Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Laufen für den guten Zweck: Landauer Hungermarsch findet zum 50. Mal statt

Rückblick: Star des Hungermarschs im Jahr 1996.
Rückblick: Star des Hungermarschs im Jahr 1996.

Um Geld für Projekte in Afrika und Asien zu sammeln, begeben sich bald viele Teilnehmer auf den 50. Landauer Hungermarsch. Eine Familie ist schon seit vier Generationen dabei.

Liv Tischi (8) läuft dieses Jahr zum dritten Mal beim Landauer Hungermarsch mit. „In vierter Generation ist Liv dabei“, erklärt ihre Oma Gerlinde Spinner (80). Als erster dabei war Livs Urgroßvater Franz Spinner, der die Familientradition 1977 mit 77 Jahren begann. Bis kurz vor seinem Tod 1991 war er Jahr für Jahr dabei, seit Anfang der 1980er-Jahre begleitet von seiner Schwiegertochter Gerlinde. Dreimal musste sie aussetzen, als sie mit ihren Kindern Eva, David und Katrin schwanger war. Alle drei sind begeisterte Hungermarsch-Wanderer.

Auch in diesem Jahr will die Familie aus Nussdorf dabei sein. Tochter Eva kommt aus Mainz, dort studierte sie und arbeitete als Lehrerin. Katrin, verheiratete Tischi, kommt mit ihrer achtjährigen Tochter aus Heidelberg. „Die nächsten 50 Jahre schaffen wir als Familie auch, dafür steht Liv“, sagt Gerlinde und lacht. Sie läuft mit ihren 80 Jahren dieses Jahr nur ein Teilstück. „Letztlich geht’s in diesem Fall nicht um das Dabeisein, sondern um das Mutmachen, denn wir wollen wieder Geld sammeln, für Menschen, die es lange nicht so gut wie wir haben.“

Erstmal Schuhe geputzt

Begonnen hat der Hungermarsch 1977. Initiiert hatten ihn Studenten wie Annel Jung und Studentenpfarrer Hermann Kiefer, die 1973 mit der Katholischen Studentengemeinde in Sansibar, Tansania und Kenia waren. Beeindruckt vom Lebenswillen der Menschen dort, wollten sie diesen helfen. Die ersten beiden Jahre putzten sie und einige Landauer Prominente wie der kürzlich verstorbene Ex-Oberbürgermeister Christof Wolff (CDU) Schuhe in der Fußgängerzone. Doch die Einnahmen waren bescheiden, berichtete Artur Kessler, Gemeindereferent bei St. Maria, der seit einigen Jahren die Geschicke des Vereins Hungermarsch leitet. So entstand die Idee, „ein großes Ding zu drehen“ – und der „Marsch gegen Hunger“ war geboren. In Kenia laufen die Massai-Frauen oft 15 Kilometer zu einer Wasserquelle hin und dann wieder zurück: 30 Kilometer täglich. Der Hungermarsch ist ebenfalls 30 Kilometer lang. Zuvor suchen Teilnehmer Sponsoren, die pro Kilometer einen bestimmten Geldbetrag geben.

Wochen vor dem ersten Marsch erläuterten Studenten in den Pfarrgemeinderäten der umliegenden Kirchengemeinden ihre Idee. Sie gingen zu Vereinen, um fürs Mitmachen zu werben. Ihr Engagement zahlte sich aus: Mehr als 1000 Menschen erwanderten 1977 mehr als 70.000 D-Mark. Da war klar: Dieses Engagement soll weitergehen. Mit der Zeit wuchs die Zahl der Teilnehmer und Spenden, die ohne große Abzüge für Verwaltung oder anderen Kosten direkt an Projekte in Sansibar, Tansania, Kenia, Ruanda und Indien gehen. Mit den bisherigen 49 Hungermärschen wurden rund acht Millionen Euro erlaufen. Davon wurden in Tansania mehrere Brunnen gebohrt, eine Entsalzungsanlage und eine Wasserabfüllanlage gebaut. Mit dem verkauften, sauberen Trinkwasser verdient das Projekt Geld und kann seine nächsten Anschaffungen selbst finanzieren.

Menschen können Medikamente nicht bezahlen

In Tansania entstand das „Hermann-Kiefer-Krankenhaus“, das wie das Gesundheitsprojekt „St. Josef-Center der Hoffnung“ in Kenia HIV-positive Menschen behandelt. „Die Lage dort ist zum Verzweifeln“ berichtet Kessler. Nachdem die USA ihre Behörde USAID „von heute auf morgen“ eingestellt haben, fehlen HIV-Medikamente. „Die Menschen sterben, obwohl sie behandelt werden könnten“, sagt Kiefer. Es gibt die Medikamente, doch die Menschen können sie nicht bezahlen. „Wir brauchen in diesem Jahr viele Menschen, die Geld erwandern, damit wir ein Zeichen der Menschlichkeit setzen können“, erklärt Jung.

In Ruanda und Tansania werden auch weitere Krankenhäuser und Gesundheitszentren unterstützt. Besonders wichtig sind die landwirtschaftlichen Projekte in Kenia und im Kongo, erklärt Jung. Dort lebten heute noch viele Menschen als Halbnomaden. Sie ziehen mit ihren Tieren durch die Savannen und Steppen, doch die Regierungen haben viel Land an US-amerikanische und chinesische Firmen auf viele Jahre verpachtet. Die bauten dort Mais an, aus dem Biotreibstoff entsteht. Die CO2-Bilanz wird positiv, doch den Massei gehen Weideflächen verloren. Fressen ihre Tiere den Mais, werden sie als Kriminelle verfolgt. „Diese Menschen brauchen eigenes Land. Das wollen wir ihnen kaufen und geben“, erklärt Jung.

Zum Jubiläumsmarsch kommen Schwester Genevieve Maashao aus Kenia, die mit ihrem Aids-Projekt seit 1977 mit dabei ist, Bischof Augustin aus Sansibar, Bischof Rogath aus Tansania und der Speyrer Bischof Karl-Heinz Wiesemann.

Der Ablauf

Sonntag, 3. Mai, 11 Uhr: Begegnungstag mit Vorträgen und Benefizessen im Pfarrheim St. Albert, Drachenfelsstraße.
Donnerstag, 14. Mai, 9 Uhr: Eucharistiefeier in St. Maria danach Start des Hungermarschs: Landau – Ranschbach – Bildstöckl – Eschbach – Ilbesheim – Wollmesheimer Höhe – St. Martin
Samstag, 27. Juni, 18 Uhr: Benefizkonzert mit Andreas Hofmeir (Tuba) und Marcel Croissant (Piano) in der Marienkirche.

Infos

Unter www.hungermarsch.de gibt es auch die Spendenkarte. Hungermarsch-T-Shirts, zehn Euro für Kinder und 15 Euro für Erwachsene, können per E-Mail an hungermarsch@kirchelandau.de mit Angabe der Größe bestellt werden.

x