Landau Bei Stau wird geschunkelt

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Obwohl die schmucke Weinbaugemeinde Göcklingen nicht als närrische Hochburg bekannt ist, stellt die örtliche Musikkapelle dennoch einen bemerkenswerten Rekord auf: Seit 50 Jahren nimmt das Ensemble am Mainzer Rosenmontagszug teil.

Seit 1966 fahren die Musiker am Rosenmontag nach Mainz, um sich an einem der bekanntesten Fasnachtszüge der Republik zu beteiligen. Lediglich zweimal waren sie wegen der Beerdigung eines ihrer Ehrenmitglieder verhindert. Mit 48 Teilnahmen dürften die Göcklinger, wenn man von Mainz und der unmittelbaren Umgebung absieht, die am häufigsten vertretene Gruppe im Umzug sein. Begonnen hat die Serie mit der erfolgreichen Bewerbung Ende 1965. Am Rosenmontag 1966, um 6 Uhr in der Frühe, ging es zum ersten Mal mit dem Bus via Neustadt, weil dort der Dirigent abgeholt wurde, auf der Bundesstraße 9 – die Autobahn gab es noch nicht – nach Mainz in die Goetheschule. Dort schlüpften die Musiker in die bereitgestellten Kostüme. Nach der Versorgung mit Weck, Worscht und Linseneintopf ging es auf die Straße, wo die Truppe pünktlich um 10.15 Uhr paratstehen musste. Noch heute erinnern sich die älteren Mitglieder der Göcklinger Musikkapelle an das erhebende Gefühl, die Büttenredner persönlich zu sehen, beispielsweise den „Till, Frau Struwwlich und Frau Babbich“. Einige ergatterten damals gar Autogramme der Künstler, die sie bis heute besitzen. Erschöpft, aber glücklich kehrte die Truppe am späten Abend wieder nach Hause zurück, wo sie von den Göcklingern selbst wie Fernsehstars empfangen wurden. Seitdem ist viel passiert, insbesondere in Sachen Sicherheit wurden die Vorschriften verschärft. Heute ist jeder fahrbare Untersatz mit mindestens vier Personen abzusichern, größere Fahrzeuge mit acht Personen. Hinzu kommt neuerdings eine größere Polizeipräsenz und ein Alkoholverbot. Geblieben ist die permanente musikalische Unterhaltung, bei Staus sind Schunkellieder zu spielen und vor allem der Frohsinn darf nicht zu kurz kommen. Zwei Musiker der ersten Stunde sind heute noch aktiv. Ansonsten verändert sich das Bild der Teilnehmer jährlich. Rund 400 verschiedene Personen aus Göcklingen und Umgebung erlebten bisher hautnah den närrischen Höhepunkt der Straßenfasnacht in der Landeshauptstadt, der die Musiker jährlich neu inspiriert und motiviert. Längst ist man zum festen Bestandteil des Zuges geworden und kennt sich gegenseitig. Da werden alte Bekanntschaften aufgefrischt, Küsschen gegeben und Erinnerungen mit dem Hofballett, den Hofsängern, Scheierborzlern oder auch den Büttenrednern getauscht. Die Musikgruppe wird immer wieder unterstützt von Bläsern und Trommlern aus anderen Musikvereinen der Südpfalz, die mindestens einmal das Spektakel Rosenmontagszug erleben wollen. Seit ein paar Jahren wirkt auch die befreundete Stadtkapelle Pirmasens regelmäßig mit, die wie die Göcklinger unter der Stabführung des Dirigenten Alfred Wittmer steht. In diesem Jahr hat die Kapelle einen Platz im Zug mit der Nummer 143 – zwischen dem Hofballett und den Mainzer Hofsängern. Nach der Rückkehr nach Göcklingen – so der Plan – wird im dortigen „Hausbräu“ nochmals der „Riemen“ draufgemacht und die gute Laune von Mainz in den Heimatort übertragen. (pkl)

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