Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Investor muss Pläne für Wohnquartier im Horst abspecken

Auf dem Areal an der Fichtenstraße stehen noch drei Häuser und zwei Lagerhallen. Schon im Jahr 2016 hatte ein Investor konkrete
Auf dem Areal an der Fichtenstraße stehen noch drei Häuser und zwei Lagerhallen. Schon im Jahr 2016 hatte ein Investor konkrete Pläne für die Bebauung einer Teilfläche. Sie haben sich allerdings bald zerschlagen. Das Grundstück wurde verkauft und noch einmal veräußert.

Das läuft nicht gut für einen Investor aus Waghäusel. Er möchte ein Grundstück im Horst bebauen. Von 164 Wohnungen ist die Rede. Die Anwohner wehren sich. Und im Rathaus kommt die Planung auch nicht gut an.

Das über 11.000 Quadratmeter große Grundstück liegt an der Fichtenstraße. Die kennen viel mehr Landauer als nur die, die im Horst wohnen. Denn über diesen Stich verläuft ein Weg zu Hornbach nach Bornheim. Der andere Teil der Fichtenstraße, südlich des Horstrings, führt ins Wohngebiet im Horst. Schon nach wenigen Metern fällt auf der linken Seite der Baumgürtel ins Auge, der das Areal der ehemaligen Gärtnerei Pfaff umgibt.

Zwar ist der Eingang zum Wohnhaus an der Straße zugewachsen, doch das Grundstück ist nicht verwaist. Eine Familie wohnt noch dort, in einem weiteren Anwesen. Thilo Pfaff, Enkel der einstigen Firmengründer, hatte dort bis vor Kurzem auch seine Firma Palatis. Er hat sich auf die Ausstattung von Post- und Zeitungsvertrieben spezialisiert. Das Grundstück ist verkauft. Pfaff wird im August umziehen, seine Schwester wohnt schon in einer neuen Bleibe. Das damalige Obstgut Pfaff sei vor 30 Jahren geschlossen worden, erzählt Thilo Pfaff der RHEINPFALZ. Seine Schwester und er hätten das Grundstück vor Jahren verkauft, für das sich schon einige Investoren interessiert hätten.

Investor plant 164 Wohnungen

Das Wohngebiet in der Fichtenstraße ist ein wilder Mix aus freistehenden Häusern, Doppel- und auch Reihenhäusern, dazu unzählige Garagen und drei- bis sechsstöckige Wohnblocks. Dort hinein möchte die Wohnpark Landau GmbH acht Mehrfamilienhäuser bauen. Die Wohnungen sollen verkauft werden, bestätigt Andreas Wirth, einer der Geschäftsführer der GmbH auf Anfrage. Aber nicht alle, denn 33 Prozent der Wohnflächen sind geförderter Mietwohnungsbau. Der Bauherr behält sich auch kleinere Gewerbeformen vor.

Der Knackpunkt sind die Wohnungen. Die Gesellschaft ging von etwa 164 Wohneinheiten aus. Die Blocks variieren in der Höhe von neun Metern im Norden über zwölf Meter im Süden und Osten bis zu 18 Meter im Westen. 164 Wohnungen? Das geht gar nicht, meint die Stadtverwaltung.

Eigentümer muss abspecken

Sie hat den Investor aufgefordert, das Konzept zu überarbeiten, also abzuspecken. Denn: „Das Gebiet muss sensibel bebaut werden.“ So hat es Bauamtsleiter Christoph Kamplade jüngst im Bauausschuss formuliert. Am heutigen Dienstag befasst sich der Stadtrat mit dem Thema. Die Planungen hat übrigens das Landauer Architekturbüro Hausgemacht erstellt. Mit dem hat die Wirth-Gruppe aus Waghäusel schon einmal in Landau erfolgreich gearbeitet: Im Wohnpark am Ebenberg hat sie mit einer Projektgesellschaft Townhouses realisiert.

Beim Projekt Fichtenstraße moniert das Bauamt die Bebauungsdichte. Dieser Bereich des Horsts sei jetzt schon sehr dicht bebaut, heißt es in den Städtebaulichen Zielsetzungen zum Bebauungsplan. Die Stadt empfiehlt maximal 100 Wohnungen je Hektar Bruttobaufläche. Damit läge die Dichte immer noch deutlich über dem Durchschnitt im Horst, aber der Norden des Wohngebiets sei dichter bebaut als der Süden, so die Verwaltung. In der Kernstadt liegt dieser Faktor bei 60 bis 70. Zum Vergleich: In den geplanten Kissel-Höfen liegt die Dichte bei 98 Wohnungen pro Hektar, beim Projekt auf dem Gelände der ehemaligen Gärtnerei in der Zweibrücker Straße bei 132.

