Landau Erzieher werden Genussbotschafter
Es duftet lecker im Speisesaal der Kita St. Josef in Offenbach. Auf den gedeckten Tischen stehen unter anderem Kichererbsensalat, Gemüse-Nuss-Bratlinge und Rosmarinkartoffeln mit selbstgemachten Ketchup. Als Nachtisch lockt Frucht-Vanille-Quark, der allerdings noch im Kühlschrank steht. Die Speisen haben Mitarbeiterinnen der katholischen Kindertagesstätten Herxheim, Hayna, Insheim und Offenbach zubereitet, und zwar mit dem Kölner Küchenmeister Stefan Brandel, der für die Initiative „Ich kann kochen!“ bundesweit zu Kitas und Grundschulen tourt und nun in der Südpfalz Halt machte. In eintägigen Workshops klärte Brandel Erzieherinnen und Pädagogen auf, wie sie Kinder und Jugendliche auf den Geschmack gesunder Ernährung bringen und für frische Lebensmittel begeistern können. „Wir müssen Kinder alltagsnah und frühzeitig für eine vielseitige Ernährung begeistern. Der Griff zu Schneidebrett und Kochlöffel soll Essen für Kinder zum Erlebnis machen“, sagt Brandel, der mit 16 weiteren Ernährungsberatern für die Initiative „ich kann kochen“ im Einsatz ist. Bevor es für die 14 Teilnehmerinnen des eintägigen Kurses in Schürzen gehüllt an Herd und Backofen ging, vermittelte ihnen Brandel ihnen die Grundlagen für das Kochen mit Kindern und das Wissen über ausgewogene Ernährung. So erklärte er unter anderem, welche Begriffe verwendet werden können, um das Mitschnippeln in der Küche für die Nachwuchsköche zu einem Erlebnis werden zu lassen. Susanne Leuthner von der Kita Heilig Kreuz in Hayna fand „Messerparkplatz“ und „Schälchengarage“ hilfreich, um Kindern den Arbeitsplatz spielerisch näherzubringen. Angetan sind die Erzieherinnen von den Gerichten, die gemeinsam aus saisonalen Produkten gezaubert wurden. Das Wort „gesund“ dürfte manch einem beim Anblick der leckeren Speisen über die Lippen kommen. „Kinder können aber damit nicht viel anfangen. Entweder es schmeckt ihnen oder es schmeckt ihnen nicht“, erklärt der Küchenmeister. Sind die Jungen und Mädchen in das Geschehen in der Küche mit eingebunden, würden sie eher auf den Geschmack kommen, Obst- und Gemüsesorten zu probieren. Allerdings sei Geduld das Zauberwort, wenn mit Nachwuchsköchen gearbeitet werde. „Es gilt, die Kinder und Jugendlichen Schritt für Schritt ans Kochen heranzuführen. Zum Beispiel sollte erst erklärt werden, wieso nur saubere Hände in die Küche gehören, bevor die Küchenutensilien besprochen und am Ende die verschiedenen Garmethoden gezeigt werden“, erklärt Brandel. Hinter der Initiative stecken die gemeinnützige Sarah-Wiener-Stiftung und die Krankenkasse Barmer, die sich gemeinsam auf die Fahne geschrieben haben, zehn Prozent aller Kitas und Grundschulen in Deutschland mit dem mehrjährigen Projekt zu erreichen. Dabei bieten sie monatlich rund 50 Fortbildungen an. Brandel erklärt: „Mal leiten wir Kurse für eine Kochgruppe, die sich darum beworben hat, mal laden wir zu öffentlichen Veranstaltungen ein.“ Das Ernährungsseminar sollte bestenfalls in gemeinschaftliche Kochaktionen mit den Kindern münden, sagt Brandel. Dabei würden die Kursteilnehmer nach der Veranstaltung nicht alleingelassen. „Auf unserem Online-Portal haben sie Zugang zu verschiedenen Materialien, beispielsweise zu Rezepten und Ideen zu mehrtägigen Workshops.“ Nachhaltigkeit werde schließlich bei den Verantwortlichen des Projektes großgeschrieben. Genau deshalb habe man sich auch für diese Initiative beworben, sagt Christina Betsch, Erzieherin in der Kita St. Maria in Herxheim. „In unserer Einrichtung wird bislang einmal im Monat mit den Kindern ein vollwertiges Frühstück zubereitet, weitere gemeinsame Kochaktionen können nun folgen.“ Die Teilnehmer des Kochkurses dürfen sich im Übrigen nun „Genussbotschafter“ nennen. Sie sollen mit dem gelernten Wissen dafür sorgen, dass Jungen und Mädchen den Weg zum ausgewogenen Essverhalten finden. Und der führe schließlich meist über den Genuss. Info Informationen zur bundesweiten Initiative „Ich kann kochen!“ und zum Bewerbungsablauf gibt es im Internet unter der Adresse www.ichkannkochen.de.