Meinung
Bürokratische Belastung: Praxisnähe statt Schreibtischverordnungen
Dass Menschen in Genehmigungsverfahren für Bauanträge oft lange warten müssen, ist ein vielgescholtenes Übel quer durch die Republik – und kommt immer wieder an den Pranger. Umgekehrt behaupten Politiker gebetsmühlenartig, dies zeitnah ändern zu wollen. Tun sie aber nicht. Im privaten Bereich verhallt der Ärger darüber meist ungehört. Steckt ein Investor wie Rolf Fuhrmann in der Warteschlange, noch dazu flankiert von einer Ortsgemeinde, die höchstes Interesse haben muss, dass eine Immobilie endlich wieder das Ortsbild aufhübscht, verlangt das Thema nach Öffentlichkeit.
Aber Fuhrmann ist lange genug im Geschäft, um seine Wutpfeile nicht in Richtung der unteren Behördenebene zu schießen, Menschen, auf deren Zusammenarbeit er baut und deren systembedingte Nöte er ein Stück weit nachvollziehen kann. Er denkt in größerem Zusammenhang, sieht die politischen Entscheidungsgremien in der Pflicht, endlich der Lust an immer neuen Verordnungen und Unterverordnungen Einhalt zu gebieten, dem Wust an Prüfungen und Schreibtischwegen den Garaus zu machen.
Im Fall des Eichhauses wird sein Hinweis auf das politische Versagen als Ursache des Missstands kaum zur Beschleunigung beitragen. Aber es ist gut und wichtig, den Finger immer wieder in diese Wunde zu legen, die offen schwelt und auch folgende Generationen werden ertragen müssen. Es sei denn, die Politik ringt sich endlich dazu durch, sich mehr auf praxisnahen Sachverstand statt Schreibtischverordnungen zu stützen.
