Landau Fenster klirren, Uhren bleiben stehen
Südpfalz. Vergangenen Freitag, vor 170 Jahren: Landau am Abend des 29. Juli 1846. Während sich viele Einwohner der Stadt bereits zur Nachtruhe begeben haben, ereignet sich kurz vor 9.30 Uhr noch etwas Unerwartetes: Die Erde bebt für einige Sekunden.
In den Häusern und Wohnungen ist das Beben deutlich spürbar, ihre Bewohner sind verängstigt. Der abendliche Erdstoß – nicht der erste und auch nicht der letzte seiner Art – wurde auch in weiteren Städten und Gemeinden entlang des Rheingrabens wahrgenommen. So blieb er nicht ohne ein entsprechendes „Nachbeben“ in der örtlichen Presse, dem Landauer „Eilboten“, dessen Redakteur die Ereignisse in der Ausgabe vom 1. August 1846 noch mal zusammenfasste. Danach blieb bereits zu dem Zeitpunkt, als der Erdstoß einsetzte, das Pendel der Uhr des Landauer Türmers, der auf einem Turm hoch über der Stadt seinen Dienst tat, augenblicklich stehen. Eine Taube wurde durch die Erschütterung von dem krachenden Gebälk unter dem Dach des Turmes abgeworfen und fiel tot zu Boden. Auch so mancher, der sich bereits schlafen gelegt hatte, erwachte jäh. Der „Eilbote“ berichtete: „Leute, die in den Betten lagen, wurden tüchtig gerüttelt, in den Häusern bewegten sich Spiegel und Schränke, Gläser klirrten und in einigen fielen sogar Stöße von geschnittenem Holze zusammen.“ Größere Schäden richtete das Beben offenbar nicht an. Am Tag danach berichteten Landleute und Händler aus der Umgebung, die ihre Waren zum Markt nach Landau brachten, dass das Beben auch in den umliegenden Orten registriert worden war. Im hochgelegenen Kurhaus zu Gleisweiler hatte man die Erschütterung der Erde genauso wahrgenommen wie in Annweiler, Siebeldingen, Göcklingen und Böchingen. In Göcklingen hatte der Schulgehilfe die Erdstöße in seiner Wohnung offenbar am deutlichsten wahrgenommen. Hier blieb es nicht nur dabei, dass Möbel wackelten, auch der Hilfslehrer selbst ging zu Boden: „Ein ungewöhnliches Gepolter entstand; Fenster klirrten, ja dass das ganze Gebäude aus seinem Fundamente zu weichen schien und der Gehülfe zu Boden stürzte.“ Einige Bewohner Böchingens berichteten, dass sie während des Erdstoßes ein Geräusch gehört hatten, das dem mehrerer Kanonenschüsse sehr ähnlich gewesen sei. Während die Südpfälzer in den Tagen nach der Erschütterung noch darüber spekulierten, ob es sich tatsächlich um ein Erdbeben gehandelt habe oder eher um eine „elektrische Lufterscheinung“, wie manche Zeitgenossen behaupteten, machten zahllose Gerüchte die Runde. So munkelte man, dass in Ramberg und Wilgartswiesen ganze Häuser durch den Erdstoß eingestürzt seien. Diese Neuigkeiten stellten sich bald als genauso unwahr heraus wie die Behauptungen, dass in Straßburg ein Pulvermagazin als Folge des Bebens in die Luft geflogen oder gar, dass Neapel am 29. Juli 1846 vollständig untergegangen sei. |lh