Lokalsport Südpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Sportsmänner: Auf dem Zimmer mit Hansi Flick – Uwe Gaßners Fußball-Karriere

Dreimal Uwe Gaßner: 2001, ...
Dreimal Uwe Gaßner: 2001, ...

Er war Teil des Edenkobener Fußball-Märchens und des Weingartener Höhenflugs. Heute lebt Uwe Gaßner in Siebeldingen und nimmt eine Pause vom Trainerjob, nachdem er in der vergangenen Saison die Offenbacher A-Junioren gecoacht hatte. Was verbindet ihn mit dem Bayern-Trainer?

Peter Schlegel und Hans-Günter Neues sind zwei Trainer, die den Fußballer Uwe Gaßner beeinflusst haben. Beim FCK erkannte er, dass er kein Bundesliga-Kicker werden würde. Ihm fehlten Tempo und Beidfüßigkeit. Dennoch hat der heute 57-Jährige eine Fußballkarriere hinter sich, über die keiner meckern kann.

Aufgewachsen ist Gaßner in Lambrecht. Dort begann seine Jugendlaufbahn, gefördert vom Vater, der sein erster Trainer war. Die Mannschaft lief in weißen Rollkragenpullis auf, erinnert er sich. Der ganz junge Uwe spielte bis zu drei Altersklassen über seiner eigentlichen, da es in seiner Klasse in Lambrecht keine Jugendmannschaft gab. Ein Mitspieler damals war Udo Bassemir, der drei Jahre älter war, und der heute beim FC Bayern München in der Nachwuchsabteilung tätig ist.

Zum 1. FCK vermittelt

Wegen dieser Situation folgte der Wechsel zum VfL Neustadt, wo er ab der E-Jugend alle Nachwuchsteams durchlief. „Prägende Trainer hatte ich da aber zunächst noch nicht“, sagt er. In der A-Jugend wurde er von Peter Schlegel gefördert. Der zog Gaßner vom offensiven Mittelfeld nach vorne in die Sturmspitze. Der A-Jugendliche bekam seine Chance bei den Männern in der Verbandsliga – und setzte sich durch.

Hans-Günter Neues war es, der Gaßner zum 1. FC Kaiserslautern vermittelte. Bei den Amateuren des Bundesligisten spielte Gaßner unter anderem mit Axel Roos. „Da merkte ich, dass der Weg ganz nach oben für mich sehr, sehr lange werden würde. Er war so viel schneller als ich“, erklärt Gaßner, wie er mit 20 Jahren erkannte, dass er wohl kein Bundesliga-Kicker mehr werden würde: „Mir fehlte einfach die Geschwindigkeit auf den ersten Metern.“

Wieder mit Hans-Günter Neues

Ein Jahr später wurde Neues Trainer beim VfL Neustadt und holte Gaßner zurück. Bei zwei weiteren Stationen trafen sie sich später wieder. Gaßner sagt heute: „Er war der absolut geilste Trainer, den ich hatte. Aber menschlich traf er sehr, sehr harte Entscheidungen. Jedoch war alles, was er machte, richtig. Und er hatte ein Händchen dafür, Mannschaften zu formen.“

An der Haidmühle gelang dem VfL vor einem großen Anhang und mit toller Stimmung der Aufstieg in die Oberliga. Dann lockte Karl-Heinz Braun ihn nach Edenkoben. Die SVE stieg damals als Aufsteiger direkt wieder aus der Oberliga ab. Noch während dieser Runde löste Neues Braun als Trainer ab und schaffte in der Folgesaison den direkten Wiederaufstieg.

„Ich bin heute noch davon überzeugt, dass wir in die Zweite Bundesliga aufgestiegen wären, wenn Hans-Günter Neues uns nicht vor der Aufstiegsrunde gen Essen verlassen hätte“, sagt Gaßner.

Die Zeit bei Südwest Ludwigshafen

Er profitierte von klasse Mitspielern wie Jörn Kaminke („Wenn er den Ball hatte, wusste man, wie man zu laufen hatte und dass der Ball dann kommt“) und imponierte selbst mit seinem starken linken Fuß, dem guten Abschluss und seiner Spielintelligenz, mit der er immer wieder Mitspieler einsetzen konnte. „Wenn ich richtig geflankt habe, hat Thomas Klein den Ball auch definitiv ins Tor geköpft, schon in Edenkoben und später auch in Weingarten“, sagt Gaßner heute.

1991 gehörte er zu der Gruppe von Meisterspielern, die sich mit Trainer Thomas Ritter überwarf und sich von Neues zu Südwest Ludwigshafen lotsen ließ. Gaßner erinnert sich: „Wir waren sehr erfolgreich, sind Zweiter in der Oberliga geworden, spielten um die deutsche Amateur-Meisterschaft, obwohl uns Hans-Günter wieder verlassen hatte.“ Igli Tare stieß als Flüchtling zur Mannschaft. Er habe keinen ehrgeizigeren Fußballer gesehen als ihn und Uwe Wolf, erzählt Gaßner: „Das waren keine besseren Fußballer als wir, aber so kamen beide eben ganz nach oben.“ Er habe Tare damals noch nach Landau lotsen wollen, aber da sei der schon auf dem Sprung in die Bundesliga gewesen. Gaßner reflektiert: „Ich hatte auch Ehrgeiz, aber habe keine Extraschichten gemacht. Und ich hatte neben dem Manko mit der Geschwindigkeit halt nur einen linken Fuß. Das wussten dann auch die Verteidiger.“

