Landau
Landau: Südpfälzer Winzer unzufrieden mit Weinwerbung
Der Verein Südliche Weinstraße hat am Donnerstagabend im Dorfgemeinschaftshaus in Mörlheim Bilanz gezogen – das erste Mal seit dem Zusammenschluss der Weinwerbung mit der Mittelhaardt unter dem Dach des Vereins Pfalzwein in Neustadt zu Jahresbeginn. Rund 100 der 2100 Mitglieder waren Zeugen einer denkwürdigen Veranstaltung.
Nichts Genaues weiß man nicht. Der Vorstand ist „auf dem Weg“, wie der Vorsitzende, Landrat Dietmar Seefeldt (CDU), in seiner Begrüßung sagt. Das heißt, er spricht, denn sagen tut er nicht viel. Einzulösen hat er das Versprechen vom vergangenen Jahr, ein neues Konzept für die eigene Weinwerbung zu entwickeln. Denn nach der erzwungenen Fusion der Weinwerbungen von Mittelhaardt und Südlicher Weinstraße hat der Verein SÜW keine Fördermittel mehr – es fehlen 438.000 Euro. Tourismus ohne Wein an der Südlichen Weinstraße aber ist wie Dampfknepp ohne Soß’, wie Herbst ohne Keschde.
So reduziert bleibt Seefeldt auch bei seinem skurrilen Auftritt, flankiert von Stellvertreter Thomas Hirsch (CDU), Landauer Oberbürgermeister. „Ich darf nicht alles verraten“, spricht der Vorsitzende. Er möchte das Einverständnis der Mitglieder einholen, „dass wir beauftragt werden, uns auf den Weg zu machen“. Es gehe darum, wie Veranstaltungen, die die Pfalzwein nicht mehr durchführen könne, auf andere Weise wieder durchgeführt werden könnten. Seefeldt betont: „Das ist meine wesentliche Botschaft.“ Die Details müssten noch besprochen werden. Es sei alles noch nicht spruchreif, müsse erst noch durch die Gremien. Die Bitte um Prokura ist nur eine Phrase, der „Weg“ scheint hinter den Kulissen bereits festen Schrittes durchmessen.
Nicht viel SÜW
Vor einem Jahr hatte die Mitgliederversammlung schweren Herzens zugestimmt, „das Pfalzwein-Team mit unserem SÜW-Personal zu stärken“, wie der Vorsitzende es formuliert. Der Verein wollte möglichst viel SÜW auf die Pfalzebene retten. Dass dieses Ansinnen gescheitert ist, erwähnt Seefeldt nicht. Kurz zuvor hat er Bernd Wichmann begrüßt: „Schön, Dich hier zu sehen.“ Wichmann, bis zur Jahreswende Geschäftsführer der SÜW-Weinwerbung, hat der Pfalzwein-Geschäftsstelle den Rücken gekehrt und als Touristiker in Landau angeheuert. Das hoch gelobte, ambitionierte und über Jahre so erfolgreiche Weinwerbe-Team ist zerschlagen.
Von den einst 200 Terminen im Jahr sind wenige geblieben. Allen voran die Weintage der Südlichen Weinstraße in Landau und das lukrative Weinfest auf der Blutenburg bei München. Außerdem bestückt der Verein SÜW 17 Veranstaltungen selbst, sechs übernimmt er im Auftrag der Pfalzwein, darunter die Berlinale. Dazu die Höhepunkte „Die Junge Pfalz isst gut“, „Pfälzer Goldrausch“ und „Die Burg rockt“ auf der Landeck.
Kranz rührt Werbetrommel
Boris Kranz, Pfalzwein-Vorsitzender aus Ilbesheim, rührt die Werbetrommel. „Es ist unabdingbar, dass jeder Winzer Mitglied wird, weil die Pfalzwein für die Werbung steht.“ Über 40 Veranstaltungen habe der Verein in diesem Jahr. Alle Präsentationen seien bewertet und nach der werblichen Erwähnung der Begriffe Pfalz und Wein ausgewählt worden. „Die werden wir weitermachen.“ Das Landauer Team hatte auch auf Imagepflege und mittel- bis langfristige Wirkung gesetzt.
Nach der verschwurbelten Ansage Seefeldts grummeln die Pfalzwein-Vertreter am Tisch. Nur einer erhebt sich. Karl-Friedrich Junker aus Ilbesheim, Vorsitzender des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd und Mitglied im Pfalzwein-Vorstand, beschwört den Vorstand. Und warnt vor einem neuen Werbekonzept mit der Stadt Landau. „Es darf keinen Gegenpart zur Pfalzwein-Werbung geben.“ Niemand spricht Klartext.
„Das wird gut“
Junker hat was läuten hören, erzählt er später der RHEINPFALZ. Andere im Saal teilen offensichtlich Herrschaftswissen. „Das wird gut“, frohlockt einer. Die Pfalzwein habe 90 Prozent der SÜW-Erfolge plattgemacht, klagt ein anderer. Nächste Woche sei Notartermin, gibt ein Dritter zum Besten.
Die Winzerseele leidet. Pfalzwein gelingt es nicht, Gräben zuzuschütten. Nur so ist zu erklären, dass der Saal in Mörlheim Dietmar Seefeldt schweigend folgt. Abgestimmt wird nicht. Gefragt wird auch nicht. Heiligt der Zweck die Mittel?