Am Rande
Einbahnstraßenregelung an Kramstraße erheitert Beobachter
Es ist ein milder Frühsommerabend in Landau. Überall auf den Plätzen der Stadt sitzen Leute vor Cafés und Restaurants und genießen ihren Feierabend. Auch im Bengels vor dem Deutschen Tor. Die Gespräche am Tisch kreisen um Politik, Literatur, den Arbeitsalltag. Einer der Gesprächspartner beobachtet mit wachsender Begeisterung den Verkehr.
Der entwickelt sich zum Schauspiel, das auch an anderen Tischen an Aufmerksamkeit gewinnt. Immer wieder kommen Autos vorbei, steuern auf die Kreuzung Königstraße/Kramstraße zu – und fahren geradeaus. Geradewegs in die schmale Kramstraße hinein. Dort jedoch prangt ein rotes Schild mit horizontalem Balken: Einbahnstraße, Durchfahrt verboten, Fahrräder frei.
„Mobilität ist Freiheit“
Das Ordnungsamt hätte in diesen Stunden seinen Spaß und genug Arbeit. Der eine ignoriert die Einbahnstraße, der nächste kommt aus der Königstraße und biegt rechts ab, was auch nicht erlaubt ist. Kleine Autos, große Autos, dazwischen Motorradfahrer. Und immer schön gegen die vorgeschriebene Fahrtrichtung.
Der Gesprächspartner hält sich mittlerweile den Bauch vor Lachen, denkt an ein Wahlplakat, das er kurz zuvor noch gesehen hat. „Bürgerbeteiligung ist keine Einbahnstraße“, rezitiert er mit großem Vergnügen. „Mobilität ist Freiheit“, auch das hat er gelesen. Er hat sichtlich Freude daran, dass die Leute fahren, wie sie wollen. „Power to the People“ lautet der dazu passende Text auf einem weiteren Wahlplakat.
Werden Schilder ignoriert?
Und der Gesprächspartner sinniert darüber, warum die Verkehrsführung überhaupt geändert wurde – Plakat „Damit alle ans Ziel kommen“ – und ob die Fahrer die Schilder wirklich nicht erkennen oder ob sie sie schlicht ignorieren, sich also ermächtigen, so zu fahren, wie sie es gewohnt sind.
Da, wieder ein Verkehrssünder. Er kommt vom Nordring und biegt an der Ecke rechts in die Einbahnstraße Kramstraße ein, obwohl dort gleichzeitig ein Auto entgegenkommt und gen Deutsches Tor will. Verkehrsdezernent Lukas Hartmann (Grüne) hätte jetzt einen Schnaps gebraucht, amüsiert sich der Gesprächspartner und lacht sich kaputt.
Zwei Wochen Umstellung
Lukas Hartmann wird vermutlich nach seinem Tagwerk entspannt zu Hause sitzen und sich denken können, was vor dem Deutschen Tor los ist. Das braucht mindestens zwei Wochen, bis sich alle umgestellt haben, sagt er gern in diesen Fällen.
Denn erst seit Montag ist die Einbahnstraßenrichtung in der Kramstraße für den motorisierten Verkehr umgedreht. Der darf nur noch in Richtung Untertorplatz durch die Kramstraße fahren. Radfahrer dürfen in beide Richtungen. Ihretwegen ist die Regelung ja auch geändert worden. Was übrigens schon Ende 2022 beschlossen wurde. Ziel ist, die Verkehrssicherheit für Radler und Fußgänger zu erhöhen, das letzte Stück Einbahnstraße auf dem inneren Ring für den Radverkehr zu öffnen und den Untertorplatz als Gastronomiestandort zu stärken. Klappt, denn dort haben die Gäste jetzt besonders viel Spaß.