ASV Landau und SV Weingarten

Zwei Jahre später spielte Gaßner für den ASV Landau, wo er in drei Jahren einen Abstieg und einen Aufstieg erlebte: „Langweilige Runden habe ich nie erlebt – entweder spielten meine Teams oben mit oder kämpften im Tabellenkeller.“ Helmut Behr war damals Trainer. Gaßner wurde nach einem Jahr spielender Co-Trainer und sammelte so erste Erfahrungen auf einer neuen Ebene.

Nach drei Jahren wechselte ein Block von acht Landauern, die sich gut verstanden – darunter Dietmar Bittner, mit dem Gaßner die Fäden des Spiels zog – zum SV Weingarten, der sein Projekt startete und zum Durchmarsch in die Oberliga ansetzte. Zwar lief das von Helmut Behr und Willi Behr initiierte Projekt sportlich wie ein Selbstläufer, doch für Gaßner endete es nach drei Jahren mit einer großen Enttäuschung. „Mir war beim Wechsel versprochen worden, dass ich nach drei Jahren die Mannschaft als Trainer übernehme.“ Gaßner hatte die A-Trainerlizenz gemacht, Angebote aus Offenbach und Neustadt abgelehnt. Als die drei Jahre vorbei waren, hätten sich Helmut (Trainer) und Willi (Vorsitzender) Behr nicht mehr an diese Zusage erinnern wollen, sagt Gaßner. Helmut Behr machte auf der Bank weiter. Gaßner lief gefrustet nur noch für die Reserveelf auf. Vorbei waren damit auch die Zeiten, als er seine unangenehmsten Gegenspieler traf: „Bei Eintracht Trier gab es Dieter Hahn. Der war so aggressiv, dass mir vor dem Spiel schon klar war, dass ich einstecken muss. Einmal habe ich mich gewehrt – und gleich die Rote Karte bekommen.“

„Spielertrainer ganz schwierig“

Nach diesem Jahr ging Gaßner nach Wörth, stieg aber als Spielertrainer zweimal hintereinander ab. Von der Landesliga in die A-Klasse. „Das war schon hart, aber ich hatte Vertrauen in mich als Trainer, wusste ja, dass der Misserfolg auch personelle Ursachen hatte.“ Im dritten Jahr gelang die Rückkehr in die Bezirksliga. Gaßner sagt heute: „Spielertrainer ist eine ganz schwere Aufgabe. Man erkennt die Situationen auf dem Platz nicht so gut wie von außen und kritisiert Mitspieler für Fehler; dann spielt man im nächsten Moment selbst einen Fehlpass. Ich habe mich daher im zweiten Jahr nur noch ganz selten selbst aufgestellt.“

Nach drei Jahren coachte Gaßner die Weingartener Reserve, um anschließend aus beruflichen Gründen kürzerzutreten. Ein dreimonatiges Intermezzo gab es noch beim damaligen Verbandsligisten ASV Fußgönheim, ehe er sich auf die Förderung seines Sohnes Leon Krumnauer beschränkte und nur noch dessen Jugendmannschaften betreute.

Trainerlehrgang mit Flick

Beim Trainerlehrgang zur A-Lizenz lag Gaßner mit dem heutigen Trainer des FC Bayern München, Hans-Dieter Flick, auf dem Zimmer: „Ein ganz klarer Typ, der seine 150 Bundesligaspiele nie hat raushängen lassen. Es war so, als läge ich mit Stefan Märtens (Anmerkung der Redaktion: Torwart des SV Edenkoben zu Gaßners Zeit dort) auf dem Zimmer. Er ist einfach menschlich und ich glaube auch, dass er seine Entscheidungen mit der Mannschaft bespricht. Das versuche ich auch immer.“ Gaßner ist sich sicher, dass Flick am Gewinn der Weltmeisterschaft 2014 ganz großen Anteil gehabt hat.

Kontakt gibt es noch zu Uwe Brockschläger, der sogar Patenonkel von einem seiner drei Söhne ist. Mit Brockschläger spielte der heute bei der VR- Bank im Versicherungswesen tätige Gaßner in Neustadt und Edenkoben zusammen. Brockschläger zog es auch nach München, wo er beim TSV 1860 II und bei Türkgücü spielte. „Er ist mein bester Freund“, sagt Gaßner.

Traurige Entwicklungen

Wenn er auf die Entwicklung seiner Ex-Klubs schaut, bedauert er diese. Gerade hat Edenkoben seine Mannschaft aus der A-Klasse abgemeldet und taucht in der C-Klasse auf: „Dort hatte ich die prägendste Zeit. Das tut heute weh. Genau wie beim ASV Landau, wo ich gerne gespielt habe und Leute wie Herr Blattmann da waren, die immer alles für den Verein gegeben haben.“

... 2002 ...
... 2002 ...
... und 2009 in Fußgönheim.
... und 2009 in Fußgönheim.
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