sportstypen RHEINPFALZ Plus Artikel Raducanu, Matthäus und der Eklat mit Herget

Schiedsrichter Alfons Lutz bei einem Spiel in Karlsruhe.
Schiedsrichter Alfons Lutz bei einem Spiel in Karlsruhe.

Am späten Samstagabend klingelt das Telefon: „Ich muss leider absagen. Ich habe einen ganz dicken Knöchel und kann morgen nicht in die Pfalz kommen“, sagt Alfons Lutz. Wir hatten uns verabredet. Lutz hätte das Derby SV Büchelberg U23 gegen SG Freckenfeld/Winden in der Fußball-B-Klasse Ost-Ost leiten sollen, ich wollte sehen, wie er sich mit seinen 74 Jahren in einem Spiel mit vielen jungen Kickern schlägt.

Beim Frauen-Landesligaspiel FV Ettlingenweier gegen 1. SV Mörsch knickte Lutz um. Vor allem älteren südpfälzischen Fußballfans ist er ein Begriff. Er ist ein Urgestein des Karlsruher Fußballs. Seit 53 Jahren ist er Schiri, seit fast vier Jahrzehnten hält er der SG Stupferich die Treue.

Als klassischer Vorstopper („ich war wie Katsche Schwarzenbeck“) und Kapitän führte der frühere kaufmännische Angestellte der Bundesbahn seinen Heimatverein 1972 in die 2. Amateurliga und gewann 1976 den Kreispokal. Sein Vater Albert Lutz, der 17 Jahre Vereinspräsident war, bat ihn, ein Spiel der Alten Herren zu leiten. Mit 29 Jahren hörte er als Spieler auf, um sich ganz der Aufgabe Schiedsrichter zu widmen.

Bundesliga-Debüt in Berlin

Von 1984 bis 1988 war er in der 1. und 2. Bundesliga mit Hans-Peter Best Assistent des Leimeners Manfred Neuner. Sein Debüt in der höchsten Spielklasse gab er vor 33.000 Zuschauern am 23. August 1986 im Berliner Olympiastadion. Blau-Weiß Berlin gewann 3:2 gegen Borussia Mönchengladbach. Als Höhepunkt bezeichnet er die Partie Eintracht Frankfurt gegen Bayern München (0:0) im ausverkauften Waldstadion. Die einzige Gelbe Karte sah damals Lothar Matthäus.

Aufregend waren für den glühenden HSV-Fan Lutz drei Auftritte im Hamburger Volksparkstadion. Der damalige Trainer Ernst Happel imponierte ihm. Sein Lieblingsspieler wurde der Rumäne Marcel Raducanu von Borussia Dortmund: „Wenn er vor 80.000 Zuschauern mit dem Ball zauberte und die gelbe Wand auf der Südtribüne tobte, blieb mir die Spucke weg.“

Heiße Duelle in Hauenstein und Geinsheim

Beim Spiel FC Homburg gegen Bayer Uerdingen (2:2) am 21. November 1987 wurde Lutz nach einer Abseitsentscheidung vom 39-fachen Nationalspieler Matthias Herget als „blindes Schwein“ bezeichnet. Referee Neuner stellte Herget vom Platz, DFB-Trainer Franz Beckenbauer strich ihn aus dem Aufgebot für die kommenden Länderspiele. Die Szene wurde im „Aktuellen Sportstudio“ diskutiert, Lutz lag richtig.

In der damals drittklassigen Oberliga leitete er häufig Spiele in der Pfalz. Er erinnert sich an heiße Duelle in Hauenstein und Geinsheim, vor allem an die Wortgefechte mit dem früheren FCK-Libero Hans-Günter Neues, der nach seiner Profikarriere den VfL Neustadt und die SV Edenkoben coachte: „Er war ein richtiger Heißsporn, mit ihm war es nie einfach.“

Tätlich angegriffen

Die Wiedereinführung des Austauschs mit dem Kreis Südpfalz freut Lutz: „Ich lerne immer noch Menschen kennen. Die dritte Halbzeit im Clubhaus ist oft besser, als die ersten beiden Halbzeiten auf dem Spielfeld.“ Mit 80 möchte er nicht mehr auf dem Platz stehen. Er führt den Förderverein der Karlsruher Referees.

Am Sonntag sprang Andreas Dickemann vom ATSV Mutschelbach in die Bresche. Er sollte die Partie FC Bavaria Wörth gegen FV Neuburg leiten, die ausfiel, und machte seine Sache gut beim 7:4-Sieg der Büchelberger.

1984 wurde Lutz beim Aufstiegsspiel SV Sinzheim gegen SC Offenburg tätlich angegriffen. Er hat einen Schlag abbekommen. Der Verein bekam eine Platzsperre. Die Zahl der Referees im Kreis Karlsruhe ist in der Coronazeit von über 300 auf rund 240 zurückgegangen. Zum Lehrgang am vergangenen Wochenende haben sich 38 Neulinge angemeldet.

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