Landau Gedenken an Gefallene lebendig halten
«DIERBACH.» „Fürsorge für den Frieden.“ Das ist einer der Leitsätze der alljährlichen Sammlung des Volksbundes deutscher Kriegsgräberfürsorge. Sinn und Zweck ist es seit 1919, die Gräber der deutschen Kriegstoten im Ausland zu erfassen, zu erhalten und zu pflegen. Doch es wird immer schwieriger jemanden zu finden, der von Tür zu Tür zieht und sammelt. Nicht so in Dierbach. Hier ist Karin Meyer unterwegs.
Bemerkenswert ist nicht nur, dass eine Frau schon seit über zehn Jahren für Soldatengräber sammelt, sondern auch, dass die Dierbacher Bürger gerne spenden, vielleicht gerade, weil noch etliche Zeitzeugen des Zweiten Weltkrieges leben, die die Bombenangriffe 1944/45 entlang der Westwalllinie miterlebt haben. Luftaufnahmen von den Feldern zeigen, wo einst die Bomben einschlugen und Krater hinterließen. So nimmt sich die Dierbacherin, die in der kaufmännischen Abteilung der Pro-Seniore-Residenz in Bad Bergzabern arbeitet, einmal im Jahr viel mehr Zeit als sonst, um durch das idyllische Örtchen zu laufen. Die Verantwortung, Geld für die Kriegsgräber zu sammeln, hat sie 2006 übernommen. Mit viel Freude, wie sie selbst sagt: „Ich kam dazu, wie, naja, wie die Jungfrau zum Kinde. Mein Cousin Walter Meyer machte mich darauf aufmerksam, dass niemand sich bereit erklärt habe, die Sammlung durchzuführen.“ Wenn ihr keinen findet – mach’s ich eben, dachte sich die heute 53-Jährige nach dem Gespräch von damals. Meist Ende Oktober werden ihr die Unterlagen zugeschickt und im Sommer des Folgejahres hat sie Einblick in die fertigen Statistiken. Meist liegt die Spendenbereitschaft der Leute zwischen fünf bis zehn Euro. Es mache ihr Spaß, so die verheiratete Mutter einer 24-jährigen Tochter, mit den Einwohnern ins Gespräch zu kommen, zu scherzen oder das eine oder andere Problem anzugehen. Vor allem bei den älteren Bürgern ist sie ein willkommener Gast. Da Karin Meyer seit einigen Jahren auch im Gemeinderat tätig ist und sich um die Belange der Senioren kümmert, sind diese kurzen Besuche bei den „alten Leuten“ für sie wichtig. Auch um zu schauen, ob „noch alles funktioniert“, wie sie erzählt. Ihr Schwerpunkt in der Gemeindearbeit liegt beim Organisieren des Seniorenstammtisches oder von Ausflügen. Gegen eines hat sie sich allerdings vehement ausgesprochen: „Bei Regenwetter findet ihr keine Karin auf der Gass’.“ Lieber geht sie mehrmals auf Besuchertour, meint sie und schmunzelt. Das Schönste für die gebürtige Dierbacherin ist, dass sich, seit dem sie das Ehrenamt übernommen hat, die Spendenbereitschaft jedes Jahr erhöht: 2006 war das Ergebnis 712 Euro. Elf Jahre später bei stolzen 1320 Euro. Fast genauso hoch ist die Summe für 2017: 1307 Euro. Und das bei etwa 220 Haushalten. Ein Anstieg, der ihr gefällt. So liegt Dierbach seit 2006 immer auf dem ersten Platz bei den Straßensammlungen im Gebiet Rheinhessen-Pfalz. Karin Meyer macht auch Abstecher zu den Nicht-Spendern. „Ich sag dann einfach mal ,Hallo, ich bin’s die Karin’, wenn sich die Tür öffnet. Manchmal spenden so auch die Leute, die es eigentlich gar nicht wollten.“ Geehrt wurde Meyer 2013 auch vom Landkreis SÜW für besondere Verdienste im Ehrenamt. Das Sammeln für die Kriegsgräber will sie noch lange fortführen. Vor allem der Umgang mit den Menschen im Ort und die manchmal lustigen und schönen Momente sind ihr wichtig. Ein kleines Dankeschön erhält Karin Meyer von der Kriegsgräberfürsorge. In jedem Jahr gibt es Bücher mit Geschichten von Soldaten und deren Feldpostbriefe, sowie kleinen Weihnachtsepisoden von der Front.