Landau „Innenstädte sterben still vor sich hin“

„Handel ohne Innenstadt geht, Innenstadt ohne Handel geht nicht.“ So hat Oberbürgermeister Thomas Hirsch am Dienstag im Stadtrat auf den Punkt gebracht, warum Landau rechtliche Schritte gegen die Ansiedlung des Modepark Röther in Rohrbach erwägt. Auch der Arbeitskreis Aktive Unternehmer (Aku) lehnt die Ansiedlung ab.
„6200 Quadratmeter Verkaufsfläche für Bekleidung sind keine Nahversorgung“, sagt Susanne Höhlinger, Einzelhändlerin (Fahrräder, keine Bekleidung) in Landau, Aku-Mitglied und CDU-Stadträtin. Sie hält den Modepark in doppelter Hinsicht für innenstadtrelevant: erstens wegen Sortiment und Größe und zweitens, weil ein außerhalb gelegener Standort Besucher aus der Innenstadt abzieht. Doch den Reiz einer Innenstadt mache das Leben auf Straßen und Plätzen aus. „Der Erlebniswert schwindet“, sagt sie. Aus diesem Grund untersagt das Landesentwicklungsprogramm IV großflächige Ansiedlungen an nicht integrierten Standorten wie dem von Rohrbach. Bisher sei es Landau gelungen, seine Innenstadt lebendig zu erhalten. Dass das kein Selbstläufer sei, könne man in vielen Nachbarkommunen sehen, so Höhlinger. „Es geht ums Sortiment. Lebensmittel wären kein Problem“, sagt die Aku-Vorsitzende Christiana Baudach, die auch Geschäftsführerin des Kaufhofs ist. Für ihr Unternehmen sagt sie lediglich: „Es muss alles mit rechten Dingen zugehen.“ Doch den Vorgaben der Raumordnung entspreche das Rohrbacher Vorhaben nicht. Zum Größenvergleich: Der Kaufhof in Landau hat nach Baudachs Angaben rund 1500 Quadratmeter Verkaufsfläche für Bekleidung. Höhlinger lässt auch das Argument der dortigen Arbeitsplätze nicht gelten, weil sie fürchtet, dass dafür Arbeitsplätze an anderer Stelle wegfallen und es Leerstände gebe, die dem Bild einer Innenstadt schaden. Dieser Effekt sei auch in Herxheim und Kandel zu befürchten. Der Aku werde seine Anstrengungen mit besonderen Aktionen intensivieren, sagen Baudach und Höhlinger. Ob sich Kaufhof und Aku auch rechtlich wehren, lassen sie offen. Der Aku stehe aber uneingeschränkt hinter Landau, das solche Schritte prüft, sagt Höhlinger. Ob Landau vor das Verwaltungsgericht zieht, um die Baugenehmigung anzufechten, werde sich nächste Woche entscheiden, sagte gestern Oberbürgermeister Thomas Hirsch. Er hat auch auf eine gestrige Pressemitteilung der Kreisverwaltung SÜW reagiert, in der erklärt wird, dass die Nachbarkommunen Landau, Kandel, Bad Bergzabern und Wörth über den Bauvorbescheid informiert gewesen seien, aber keinen Widerspruch eingelegt hätten. Das hätten sie erst bei der Baugenehmigung getan. Hirsch sagt, im Bauvorbescheid sei von weniger Verkaufsfläche für Bekleidung und nicht vom Modepark Röther die Rede gewesen. Gegen einen Textildiscounter hätte Landau weniger Vorbehalte. Lebensmittel und Drogeriemarkt seien ohnehin unproblematisch. Auf eine persönliche Erklärung von Landrätin Theresia Riedmaier (SPD), wonach die Real-Schließung ein schwerer Schlag für 80 Mitarbeiter gewesen sei, reagiert Hirsch mit der Feststellung: „Innenstädte sterben still vor sich hin. Dort gehen Arbeitsplätze in derselben Dimension verloren“, nur bekämen es die Gewerkschaften nicht mit. Kreis SÜW |boe