Landau Gerüchte um Meuterei an der Front

Herxheim. Am 8. Mai 1945 schwiegen die Waffen des Zweiten Weltkriegs in ganz Europa. In Herxheim waren die Kampfhandlungen bereits 46 Tage früher beendet. Zuvor waren diese für Dorf und Bevölkerung höchst bedrohlich geworden: Vor den westlichen Toren Herxheims tobten am 23. März verlustreiche Kämpfe zwischen den von Rohrbach und Insheim anrückenden US-Panzern und der deutschen Verteidigungsfront.
Während der Kämpfe rund um Herxheim brodelte die Gerüchteküche. Verbreitet wurde damals, der damalige Pfarrer Max Veitl habe sich eingemischt und sei, eine weiße Fahne tragend, in die deutsche Verteidigungslinie marschiert und habe bewirkt, dass der Verteidigungskampf eingestellt worden sei. Ebenso wurde in Umlauf gebracht, dass die Amerikaner den Verteidigern ein Ultimatum zur Aufgabe gestellt hätten, ansonsten werde Herxheim bombardiert. Gipfel aller Gerüchte war die Behauptung, dass der deutsche Kommandeur, ein hoher SS-Offizier, an der Front von seinen eigenen Leuten erschossen worden sei, weil er nicht aufgeben wollte. Mit seinem Tod sei der Widerstand endgültig gebrochen gewesen. Doch alles war nur erfundenes Gerede. Und dennoch: Bis heute sind solche Unwahrheiten hier und da als Tatsachen zu hören. Die Fakten der Kampfhandlungen in Herxheim waren andere. Bereits am Vortag zum 23. März 1945 fiel Landau in amerikanische Hand. Die schnell aus dem Wasgau über Bergzabern vorstoßenden US-Panzerspitzen wurden am Westrand von Herxheim bei der früheren Ziegelei Speth von der deutschen Verteidigungsfront abgefangen und den ganzen Tag über vom weiteren raschen Vordringen auf die noch funktionstüchtige Rheinbrücke Germersheim abgehalten. Nicht die fälschlicherweise als solche bezeichnete „Festung“ Herxheim wurde verteidigt, vor den Toren Herxheims wurde die einzige noch intakte Rheinbrücke abgesichert. Die schnell aufgebaute Verteidigungsfront diente dazu, den Zugriff auf die Brücke durch die US-Armee zu verhindern, um die Rückführung von Wehrmachtseinheiten über den Rhein zu sichern. Es entwickelte sich ein erbitterter Kampf. Die schweren Flakgeschütze auf dem Höhenrücken über dem Schambachtal bekämpften unter der Feuerleitung des Divisions-Kommandeurs Klingenberg die zusammen mit der Infanterie angreifenden Panzer auf der Rohrbacher Straße und auf dem Insheimer Berg. Erst am Abend brach die Widerstandskraft der Verteidiger zusammen. Die US-Panzer waren unmittelbar an die deutsche Abwehrfront herangekommen. In der Flakstellung erlitt der bereits zuvor verletzte Kommandeur Klingenberg durch eine Granate tödliche Verletzungen. Sein Ordonnanzoffizier, SS-Obersturmführer Oskar Proske, stellte den Tod fest. Die sofortige Bergung des gefallenen Kommandeurs war beim starken Beschuss durch die Angreifer nicht möglich. Proske deckte den Toten mit einer Plane ab, robbte aus der Frontlinie zurück und plante, am Abend durch eine Stoßtruppaktion den Gefallenen zu bergen. Dies war aber nicht mehr möglich, da die Flakstellung mittlerweile von den Amerikanern besetzt wurde. Erst 30 Jahre später wurde sein Grab auf einem deutschen Soldatenfriedhof entdeckt. Auch weitere Soldaten, die in Herxheim gefallen sind, fanden dort ihre Ruhestätte. Die Verteidigungsschlacht vor Herxheim markierte den Endkampf im südlichen Abschnitt des Brückenkopfes Germersheim nördlich des Bienwaldes. Der deutschen Heeresleitung war es gelungen, umfangreiches Kriegsmaterial und Truppen über die Rheinbrücke zu schleusen. Mit diesem letzten taktischen Erfolg verabschiedete sich die Wehrmacht aus der Pfalz. Die Amerikaner störte die Rückführung nicht – sie wollten die Brücke unversehrt einnehmen. Nachts um 23 Uhr rollten die US-Panzer dann durch Herxheim. Die Bewohner atmeten auf. Beklemmung, Angst und die Sorge ums Überleben wichen von ihnen. Am Morgen des 24. März 1945 standen die US-Panzer vor Germersheim, im starken Abwehrfeuer wichen sie zurück. Als letztes deutsches Territorium links des Rheins war der Brückenkopf Germersheim in deutscher Hand. Gegen 10.30 Uhr sprengten die Deutschen die Rheinbrücke. Vergebens: Nachmittags rückten die Amerikaner in die Stadt ein. Die Serie In unserer Serie „Stunde Null“ berichten „Marktplatz regional“-Leser und -Mitarbeiter von Geschehnissen rund um das Kriegsende 1945, das sich in diesem Jahr zum 70. Mal jährt.