Landau Landau: Universität nutzt Räumlichkeiten der Er-Lebt-Gemeinde

Der zukünftige Teilzeit-Hörsaal ist der größte Veranstaltungsraum des Forums.
Der zukünftige Teilzeit-Hörsaal ist der größte Veranstaltungsraum des Forums.

Die Er-Lebt-Gemeinde Landau ist der Welt zugewandt. Sie vermietet ihr flexibel nutzbares Forum für vielfältige Veranstaltungen – solange es keine Trinkgelage sind. Neuer Mieter ist die Uni Landau. Für Vorlesungen müssen religiöse Symbole weichen. Dann rollt das Kreuz auf einer „Ameise“ aus dem Saal.

Die Uni Landau kämpft nach wie vor mit ihrer Raumnot, vor allem bei Vorlesungen mit vielen Studierenden. Zeitweise hatte sie deshalb schon den großen Saal des Universum-Kinos in der Königstraße genutzt, jetzt geht sie einen neuen Weg: Für einen Testlauf im Wintersemester 2018/19 wurde der große Saal des Er-lebt-Forums der gleichnamigen evangelischen Freikirche in der Marie-Curie-Straße angemietet. Das bestätigte Giovanna Marasco-Albry von der Mainzer Pressestelle der Doppel-Uni Koblenz-Landau auf Anfrage der RHEINPFALZ. Als Freikirche erhält die Er-lebt-Gemeinde keine Kirchensteuern, sondern finanziert sich ausschließlich über Spenden. Das im Juni 2017 eingeweihte, 2500 Quadratmeter umfassende Er-lebt-Forum wird nicht nur von der Gemeinde genutzt, sondern auch vermietet. Die Einnahmen kommen der Finanzierung des Gebäudes zugute, erläutert Sebastian Schels, der als gelernter Veranstaltungskaufmann zuständig für die Vermietung und Veranstaltungen im Forum ist. Zwei Tage pro Woche wird es im Er-lebt-Forum bald heißen: Hörsaal statt Gottesdienst. Vor der Anmietung stellte die Uni sicher, dass sich „keine religiösen Symbole im Saal oder im Foyer befinden und dass durch die Gemeinde keine extrem-religiösen Ansichten vertreten werden“, wie die Referentin für Öffentlichkeitsarbeit berichtet.

416 Plätze

Studierende der Fachbereiche Kultur- und Sozial-, Erziehungs-, Natur- und Umwelt-, sowie- Bildungs-Wissenschaften müssen sich ab Ende Oktober für ihre Vorlesungen in die Marie-Curie-Straße begeben. Die Uni überzeugten die sehr guten räumlichen Gegebenheiten: Der barrierefreie neue Hörsaal, in dem sonst sonntags die Gottesdienste der Gemeinde abgehalten werden, verfügt über 416 Plätze und Tische, „eine exzellente technische Ausstattung“ und „gute nahegelegene Parkmöglichkeiten“, so Marasco-Albry. Wenn alles klappt, werde der Saal möglicherweise sogar noch öfter gemietet. „Das Forum ist als normale Versammlungsstätte gebaut und sonst sehr schlicht gehalten“, erklärt Schels. Man wolle sich nicht abschotten, sondern offen sein für Menschen von außerhalb der Gemeinde. Der Godramsteiner Schels berichtet, dass er sich demnächst in Leipzig in einem Geschäft für nostalgische DDR-Möbel nach Sesseln für das Atrium umschauen werde und eine Kaffeemaschine mieten möchte, damit Studierende sich an den Vorlesungstagen im Foyer aufhalten können.

Mobiles Holzkreuz

„Die Uni kam auf uns zu. Jeder Freiraum, den wir haben, kann prinzipiell vermietet werden. Auch den Auf- und Umbau bei Veranstaltungen machen wir“, berichtet der 25-jährige Schels. „Wir stellen den Raum zur Verfügung, wie er benötigt wird. Es ist eine Bildungsveranstaltung – dann wird das Kreuz eben weggerollt, da richten wir uns danach, wie es der Mieter wünscht“, erklärt Schels und zeigt die „Ameise“ auf der Bühne des großes Saals: eine Palette auf Rollen, bedeckt mit schwarzem Stoff, auf der ein mobiles Holzkreuz steht. Für die rund 250 Mitglieder starke Gemeinde sei das kein Problem, sagt Schels: „Wir sehen das hier eher nicht als heilige Hallen, sondern es geht uns mehr um die Gemeinschaft.“ Die Uni ist auch nicht der erste Mieter im Er-lebt-Forum: „Die Tanzschule Wienholt wird hier Ende Oktober ein Musical aufführen, es gab bereits Weihnachtsfeiern der benachbarten Sparkasse und anderer Landauer Unternehmen“, berichtet der Godramsteiner. Es wird ein Konzert vom Kreisjugendorchester im Forum geben, und Bands seien generell willkommen. So sind die südpfälzischen Musiker von „Acoustic Vibration“ 2017 im großen Saal der Gemeinde aufgetreten. Allerdings werde immer geschaut, was geplant sei. Die Veranstaltungen müssten mit christlichen Grundsätzen vereinbar sein, und Trinkgelage werde es nicht geben. „Wenn es Veranstaltungen mit Alkoholausschank geben wird, dann übernehmen wir den“, betont Schels schmunzelnd. „Wir wollen ein seriöses Veranstaltungshaus sein.“ Schels hat Visionen: „Ich würde gerne noch mehr Kulturveranstaltungen anbieten“. Einen (Nacht-)Flohmarkt, Kunstausstellungen oder Food-Trucks auf den 74 Parkplätzen vor dem Forum sind beispielsweise Projekte, mit denen er schon liebäugelt.

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