Landau
„Ich mache weiter bis ich umfalle“
Vor 30 Jahren gründete Peter Kusenbach die erste Bläserklasse in Deutschland. Damit hat er ein Stück Musikgeschichte geschrieben. Heute gibt es derer über 1000. Zu seinen Schülern zählten einst junge Musiker, die heute große Namen in der Musikszene sind. Jetzt geht er in den Vorruhestand.
Da sitzt er. Voller Energie. Der Mund steht nicht still. Die Augen sind freundlich. Wer vitale Lebenskraft erfahren möchte, sollte sich eine halbe Stunde mit Peter Kusenbach unterhalten. Oder ihn in seinen Konzerten erleben. Der Mann ist 63 Jahre alt, ist Lehrer am Bad Bergzaberner Alfred-Grosser-Schultzentrum im Vorruhestand. Gleichwohl fährt er noch immer seine Schüler aus den Viehstrichgemeinden mit dem Bus in die Kurstadt. Auch eines seiner Hobbys. Ein Deal. Für seine Fahrdienste bekommt er den Bus (seit 1991 immer derselbe) des in Schweighofen ansässigen Reiseunternehmens Friedmann für seine Konzerte billiger oder gar umsonst, um sein Orchester zu den Auftritten zu bringen.
Kusenbach hat im musikalisch-pädagogischen Bereich Geschichte geschrieben. Es ist nur ein Nebensatz, aber wer Kusenbach kennt, weiß, das er schon ein bisschen stolz ist, was er mit seinem Wirken bundesweit vollbracht hat: Der Mann der das Bundesverdienstkreuz verliehen bekommen hat, gründete vor 30 Jahren – auf Anregung des damaligen Bergzaberner Schulleiters Reinhard Hoffmann – die erste Bläserklasse in Deutschland. Nachahmer gab es fortan zuhauf. „Heute sind es über 1000 Klassen“, erzählt Kusenbach. Das ist alles, was er an Eitelkeit anzubringen weiß. Dann ist er wieder in seinem Metier – die Musik als Inspiration. Es sei einfach schön zu sehen, wie sich die jungen Menschen aufgrund der musikalischen Bildung entwickelten, Gemeinschaften schlössen, leistungsstärker würden und in dem ein oder anderen Fall auch die Musik zu ihrem späteren Lebensinhalt machten. Kusenbach hält kurz inne – sehr ungewohnt für den Dauerplapperer mit rheinländischem Zungenschlag. Er ist eben, wie er ist – und dazu auch noch nett.
Nein, trotz seines Vorruhestandes werde es keinen Bruch geben, sagt Kusenbach im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Er werde zunächst weitermachen („bis ich umfalle“): „Wenn ich aufhören würde, würde das kein Mensch verstehen.“ Das sagt ein Mann, der nicht nur die Musik lebt, sondern auch das Ehrenamt. So ist Kusenbach auch Leiter von etlichen Chören im Südzipfel der Südlichen Weinstraße.
Derzeit arbeitet Kusenbach daran, einen Nachfolger für die Big Gands zu gewinnen
Zurück zum Thema: Nein, die Big Bands Royal und de Luxe werden weiterleben. Zurzeit sei er dabei, Adrian Rinck zu gewinnen, seine Nachfolge anzutreten. Rinck, ehemaliger Schüler Kusenbachs, ist derzeit Leiter der Kreismusikschule der Südlichen Weinstraßen. Kusenbach schwebt vor, seine beiden Jazz-Combos unter das Dach der Kreismusikschule zu bringen.
Die musikalische Erziehung sei enorm wichtig für die Entwicklung eines jungen Menschen. Die lernten Selbstdisziplin, könnten Kontakte knüpfen, sich Netzwerke aufbauen und vor allem: „die Sinne schärfen“, so Kusenbach. Dazu komme noch das Gemeinschaftsgefühl und die Auslandsreisen. Abenteuer pur. Unter anderem acht USA-Reisen oder das deutsch-schweizerische Big-Band-Festival in Sas Fe und Zermatt. Auch das bildet.
Viele seiner Musikschüler hätten die Chance genutzt, aus dem Hobby auch einen Beruf zu machen. Rund 1000 habe er in den 30 Jahren begleitet und ausgebildet. Neben Rinck unter anderem Christian Stouber, der heute Leiter des Jazz-Konservatoriums in Karlsruhe ist. Oder Klaus Graf, seines Zeichens heute Chef der SWR-Big-Band.
Info
Zum 30. Jubiläum der Big Bands soll es ein großes Konzert – auch mit ehemaligen Schülern Kusenbachs – geben: am 29. November im Haus des Gastes in Bad Bergzabern.