieder verfestigt.“ Schaurer verweist in diesem Zusammenhang auf das Rohrbacher Heimatmuseum „Pfiesterhaus“, in dem eine komplette Schusterwerkstatt eingerichtet ist. Zu finden ist das Museum in der Hintergasse 41 in Rohrbach. Martina Gehrig aus Heuchel-Klingen schreibt, dass ihre Mutter noch im Besitz eines Dreifußes ist, der ihrem Mann Manfred gehörte und davor dessen Vater. Ob das Werkzeug noch benutzt wurde, weiß Martina Gehring jedoch nicht. Benutzt wurde der Dreifuß dagegen noch in der Familie von Fred Leistner aus Hochstadt: „Er wurde in den Nachkriegsjahren zur Schuhreparatur von uns Kindern verwendet.“ Übrigens: Fred Leistner verschenkt seinen Dreifuß an Interessierte. Bei Horst Rottmayer aus Landau steht der Dreifuß als „Dekorationsstück“ im Esszimmer im Regal. Sein Schwiegervater hat das Eisen benutzt „zum Einschlagen der Metallnägel in die Schuhsohlen“, damit sie sich nicht so schnell abnutzten. So entstanden die so genannten „Genagelten“. Irmgard Terres aus Bad Bergzabern schreibt: „In meiner Familie gibt es noch den Dreifuß meines Großvaters. Dieser wurde auf der Flucht aus dem Schlesien mitgenommen. Mein Opa hat unsere große Familie mit dem Dreifuß über Wasser gehalten.“ Mathilde Puth aus Knöringen kann sich erinnern, dass der Dreifuß in ihrer Familie im Zweiten Weltkrieg und danach häufig zum Einsatz kam. Später nur noch „hie und da“, um ein Stück Gummi festzunageln. Heinz Drobionka aus Barbelroth kann sich erinnern, dass sein Vater, der einen Dreifuß 1925 erworben hat, „uns immer wieder unsere alten Schuhe besohlte. In den 60er-Jahren habe ich selbst dann den Dreifuß benutzt, um mir und meinen Kumpels Eisen auf die Absätze zu nageln.“ Sigrid Würtz aus Albersweiler schreibt, dass ihr Vater Hans Müller von 1949 bis 1969 in einer Schuhfabrik in Hauenstein gearbeitet hat und bis heute einen Dreifuß besitzt, mit dem er immer noch Schuhe repariert. Einen ganz besonderen Dreifuß hat Rudolf Wild aus Annweiler: Einer der Schenkel ist besonders lang und diente dazu, Stiefel zu reparieren. Er hat das Stück beim Aufräumen seiner Scheune gefunden. Er hat noch mehrere alte Werkzeuge, die gerne in der Queichtalstraße 22 in Annweiler besichtigt werden können. Peter Dodel aus Rhodt kann sich auch noch sehr gut erinnern, wie sein Großvater in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg mit seinem Dreifuß, der bis heute im Keller schlummert, Schuhe seiner Enkel mit Holznägeln reparierte. Dass die RHEINPFALZ in der ganzen Pfalz gelesen wird, ist klar, aber auch in Kassel – das ist eher ungewöhnlich. Dietmar Strate jedenfalls tut das und teilt mit, dass er auch einen Dreifuß besitzt und „gelegentlich noch benutzt“. |rww/chf