Landau
75 Jahre Intersport Postleb: Tradition trifft auf Nachhaltigkeit
„Eigentlich wollte ich ja Schreiner werden“, sagt Peter Postleb über seine beruflichen Träume als junger Mann. Aus der Handwerkslehre wurde nichts. Gebaut und gewerkelt hat der Inhaber von Intersport Postleb in den Landauer Innenstadt seither trotzdem viel. Insgesamt acht Mal wurde in der 75-jährigen Geschichte des Sportgeschäfts umgebaut, erweitert und zwei Mal der Standort gewechselt.
Den Grundstein für die Erfolgsgeschichte des Traditionsunternehmens legte Postlebs Großmutter Berti mit einem kleinen Laden am Obertorplatz, den die gebürtige Hamburgerin 1948 eröffnete. Die ohnehin schon knapp bemessenen 20 Quadratmeter musste sich die Meisterin im Jugendschwimmen damals mit einem Zigarrenhandel teilen. „Bei meiner Großmutter war das hier noch ein Verteilermarkt. Da hat es nicht viel Ware gegeben. Heute ist das ganz anders“, weiß der Enkel aus Erzählungen. Im 75. Jubiläumsjahr werden Sportbegeisterte und Outdoorfans im Geschäft in der Kronstraße auf 800 Quadratmetern Ladenfläche über drei Stockwerke fündig.
Weg vom strengen Führungsstil
Die Größe des Ladens ist nicht die einzige Stellschraube, an der Peter Postleb gedreht hat, nachdem er vor 40 Jahren in das Geschäft eingestiegen war. Auch in Sachen Unternehmensführung habe er mit dem autoritären Führungsstil seines Vorgängers, Vater Manfred, gebrochen. „Mein Vater war bei der Bundeswehr und ein harter Knochen. Da hatte man schon Respekt.“ Statt militärischer Strenge setze er bei seinen 17 Mitarbeitern auf Selbstbestimmung, Freiheit und Teamgeist. „Wir haben so ein klasse Team. Die halten sich, auch wenn die Personaldecke mal dünn ist, gegenseitig den Rücken frei“, schwärmt der Geschäftsführer. Denn wer lange im Geschäft bleiben will, müsse nicht nur die Kunden abholen, sondern besonders auch die Mitarbeiter mitnehmen.
Angesichts des Fachkräftemangels könne man es sich gar nicht leisten, nicht auf sein Team einzugehen, so die Überzeugung des 58-Jährigen. Um zusätzlich gegenzusteuern, investiert das Unternehmen in die Ausbildung der Fachkräfte von morgen. „Wir haben hier bestimmt schon an die 200 Lehrlinge ausgebildet“, schätzt Postleb. Auch seine älteste Tochter, Pauline Bähr, hat nach der Ausbildung im Sportgeschäft noch ein Betriebswirtschaftsstudium nachgeschoben. Den Familienbetrieb in die vierte Generation zu führen, sei die Idee der 28-Jährigen gewesen, die bereits jetzt an der Seite ihres Vaters die Geschäfte führt.
Freiheit und Selbstbestimmung
In 75 Jahren Unternehmensgeschichte ging es nicht immer nur steil bergauf. Dass das Sportgeschäft schwierige Zeiten überstanden hat, erklärt sich Postleb damit, dass man sich immer auch getraut habe, gegen den Strom zu schwimmen, und an Herausforderungen langfristig gewachsen sei. „Es war schon immer mein Standpunkt, jede Krise auch als Chance zu sehen. Denn jede Krise zeigt ja auch Potenziale auf“, so Postleb. Das habe auch schon riskante Entscheidungen erfordert. Etwa als er sich vom Diktat großer Unternehmen wie Adidas oder Nike getrennt habe, um wieder mehr Freiheit und Selbstbestimmung über das Warensortiment zu erlangen. Um bis zu 60 Prozent habe er die Produktpalette großer Marken reduziert und sie durch solche ersetzt, die nachhaltig produzieren. Denn ein bewusster Umgang mit Ressourcen und der Umwelt ist für die naturverbundene Familie kein kurz aufflammender Trend, sondern eine Haltung und Lebensweise, die sich wie ein grüner Faden durch ihren Alltag zieht – beruflich und privat.
„Mein Opa war Jäger. Einer, dem es in erster Linie ums Hegen, Pflegen und Erhalten ging. Er hat in mir schon dieses Umweltbewusstsein geweckt“, erinnert er sich. Schon lange bevor die grüne Trendwelle auch große Unternehmen erfasste, machte Postleb sein Herzensthema Nachhaltigkeit zur Priorität.
Nachhaltiges Unternehmenskonzept
Das Zuhause der Familie in Heuchelheim-Klingen in Holzständerbauweise mit Photovoltaikanlage war das Vorbild für den nachhaltigen Umbau des Gebäudes in der Kronstraße, das ebenfalls in Familienbesitz ist. Im Bestand nachzurüsten, während der Laden weiterlaufen muss, sei aufwendig und nur in mehreren Bauabschnitten realisierbar gewesen. Die aufwendigen Sanierungsarbeiten haben sich ausgezahlt: „Wir haben es geschafft, unseren Energieverbrauch durch LED-Leuchten und Bewegungsmelder um zwei Drittel zu senken. Unser Eigenstrombedarf wird zu fast 20 Prozent durch die Photovoltaikanlage auf dem Dach gedeckt und pro Jahr sparen wir mehr als 50 Tonnen CO2 ein“, erklärt der umweltbewusste Geschäftsmann, der mittlerweile auch international Vorträge zum Thema Nachhaltigkeit hält. Auch bei den Herstellern setzt das Sportgeschäft auf Nachhaltigkeit, faire Produktionsbedingungen und lebenslangen Reparaturservice. „Wir wollen, dass unsere Kunden so lange wie möglich was von den Produkten haben“, betont Pauline Bähr. Kurzfristig sei das nicht immer die wirtschaftlichste Entscheidung. Langfristig zahle sich die kompromisslose Einstellung jedoch aus. Denn: Zufriedene Kunden kommen wieder.
An seinem 75. Jubiläum will das Familienunternehmen ihre Kunden teilhaben lassen und gleichzeitig der Stadt Landau etwas zurückgeben. Zehn Prozent der Einnahmen, die am 24. November am „Green Friday“ bei Intersport Postleb umgesetzt werden, werden an die Stadt für die Anschaffung von neuen Bäumen im Stadtgebiet gespendet. In Mexiko wurden durch den Verzicht auf einen Teil der Einnahmen in der Vergangenheit schon mehr als 6000 Bäume gepflanzt. Auch für die Zukunft hat das Vater-Tochter-Duo schon Pläne. Neben dem Ausbau der Nachhaltigkeitsstrategie soll der Gesundheitsaspekt von Sport noch mehr in den Fokus rücken und ein „ganzheitlicher Ansatz“ verfolgt werden. „Ich denke, dass es uns noch lange geben kann, solange wir nicht stillstehen bleiben“, zeigt sich die Nachwuchschefin optimistisch.