Landau
Clubsterben: Feiernde geben immer weniger Geld aus
Karl hat Erfahrung mit Partys und Veranstaltungen. Er ist Inhaber des Gloria-Kulturpalasts mitten in der Landauer Innenstadt. Neben den diversen kulturellen Events in seinem Haus gibt er auch immer wieder Partys. Dass es für Clubs oder Partyveranstalter immer schwerer wird, sich in der Stadt zu halten, liege nicht nur an den Regeln.
Anwohner gegen Partygänger
Da seien die Anwohner: „Ich habe den Eindruck, früher waren die Bewohner einer Stadt dickhäutiger.“ Man habe nicht sofort Polizei oder Ordnungsamt gerufen, wenn es mal lauter wurde. Die Leute hätten früher vielleicht gedacht, dass sie selbst auch mal jung waren und feiern wollten – und deshalb auch mal ein Auge zugedrückt und Rücksicht genommen. Klar ist Karl aber auch: Wer um 5 Uhr morgens aufstehen muss, kann und sollte nicht alles tolerieren. Deshalb nimmt er die Nachtschwärmer mit ins Boot.
„Muss ich nachts schreiend aus einem Club rausrennen?“, fragt Karl rhetorisch. Auch die Partygäste hätten die Pflicht, auf die Anwohner Rücksicht zu nehmen. Es handele sich um einen ganz kleinen Anteil der Gäste, die durch ihr Benehmen mittelfristig den anderen das Vergnügen nehmen, wenn ein Club schließen müsse. Das ist eine Ebene.
Partys unrentabel?
Die andere Ebene betrifft die Wirtschaftlichkeit. Jede Party koste zunächst mal zwischen 1000 und 1500 Euro für ihn als Veranstalter. Das Geld müsse erst mal wieder reinkommen. Des Öfteren liege der Getränkeumsatz pro Gast bei unter fünf Euro. Das lohne sich nicht. „Bei 200 Leuten lege ich drauf.“ Das Verhalten der Menschen habe sich geändert. Früher sei man nüchtern gekommen, heute werde zu Hause vorgeglüht, weil das billiger ist. Dass dieses Verhalten zu einem geringeren Angebot führt, sei logisch. Noch schlechter sei das Verhältnis bei Studentenpartys – die veranstaltende Fachschaft bekommt das Eintrittsgeld. Wären Partys oder Clubabende rentabel, gäbe es auch kein Clubsterben in Landau. Das betreffe auch Kneipen, die sich junge Leute als Zielgruppe ausgesucht haben. Auch hier gehe das Angebot in Landau deutlich zurück.
Die Folgen der Coronakrise treffen auch das Gloria hart. Seit mehreren Monaten ist nun zu. Karl hat die Schließung genutzt und eine neue Theke installiert. Doch: Weitere sechs Wochen ohne Einnahmen und der Kulturpalast werde nicht mehr öffnen, betont er – auch im Internet. Er vermiete die Räume nun auch an Privatleute für Veranstaltungen – bis zu 75 Personen dürften rein. „Essen und Getränke sind kein Problem, auch die Luft nicht. Wir haben hier ein modernes Lüftungssystem mit Frischluftzufuhr. Ich könnte hier drinnen einen Sturm erzeugen.“