Übers Ziel hinaus

Das neue Wohnquartier soll nach den Vorstellungen der Stadt die heterogene Umgebung berücksichtigen und einen Übergang von den sechsstöckigen Bauten zu den zwei- bis dreigeschossigen Einfamilienhäusern schaffen. Da passt ein vierstöckiger Block im Norden direkt vor der Nase der Doppelhäuser nicht, merkte Klaus Eisold (SPD) im Ausschuss an. Der Investor schieße übers Ziel hinaus, ist die Meinung der FWG. „Hier steht die Rendite des Investors im Vordergrund“, meinte Wolfgang Freiermuth.

Einige der Anwohner sind in heller Aufregung. So schildert es Hanna Burdack, die in einem der 16 Reihenhäuser in der angrenzenden Berliner Straße wohnt und mit dem Garten im Osten an das Pfaffsche Grundstück grenzt. Werden die Pläne umgesetzt, schaut sie künftig auf einen zwölf Meter hohen Wohnblock, auf den auch noch eine Fotovoltaikanlage aufgesetzt wird. „Unsere Häuser sind zehn Meter hoch.“

Anwohner brauchen Westsonne

Burdack und ihre Nachbarn fürchten vor allem dauerhafte Beschattung. Das allerdings war auch in den letzten 25 Jahren ein Dauerthema, erzählt sie. Denn die Thujenhecke sei oft höher als die erlaubten zwei Meter gewesen. Dann hätten die Bewohner der Reihenhäuser so viel Schatten, dass sie selbst im Sommer im Wohnzimmer das Licht anschalten müssten. Zwischen den kleinen Gärten und dem Wohnpark-Grundstück verläuft ein öffentlicher Weg. Dahinter soll ein zehn Meter breiter Grünstreifen zum Quartier abpuffern, so die Planung.

Die Anwohner fordern einen größeren Abstand und den Verzicht auf ein Stockwerk. Sie hätten Fotovoltaik-Anlagen unter anderen Prämissen geplant, denen dann das Sonnenlicht fehlen werde. „Die Westsonne erwärmt die Westseite so stark, dass die Heizkosten niedrig sind“, heißt es in einem Protestschreiben an die Stadtverwaltung und an Fraktionen im Stadtrat.

Urbane Wärmeinsel

Das neue Wohnquartier soll sich zur Nachbarschaft öffnen, so der Wunsch aus dem Rathaus. Es sollen kurze, direkte Wege in und durch das Quartier entstehen – die Stadt spricht von Multifunktionalität. Die Beteiligung der Bevölkerung beim Städtebauförderprogramm „Sozialer Zusammenhalt Landau-Nord“ lasse bereits erkennen, dass die Leute sich eine Verbesserung des Umfelds wünschen, auch Angebote an Mehrgenerationen- und gemeinschaftlichen Wohnformen sowie eine bessere Organisation bei den Parkplätzen. Die Stadt macht dem Investor die Vorgabe, die rund 213 Parkplätze in einer Tiefgarage unterzubringen.

Die Begrünung spielt eine zentrale Rolle, auch wegen des Klimas. Die Stadt bezeichnet den Bereich des Horsts als urbane Wärmeinsel. Das Zentrum soll als grüner Treffpunkt für die Bewohner samt Spielplatz dienen. Das sei nicht gut gelöst, meint Hanna Burdack. Denn unter der zentralen Grünfläche in der Mitte liegt die Tiefgarage.

Verdunstungskälte fehlt

Heute sei das Grundstück die Grüne Lunge des Quartiers. Bedenke man, dass es im Horst immer noch ein Grad wärmer sei als in der Innenstadt, dann bestehe Handlungsbedarf. „Es fehlt die Verdunstungskälte der Vegetation.“ Begrünte Fassaden und Dächer reichen nach Ansicht der Kritiker nicht. Letztendlich geht den Nachbarn auch das mit den Ausgleichsflächen gegen den Strich. Denn der Ausgleich für Versiegelung solle auf dem Taubensuhl erfolgen. „Davon haben wir gar nichts“, wettert Burdack, die den Ausgleich auf dem Baugrundstück angelegt wissen möchte.

Andreas Wirth von der in Waghäusel ansässigen Wirth-Gruppe, der sich die Geschäftsführung der Landauer Projektgesellschaft mit seinem Bruder Markus teilt, kennt die Anwohnerbeschwerden nicht. Landau benötige doch dringend Wohnraum, argumentiert er, aber die Stadt schränke ihn immer weiter ein. Irgendwann werde es dann schwierig mit der Umsetzung. Die Wirths haben das Grundstück vor etwa zweieinhalb Jahren mit Plan gekauft, erzählt der Unternehmer. Er wolle dort etwas Ordentliches schaffen und plane noch mit dem höchsten KfW-Standard 40 plus. Schließlich seien Nebenkosten auch ein wichtiges Thema für Mieter im geförderten Wohnraum.

So sah die ursprüngliche Planung der Wohnpark Landau GmbH aus. Osten ist oben, vorne ist die Fichtenstraße zu sehen.
So sah die ursprüngliche Planung der Wohnpark Landau GmbH aus. Osten ist oben, vorne ist die Fichtenstraße zu sehen.
x