Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Fehlwürfe im Altpapier: Trennen wir unseren Müll immer schlechter?

Sehen in Landau einen hervorragenden Standort: Prokurist Max Steingaß, Niederlassungsleiter Matthias Florschütz und Geschäftsfüh
Sehen in Landau einen hervorragenden Standort: Prokurist Max Steingaß, Niederlassungsleiter Matthias Florschütz und Geschäftsführender Gesellschafter Werner Steingaß.

Das Abfallgeschäft sei schwieriger geworden, auch wegen mangelnder Mülltrennung, so Uniroh-Chef Werner Steingaß. Seine Firma baut einen Standort in Landau auf. Und hat Pläne.

Haben Sie sich schon mal gefragt, was mit Ihrem Altpapier geschieht? „Was in Landau in der Papiertonne landet, das kommt zu uns“, sagt Werner Steingaß. Er ist Gründer der Uniroh GmbH mit Sitz in Kaiserslautern, eine Fachfirma aus der Entsorgungsbranche. Das Unternehmen hat kürzlich den Container-Dienst samt Wertstoffhof der Baumann-Gruppe im Landauer Grein übernommen – und beschreitet damit neue Wege.

„Wir kommen eigentlich aus dem Handel mit Altpapier. In Landau ist es das erste Mal, dass Uniroh im operativen Entsorgungsgeschäft tätig wird“, so Steingaß, dessen Unternehmen für die Stadt als Vertragspartner die Altpapiervermarktung abwickelt. Die Uniroh vermarkte Altpapier weltweit, doch inzwischen sei Asien, eigentlich China, kaum noch ein Markt, so Steingaß. „Die Regierung hat entschieden, dass sie keine Abfälle mehr importieren möchte.“ Dabei sei Altpapier nicht nur ein hochwertiger Stoff, er lasse sich eben auch gut recyceln. 17 Millionen Tonnen davon fallen Steingaß zufolge jährlich in Deutschland an, dennoch sei die Bundesrepublik ein Nettoimporteur von Altpapier, sie führe als mehr ein, als sie exportiere.

Altpapier geht nach Karlsruhe, Wörth und Annweiler

Die Uniroh setze auf kurze Wege, so Steingaß. Demnach ist das Unternehmen einer der Großlieferanten der Papierfabriken in Maxau (früher Stora Enso), Wörth (Palm) und Sarnstall (einst Buchmann). Heißt: Papierabfall aus der Region wird meist nicht irgendwo in die Welt verschifft, sondern hier wiederverarbeitet. „Das Papier wird auch in der Region sortiert, bevor es zu den Fabriken geht, unter anderem in Schifferstadt,“ sagt Steingaß. Täglich fielen dafür rund 100 Lkw-Fahrten an, die das Altpapier zu den Anlagen bringen, dann weitertransportieren zu den Fabriken. Pro Jahr bewege die Uniroh rund 400.000 Tonnen Papierabfall. „Für uns bietet der regionale Kreislauf viele Vorteile“, sagt Steingaß, der das Unternehmen 1998 gründete. Rund 300 Menschen sind an den Standorten in Kaiserslautern und Darmstadt beschäftigt, und nun eben auch in Landau.

Dazu gehört Matthias Florschütz. Er ist der neue Niederlassungsleiter für Landau. Auf dem Wertstoffhof biete Uniroh die komplette Palette der Entsorgung an, vom A4-Holz über Isoliermaterialien bis hin zum Asbest. Privat- wie auch Geschäftskunden könnten ihre Abfälle anliefern oder den Containerdienst in Anspruch nehmen. Steingaß sagt, die Uniroh sei sehr gerne in Landau. Der Standort liege nicht nur optimal, es gebe hier auch keinen Platzhirsch im Entsorgungsgeschäft.

Unternehmer: Kaffeebecher gehört in gelben Sack

Das Unternehmen plant eigenen Angaben zufolge, auf dem Betriebsgelände in Landau eine Halle zu bauen, in der auch eine Papierpresse aufgebaut werden soll. „Wir wollen den Papierabfall komprimieren, damit wir keine Luft durch die Gegend fahren“, sagt Florschütz mit Blick auf die Transportkosten. Denn der Papierabfall habe sich verändert, erklärt Juniorchef Max Steingaß, der bei Uniroh als Prokurist fungiert. „Es gibt aufgrund des Auflagenrückgangs weniger Zeitungen und Illustrierte im Altpapier, dafür mehr Kartonagen unter anderem wegen des Onlinehandels von Amazon und Co.“

Vater Werner Steingaß sagt, überhaupt habe sich die Qualität des Altpapiers verändert, sie sei schlechter geworden. Und das stelle Entsorger vor große Probleme. Den Hauptgrund sieht er in der schlechteren Trennung von Abfall in den Privathaushalten. Einst habe der Staat mit der Einführung der Dualen Systeme sehr viel in Öffentlichkeitsarbeit und Bildungsprogramme investiert, um die Mülltrennung in den Köpfen der Bürger zu verankern. Doch das sei verblasst. Vieles lande im Müll, was dort gar nicht hingehöre.

Ein Fehlwurf-Klassiker sei, so Steingaß, dass der Pizzakarton samt Pizzaresten im Altpapier lande, oder der Kaffeebecher, der beschichtet sei, damit ja eigentlich in den gelben Sack gehöre. „Die Leute wissen es oft nicht besser. Ich denke, da brauchen wir im Sinne der Nachhaltigkeit ein neues Bewusstsein“, sagt Steingaß, der sich auch als Vizepräsident des Bundesverbands Sekundärrohstoffe und Entsorgung dafür einsetzt. Dennoch sei der Müll der Deutschen wesentlich besser getrennt als jener in anderen Ländern.

Im Altpapier landet noch zu viel falscher Müll, bemängeln die Entsorgungsfachleute.
Im Altpapier landet noch zu viel falscher Müll, bemängeln die Entsorgungsfachleute.
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