Landau Erdrückende Konkurrenz für Landaus Modeläden?
Ein "Modepark Röther" mit 6000 Quadratmetern Verkaufsfläche soll in Rohrbach entstehen. Landau protestiert.
Im Textilhandel werden pro Quadratmeter Verkaufsfläche im Schnitt 3000 Euro Jahresumsatz gemacht. Das wären bei 6000 Quadratmeter, die Modepark Röther in Rohrbach plant, 18 Millionen Euro. Die rund 1700 Einwohner Rohrbachs (und jeder andere Bundesbürger) geben pro Kopf aber nur rund 820 Euro für Textilien (einschließlich Heimtextilien wie Vorhänge, Handtücher, Bettwäsche) aus, rechnet Peter Heuberger vor. Das macht 1,3 bis 1,4 Millionen Euro Jahresumsatz – „der Rest muss aus der Region kommen“. Sein Fazit: „Diese Ansiedlung ist mit dem Landesentwicklungsprogramm (LEP) IV nicht vereinbar.“ Heuberger weiß wovon er spricht: Der Landauer Einzelhändler hat vier Bekleidungshäuser in der Stadt (mit zusammen 1110 Quadratmetern Verkaufsfläche) und insgesamt 32 Filialen – auch in Malls außerhalb von Innenstädten. Machen kann der örtliche Einzelhandel nichts gegen die Rohrbach-Pläne. „Wir haben keine Klagemöglichkeit“, bedauert Steffen Jost, der fünf „Mode Jost“-Häuser mit zusammen knapp 21.000 Quadratmetern Fläche in Grünstadt, Landau (3000 Quadratmeter, „und ich hätte gerne mehr“), Frankenthal, Worms und Bruchsal betreibt und Präsident des Bundesverbands des deutschen Textil- und Einzelhandels (BTE) ist. Jost lässt den angeblichen Bestandsschutz für den Standort Rohrbach nicht gelten: Bei Real seien Textilien nur ein Randsortiment gewesen. Laut LEP IV wären in Rohrbach maximal 800 Quadratmeter Verkaufsfläche für Textilien zulässig. Mehr können sich Heuberger, Jost und Christiana Baudach, die Geschäftsführerin des Kaufhofs in Landau, auch nicht als Kompromiss vorstellen. Warum sie in diesem Punkt wenig nachsichtig sind, verdeutlicht Heuberger an zwei Beispielen: In Zweibrücken sei das Outlet-Center das Ende für den Einzelhandel in der Innenstadt gewesen, in Neustadt habe die Globus-Ansiedlung und Erweiterung zu einem Aderlass geführt, von dem sich die Innenstadt nie mehr richtig erholt habe. Ähnliches berichtet Jost von der Globus-Ansiedlung in Grünstadt. Er warnt die Politik eindringlich vor einem sogenannten Zielabweichungsverfahren, mit dem Regeln des LEP IV an einzelnen Standorten aufgeweicht worden sind. Dann mache zwar kein Laden von heute auf morgen zu, aber es werde nichts mehr investiert – der Beginn eines schleichenden Erosionsprozesses. Ein Grund dafür, dass die Einzelhändler so nachdrücklich auf LEP IV pochen, ist die Umsatzrendite: Im Textil-Einzelhandel beträgt der Bruttogewinn nach Angaben des BTE 2,4 Prozent vom Bruttoumsatz. Doch bei hohen Mieten oder Gebäudekosten in Innenstädten und hohen Personalkosten könne man sein Geschäft nicht einfach drosseln, wenn es mal nicht so gut laufe: Die Fixkosten blieben hoch, so Jost, und dann laufe man ganz schnell in die roten Zahlen. „Wir hätten nichts gegen eine Röther-Ansiedlung in der Innenstadt, das ist Wettbewerb, und dem stellen wir uns“, betont Jost. „H&M war uns sehr willkommen“, ergänzt Heuberger, „die sorgen für Frequenz, das macht den Standort attraktiver.“ In Neustadt hatte Modepark Röther 2014 versucht, im ehemaligen Karstadt/Hertie-Gebäude Fuß zu fassen. Dort hatte der ortsansässige Einzelhändler Jochen Stahler, der vier Fachgeschäfte betreibt, seine Lieferanten darauf hingewiesen, dass sie bei einer Belieferung des Modeparks mit einem Nullsummenspiel rechnen müssten, also mit Einbrüchen beim vorhandenen Einzelhandel. Jost rechnet aber nicht damit, dass eine solche Strategie auch in Landau Erfolg hätte. Heuberger wirft Röther vor, bei der Bauvoranfrage ganz bewusst nicht in Erscheinung getreten zu sein, damit kein Wirbel darum entsteht. Er habe von einem Lieferanten gehört, wer hinter der angeblichen Revitalisierung des Standorts Rohrbach stecke, die sich als etwas völlig anderes herausgestellt habe. Am Mittwochabend gab es vor dem ehemaligen Real-Gelände in Rohrbach eine Kundgebung für das Fachmarktzentrum, an der rund 700 Menschen teilnahmen – unter anderem Hedi Braun (parteilos), Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Herxheim (wir berichteten). Sie warf dabei Landaus Oberbürgermeister Thomas Hirsch (CDU) vor, er verbreite zwar öffentlich, dass er gesprächsbereit sei, bisher habe er sich aber nie bei ihr gemeldet. Hirsch sagte der RHEINPFALZ, dass sei nicht seine Entscheidung. In diesem Verfahren seien eben die Ortsgemeinde Rohrbach und die Kreisverwaltung die Ansprechpartner. Inzwischen haben Braun und Hirsch aber Kontakt miteinander aufgenommen und werden einen Termin für ein Treffen vereinbaren. Die Verbandsgemeinde Herxheim teilt derweil mit, dass die für gestern angesetzte Frist zur Einreichung der juristischen Stellungnahmen der streitenden Parteien beim Verwaltungsgericht Neustadt verlängert worden sei. Die Stadt Landau hatte dort einen Antrage eingereicht, um einen Baustopp in Rohrbach herbeizuführen. |boe/ansc