Landau „Kreativ sein heißt Lösungen finden“
Knöpfe, Federn, Schrauben, Korken, Steine – die Regale im Atelier der Kuhardter Kindertagesstätte „Schatzkiste“ sind proppenvoll mit Materialien, die die Kreativität der Kinder anregen sollen. Seit Anfang des Jahres gibt es das Kinderatelier. Es ist Teil des Projekts „Von Piccolo bis Picasso“, das durch die trägerübergreifende Initiative „Offensive Bildung“ gefördert wird.
An drei Vormittagen in der Woche können jeweils acht Kinder in ihrem Tante-Emma-Laden – so nennen sie ihr Atelier – nach Herzenslust stöbern und mit den eingekauften Materialien basteln, malen und werkeln. Für die Lernwerkstatt wurde ein Teil des Flurs umgestaltet. „Optimal wäre natürlich ein zusätzlicher Raum mit Waschplätzen“, meint die Kita-Leiterin Sarah Bohlender. Aus Platzgründen sei dies in der viergruppigen Einrichtung aber nicht möglich. Entstanden ist dennoch ein abgegrenzter Bereich, in dem die Kinder ausschließlich ihre schöpferischen Fähigkeiten ausleben können. „Wir versuchen verschiedene künstlerische Techniken und Impulse einzubringen, machen aber wenig Vorgaben“, erzählt Bohlender. Das entspreche der pädagogischen Philosophie der Kita: „Wir sind Begleiter, nicht Bestimmer.“ Leitgedanke des Projekts, das die BASF mit weiteren Partnern anbietet, ist, dass Kreativität über die rein ästhetische Aktivität hinaus geht und Kompetenzen außerhalb des gestalterischen Bereichs fördert. „Kreativ sein heißt Lösungen finden“, erläutert Bohlender. „Wir wollen die Kinder stark machen fürs Leben und Alltagskompetenzen vermitteln.“ Die „Schatzkiste“ ist eine von drei Kitas in der Vorder- und Südpfalz, die laut Bohlender an dem Projekt teilnehmen. Die Zusage kam vor den Sommerferien 2016, es läuft über zwei Jahre und wird wissenschaftlich begleitet. Die Projektkosten belaufen sich auf rund 12.800 Euro, die Kita muss 3200 Euro davon selbst beisteuern. Einen Teil übernimmt die Ortsgemeinde als Träger, sagt die Leiterin. Auch der Elternbeirat unterstützt das Projekt finanziell und hat etwa einen Flohmarkt zur Geldbeschaffung ausgerichtet. In den Kosten sind Fortbildungen für die Erzieher, die wissenschaftliche Begleitung und Auswertung des Projekts sowie die Grundausstattung des Kinderateliers enthalten. „Mittlerweile hat sich die Materialiensuche schon verselbstständigt“, freut sich Bohlender. Auch die Eltern sammeln fleißig für die Materialkisten mit. Frühzeitig wurden sie in das Projekt einbezogen: In einer Elternwerkstatt, die von einer Sozial- und Kunstpädagogin geleitet wurde, haben sie zu Beginn des Jahres in Mama- oder Papa-Kind-Teams künstlerische Werke geschaffen und problemlösendes Handeln erprobt. Wenn die Vier- bis Sechsjährigen im Kinderatelier mit Stoffen, Farben, Holz und Leim experimentieren, ist der Flur für die anderen gesperrt. „Wir haben einen besonderen Raum und Zeiträume für kreatives Handeln geschaffen“, sagt Sarah Bohlender. Das sei ein wichtiger Unterschied des Kinderateliers zu Bastel- und Kreativangeboten in den einzelnen Gruppenräumen. „Wir geben den Kindern einen Raum, um Lernprozesse und Stolpersteine zu erleben. Im Gruppenraum sind sie durch das andere Geschehen schneller abgelenkt. Im Atelier sind sie raus aus dem normalen Alltag.“ Für die Kleinsten in der Kita gelten die Atelierzeiten noch nicht, sie werkeln weiterhin in ihrer Gruppe. „Auch sie schauen sich neugierig in den Regalen um und probieren sich aus“, weiß Nina Lauth, die zusammen mit der Kita-Leiterin und Janine Kleinhans das Picasso-Projekt begleitet. In der Eingewöhnungs- und Orientierungsphase sollen die Jüngsten aber nicht mit anderen Prozessen überfordert werden. Die Atelierarbeiten werden voraussichtlich nach den Sommerferien in einer Ausstellung präsentiert.