Landau / Herxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Eberspächer baut massiv Stellen ab

Der Standort Landau
Der Standort Landau

Eberspächer tut sich derzeit schwer mit dem selbst gesteckten Ziel der Clean Mobility, der sauberen Mobilität. Der weltweit tätige Automobilzulieferer will in Herxheim und Landau mehr als 200 Stellen abbauen.

Erst die geplante Schließung des Ronal-Räderwerks mit 500 Arbeitsplätzen in Landau, jetzt der nächste Schlag bei einem weiteren großen Zulieferer in der Südpfalz: Bei Eberspächer gibt es einen massiven Aderlass. „Die E-Mobilität für Pkw in Deutschland und Europa kommt langsamer als erwartet“, teilt Eberspächer auf Anfrage der RHEINPFALZ mit und bestätigt Gerüchte über einen Personalabbau an den beiden pfälzischen Standorten. Aufgrund der stark gesunkenen Kundennachfrage bei E-Fahrzeugen müsse Eberspächer Catem in Herxheim seine Kapazitäten anpassen. Entgegen den Planungen würden deutlich weniger Hochvoltprodukte von den europäischen Fahrzeugherstellern abgerufen. In Herxheim werden elektrische Heizungen hergestellt. Die Situation werde durch das im Dezember 2023 beschlossene Ende der staatlichen Förderung für E-Autos noch verschärft, so das Unternehmen.

In Herxheim sollen daher noch im Laufe dieses Jahres rund 150 Stellen abgebaut werden – von derzeit 500. Weltweit beschäftigt das Unternehmen nach eigenen Angaben 10.700 Menschen an 80 Standorten. Eberspächer stehe im Dialog mit dem Betriebsrat und der Gewerkschaft, um den Abbau sozialverträglich umzusetzen. Dabei helfe eine bereits 2020 mit den Arbeitnehmervertretern vereinbarte Regelung, die die Verlagerung beziehungsweise Stilllegung teilautomatischer Fertigungslinien vorsehe. Die Fertigung werde sich künftig auf hochautomatisierte Linien konzentrieren. Über diese Entwicklungen seien die Mitarbeiter in Herxheim bereits am 8. Mai informiert worden.

Autonomes Fahren dauert noch

Verzögerungen und eine sinkende Nachfrage der Hersteller gebe es aber auch bei Projekten rund um das autonome Fahren. Daher müsse Eberspächer auch im Bereich Fahrzeugelektronik seine Kapazitäten anpassen. Ebenfalls noch in diesem Jahr würden daher rund 55 entwicklungsnahe Stellen in Landau sozialverträglich abgebaut. Derzeit gibt es in Landau noch knapp 300 Mitarbeitende. Ebenfalls betroffen ist der Standort Esslingen, wo 15 von 50 Stellen betroffen sind. Darüber stehe das Unternehmen im Dialog mit Betriebsrat und Gewerkschaft. Ziel sei es, konzernintern Lösungen zu finden, was bereits für mehrere Stellen gelungen sei. Auch am Standort Landau sind Arbeitnehmervertreter und Mitarbeiter bereits informiert.

Die Eberspächer-Geschäftsleitung sieht nach eigenen Angaben großes Potenzial am Standort Herxheim für die Produktentwicklung, die Serienfertigung und den Vertrieb elektrischer Fahrzeugheizungen. Erst kürzlich war bekanntgeworden, dass Eberspächer wegen der schwächelnden E-Mobilität ein Werk für elektrische Fahrzeugheizungen in Bulgarien, nahe der rumänischen Grenze, noch vor der Eröffnung weiterverkauft hat. Auch im Bereich der Fahrzeugelektronik am Standort Landau gebe es zumindest mittel- und langfristig Potenzial und Wachstumschancen mit aktuellen und künftigen Produkten, so das Unternehmen.

Am Anfang war der Käfer

Eberspächer war zunächst für Standheizungen bekannt, hat aber auch Schalldämpfer und Abgasanlagen einschließlich Katalysatoren für Autos hergestellt – ursprünglich für den Käfer. Am 2014 in Betrieb gegangenen Standort Landau werden Elektronikkomponenten und elektronische Steuerungen hergestellt, die beispielsweise für die Antriebs- und Abgastechnik oder Start-/Stopp-Systeme benötigt werden. Im Herbst 2023 hatte das Unternehmen beantragt, auf einem Parkplatz 14 Container aufzustellen, um Lithium-Ionen-Akkus testen zu können.

Die IG Metall war am Mittwochnachmittag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Der Standort Herxheim
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