Landau Bei Seebrücken-Demo Europa begraben
Tausende Menschen in Seenot. Hunderte von Toten allein in diesem Jahr im Mittelmeer. Ein Kapitän, der Menschenleben retten will, steht vor Gericht. Diese Ereignisse trieben rund 400 Menschen am Samstag bei der Demo „Seebrücke – schafft sichere Häfen und stoppt das Sterben im Mittelmeer“ in Landau auf die Straße. Dabei haben sie Europa symbolisch zu Grabe getragen.
Organisiert wurde die Demonstration vom Verein Aufstehen gegen Rassismus Südpfalz. „Wir sind hier, da es eine richtige Sache ist“, betont Katharina Wernet-Boos, die mit ihrem Mann teilnimmt. Die beiden freuen sich, dass Menschen jeden Alters mitlaufen. Am Start wendet sich Armin Schowalter, SPD-Stadtrat und Geschäftsführer des Vereins Haus Südstern, an die Menge: „Es ist eine Schande für Deutschland und Europa, wenn Menschen auf dem Mittelmeer sterben. Wenn wir nichts tun und wegsehen, machen wir uns mitschuldig.“ Vier Sargträger führen die Demo an. Die selbstgebaute Kiste, die sie tragen, ist mit einer EU-Flagge bedeckt. Der Vorwurf: Europa tut zu wenig, um dem Sterben im Mittelmeer Einhalt zu gebieten. Vom Bahnhofsvorplatz geht es, ausgestattet mit Schildern, Transparenten und orangefarbenen Rettungswesten, über die Ostbahnstraße zu einer Zwischenkundgebung auf den Martha-Saalfeld-Platz. Neben Schildern wie „Refugees Welcome“ ist zum Beispiel zu lesen: „Seebrücke statt Seehofer“. „Viele Menschen müssen flüchten vor Krieg und Not. Sie entfernen sich aber auch von ihrer Kultur, ihren Freunden oder Familien. Trotz alledem kommen sie vielleicht nicht an, sondern sterben auf dem Weg“, sagt Claudia Sieling, Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Landau. „Deshalb müssen wir die Fluchtursachen bekämpfen und sichere Wege schaffen“, fordert sie. Am bunten Treiben auf dem Marktplatz vorbei zieht die Menschenmenge Richtung Stiftsplatz. Die Demonstranten skandieren Parolen wie: „Kein Mensch ist illegal, Bleiberecht für alle“ oder „Seenotrettung ist Bürgerpflicht – kriminalisieren lassen wir uns nicht“. „Ich habe das Gefühl, dass wir zusammen mehr bewegen können als alleine. In Landau gibt es sehr viele solidarische Menschen“, sagt der gebürtige Karlsruher Tim Weber. Auf dem Stiftsplatz verteilen Ordner Blumen. Der Sarg wird neben der Martin-Luther-Statue aufgebahrt. Eine Frau mit roter Clownsnase und übergroßem Kreuz um den Hals trägt ein letztes Grußwort vor. „Einst war Europa geprägt von Kultur, Aufklärung und Zusammenhalt“, sagt sie, „nun erlag es den Folgen schwerer Grenzbildung.“ Die Demonstranten werfen ihre Blumen auf den Sarg. Das ist dann doch manchen zu viel: „Meine Frau und ich sind nicht hier, um Europa zu begraben. Im Gegenteil: Wir sind hier, um die europäischen Werte zu stärken und zu betonen“, sagt zum Beispiel Bernd Engelhart. Danach spricht Tanja Sattler, die Vorsitzende des Vereins Aufstehen gegen Rassismus. Sie erinnert daran, dass dieses Jahr schon 1600 Menschen im Mittelmeer ertrunken seien, und fordert, man müsse bestehendes Recht auch anwenden können, um Menschen auf dem Mittelmeer zu retten. Zum Schluss gibt es gegen Spende noch eine Klimasuppe der Landauer Grünen und der Gruppe Landau Vegan. Mit dem Erlös sollen die Kosten der Demo gedeckt werden. Der Rest gehe als Spende an die Mission Lifeline, sagt Sattler. Diese betreibt ein privates Seenotrettungsschiff.